Eine Frau mit Mund-Nasen-Schutz geht an einer Anzeigetafel an einem Flughafen vorbei. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa/AP | Jeff Chiu)

Sicher Reisen in der Pandemie

Zahlt die Reiserücktrittsversicherung wegen Corona?

STAND
AUTOR/IN
ONLINEFASSUNG

Wer derzeit eine Reise bucht, muss damit rechnen, dass sie ausfällt. Immerhin den Reisepreis könnte es von der Versicherung zurückgeben, oder? Doch dabei gibt es jede Menge Fallen.

Reisewarnungen, Ausgangsbeschränkungen, Quarantäne: Wegen der Corona-Pandemie gibt es jede Menge Gründe, warum Reisen teils unattraktiv, teils sogar unmöglich wird. Die ganze Reisebranche leidet darunter, dass viele Urlauber*innen wegen der Unplanbarkeit gar keine Reisepläne machen. Wer trotzdem bucht, sollte deswegen schon frühzeitig einen Plan B in der Hinterhand haben, falls die Reise ausfallen muss.

Reisrücktrittversicherung zahlt im Krankheitsfall

Eine Reiserücktrittsversicherung ist dabei nur bedingt geeignet. Die meisten Versicherungen zahlen zwar immerhin, wenn man selbst am Coronavirus erkrankt. Die reine Angst vor einer Ansteckung auf der Reise ist jedoch kein Rücktrittsgrund, für den die Versicherung die Kosten übernimmt. Versichert sind neben dem Krankheitsfall hingegen Reiserücktritte wegen Jobverlust, Kurzarbeit, oder der Tod von Angehörigen.

Allerdings haben manche Versicherer einen sogenannten Pandemie-Ausschluss. Das heißt, sie zahlen bei einer Corona-Erkrankung nicht, da die Weltgesundheitsorganisation Covid-19 als Pandemie eingestuft hat. So einen Pandemie-Ausschluss hat aber nur die Minderheit der Versicherer. In einer aktuellen Untersuchung hat Finanztest 50 Reiserücktrittsversicherungen bewertet, demnach zahlen 32 Tarife im Pandemiefall. Trotzdem haben noch immer die Hälfte der Tarife Einschränkungen.

Reisen in der Pandemie Das müssen Sie beim Urlaub im Corona-Winter beachten

Die Infektionszahlen sind hoch und die Beschränkungen zahlreich: Die Pandemie hat den Alltag fest im Griff. Und der Ski-Urlaub? Die wichtigsten Infos rund ums Reisen im Corona-Winter.  mehr...

Viele Reiserücktrittsversicherungen haben umfangreiche Ausschlüsse

So handhaben die Versicherungen zum Beispiel ganz unterschiedlich, wie eine Corona-Erkrankung als Grund für den Reiserücktritt akzeptiert wird. Manchen Versicherungen reicht ein positiver Test, manche fordern zusätzlich ein ärztliches Attest und manche zahlen sogar nur, wenn man schwere Symptome hat. Deswegen sollte man sich unbedingt genau informieren, bevor man die Versicherung abschließt und sich die Bedingungen auch schriftlich geben lassen.

Außerdem können Versicherungen zum Beispiel die Einschränkung haben, dass sie nicht zahlen, wenn bei Reiseantritt eine offizielle Reisewarnung des Auswärtigen Amtes vorliegt. Wird die Reise dann abgebrochen, werden die Kosten für die Rückreise nicht übernommen. Viele Versicherer gehen nämlich davon aus, dass die Reisenden wussten, dass sie sich in Gefahr begeben. Stecken sie sich also tatsächlich an und wollen nach Hause, dann müssen diese Kosten selbst getragen werden.

Brüssel will keine Zwangs-Gutscheine Urlaub in der Corona-Krise: Stornieren und buchen dieses Jahr

Wegen der Corona-Pandemie finden Pauschalreisen und Flüge nicht statt. Kunden sollen mit Gutscheinen abgespeist werden. Wer traut sich, 2020 noch Urlaub zu buchen?  mehr...

Versicherungen bieten Corona-Zusatzpolicen

Auch ein möglicher Quarantäne-Fall ist normalerweise nicht durch eine Reiserücktrittversicherung abgedeckt. Laut Finanztest hat nur eine einzige Versicherung diese Klausel in ihrem Standard-Tarif.

Allerdings gibt es Versicherer, die Zusatzpolicen anbieten, die die Corona-Risiken mit abdecken. Neben Quarantäne ist dann auch der Fall versichert, dass jemand am Flughafen abgewiesen wird und nicht mitfliegen darf. Dieser Zusatzschutz kostet aber extra: Bei einem Reisepreis von 1000 Euro kostet ein Corona-Versicherungs-Paket rund 60 Euro.

Experten-Tipp: Reiserücktrittsversicherung separat abschließen

Für den optimalen Schutz ist am Ende auch entscheidend, wo eine Reiserücktrittsversicherung abgeschlossen wird. Viele Reiseportale bieten den Zusatzschutz direkt bei der Buchung als Extra-Option, Finanztest rät allerdings dazu, die Versicherungen separat abzuschließen.

Auch manche Kreditkarten beinhalten eine Reiserücktrittversicherung, doch auch auf diese sollte man sich nicht blind verlassen. Auch hier muss man in den Bedingungen prüfen, ob Pandemien ausgeschlossen sind, ob die Versicherung nur bis zu einem bestimmten Reisepreis gilt und ob sie nur greift, wenn die Reise auch mit der Kreditkarte bezahlt wurde.

Es kann sein, dass der Schutz ausreicht, es kann aber auch sein, dass es Lücke gibt und man eine Corona-Zusatzabsicherung braucht.

STAND
AUTOR/IN
ONLINEFASSUNG