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Bei einem stornierten Flug bekommen Kunden derzeit oft nur Gutscheine. Obwohl sie Anspruch auf "Geld zurück" haben. Verbraucherschützer sind entsetzt — auch über Regierungspläne.

Die Rechtslage bei der Stornierung eines Fluges eindeutig ist: Kunden haben einen Anspruch darauf, ihr Geld zurückzubekommen, stellt SWR-Wirtschaftsredakteurin Tamara Land klar. Trotzdem machen Kunden gerade eine andere Erfahrung: Fluggesellschaften und Veranstalter mauern. Hotlines sind überlastet oder ganz abgestellt, online können keine Anträge auf Rückerstattung von Flugtickets mehr gestellt werden. Gleichzeitig fordern Fluggesellschaften und Veranstalter von der Politik, die Regeln zu ändern. Doch die Branche darf nicht auf dem Rücken der Kunden gerettet werden, kommentiert Tamara Land.

Dauer

"Wer mitten in einer Krise die Regeln ändern will, kann vielleicht kurzfristig die eigene Haut retten. Gleichzeitig wird so aber Vertrauen verspielt, und das dürfte die Kunden verprellen – und zwar auf Dauer."

SWR-Wirtschaftsredakteurin Tamara Land

Bundesregierung prüft und erwägt Vorschläge

Die Bundesregierung erwägt in der Corona-Krise weitere Entlastungen der Fluggesellschaften und Reiseveranstalter. Ein Vorschlag dabei: Passagiere sollen bei stornierten Flügen anstelle von Erstattungen künftig Gutscheine erhalten. Auch für Pauschalreisen prüft die Bundesregierung, ob die Gäste sich nicht zunächst mit Gutscheinen zufrieden geben und zu einem späteren Zeitpunkt verreisen könnten.

Verbraucher keine Kreditgeber der Reisebranche

Gegen diese Praxis regt Widerstand bei Verbraucherschützern. Ihrer Meinung nach würden Konsumenten um ihr Recht gebracht, wenn sie bei stornierten Flügen und Pauschalreisen zunächst nur Gutscheine erhielten.

"Die Verbraucher dürfen nicht gezwungen werden, der Reisebranche einen Kredit zu gewähren, wenn sie selber das Geld für anderes wie Miete oder Lebensmittel einsetzen wollen."

Marion Jungbluth, Reiseexpertin Verbraucherzentrale Bundesverband

Gutscheinlösung soll Unternehmen zahlungsfähig halten

Der Tourismusbeauftragte der Bundesregierung, Thomas Bareiß (CDU) macht sich große Sorgen um Reiseveranstalter. In den kommenden Wochen würden Rückerstattungen in Milliardenhöhe fällig, das hielten auch "kerngesunde Unternehmen nicht länger aus. In der Tat könnte eine Gutscheinlösung hier Liquidität sichern." Es sei wichtig, dass sich der Kunde sicher sein könne, dass sein Geld nicht verloren ist und dass er abgesichert ist. Dies müsse auf eine ordentliche Grundlage gestellt werden.

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
18:45 Uhr
Sender
SWR Fernsehen RP

Brief an die Kanzlerin

Die Tourismuswirtschaft hatte in einem Schreiben am 26. März Kanzlerin Angela Merkel zu Nachbesserungen im Nothilfefonds der Bundesregierung für die Reisebranche aufgefordert. Es sei zwingend nötig, eine Lösung mit Gutschriften oder einem Notfall-Fonds zu finden, statt den Kunden bar auszuzahlen.

Längere Fristen und Extra-Bonus

Lufthansa und andere Gesellschaften versuchen derzeit, ihre Kunden von konkreten Erstattungsanträgen für stornierte Flüge abzuhalten. Sie gewähren aktuell längere Fristen, um die bereits bezahlten Tickets auf andere Flüge im Laufe des Jahres umzubuchen. Lufthansa bietet dafür aktuell einen Bonus von 50 Euro.

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