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Corona verändert alles. Aber trotz Krisenstimmung: Die meisten müssen weiter arbeiten - oft anders als vorher. Hier erzählen Menschen, wie das Virus ihren Job prägt.

Lehrer, die via Skype von zu Hause aus unterrichten, Pfarrerinnen, die in leeren Kirchen Gottesdienst halten, Restaurantbesitzer ohne Gäste, Handwerker, denen reihenweise Aufträge wegbrechen, Supermarkt-Angestellte, die kaum mit dem Regale auffüllen nachkommen, IT-Fachleute, Sachbearbeiter, Bankangestellte, Professoren, die von zu Hause aus arbeiten: Vieles, was in der Arbeitswelt vor Corona noch undenkbar erschien, ist mittlerweile Realität. Manches läuft gut, an manchen Stellen hakt es noch – und für viele geht es um die Existenz: Sie verlieren täglich Einnahmen, wissen nicht, ob es ihren Betrieb nach der Krise noch geben wird. In den Corona-Chroniken berichten sie von ihren Erfahrungen.

Hier geht's direkt zu den einzelnen Gesprächen

Die neuen Folgen finden Sie in unserem Podcast "Corona-Chroniken":

Podcast über Jobs in Zeiten der Pandemie Corona-Chroniken: Arbeitsalltag in der Krise

Arbeiten in der Corona-Krise – im Homeoffice, in Kurzarbeit, mit den Auswirkungen des Kontaktverbots: Lehrer, Pfleger, Pfarrer, Verkäufer, Landwirte erzählen, wie sich ihr Job verändert.  mehr...

Die ersten Gespräche finden Sie gleich hier:

Frank Bäuerle, Schulleiter am Hegelgymnasium in Stuttgart

Der Pädagoge leitet im Moment eine Schule ohne Schüler. Sogar die Stabheuschrecken sind mittlerweile von der Biologielehrerin aus der Schule geholt worden. Bäuerle hält mit Sekretärin und Hausmeister die Stellung. Wie Ferien ist das für ihn aber nicht, denn er versorgt seine Schülerinnen und Schüler – wie alle Lehrer im Land – regelmäßig mit Unterrichtsstoff. Dabei greift er auch auf digitale Technologien zu. Allerdings funktionieren die nicht immer reibungslos - die Server sind heillos überlastet. Rächt sich jetzt, dass Deutschland beim digitalen Lehren hinterherhinkt? Wie fühlt sich ein Schulleiter im stillen Schulhaus? Und was sollen Eltern tun, die ihre Kinder im Moment daheim betreuen? Darüber sprechen wir im Podcast.

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Tipps von Frank Bäuerle für Eltern:

  • Entspannt bleiben
  • Tage daheim strukturieren: Feste Zeiten für Lernen und feste Zeiten für Pausen festlegen
  • Niemand muss zu Hause einen kompletten Schultag durchziehen: 8 Stunden Home-Schooling sind nicht sinnvoll und nicht nötig
  • Es geht nicht darum, Neues zu erarbeiten, sondern bereits Gelerntes zu wiederholen
  • Wer Inhalte nicht versteht: Keine Panik! Nach den Osterferien bekommt jede und jeder die Chance, sich Dinge nochmal direkt vom Lehrer/von der Lehrerin erklären zu lassen.

Jessika Tirandazi, Leiterin der Diakoniesozialstation in Mannheim

Sie muss im Moment vor allem eines machen: Leute beruhigen: Denn die Menschen, die ihre Pflegekräfte versorgen, gehören alle zur Risikogruppe, für sie wäre eine Ansteckung mit dem Corona-Virus besonders gefährlich. Manche haben Einsätze der Sozialstation deshalb abgesagt. Angehörige wissen oft nicht, wie sich richtig verhalten und die Pflegebedürftigen schützen. Und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Sozialstation wissen nicht, was wegen des Virus noch auf sie zukommt und die Situation im Moment nur die Ruhe vor dem Sturm ist. In all dem muss Tirandazi einen kühlen Kopf bewahren. Wie gelingt das? Welche Maßnahmen muss die Einrichtungsleiterin jetzt treffen? Hat sie ausreichend Mundschutz für ihr Personal? Und was, wenn in Deutschland eine Ausgangssperre droht? Kann die Sozialstation dann noch Hausbesuche anbieten?

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Tipps von Jessika Tirandazi für pflegende Angehörige:

  • Kontakt außerhalb der Wohnung meiden, Distanz halten. So ist die Gefahr sich selbst und dann auch kranke und ältere Mitbewohner anzustecken, am geringsten
  • Hygieneregeln beachten, zum Beispiel häufig Hände waschen
  • Husten- und Niesetikette ernst nehmen
  • Bei Erkältungssymptomen sollten Angehörige den Menschen beauftragen, den älteren oder kranken Menschen zu versorgen.

Sabine Schwenk-Vilov, Pfarrerin aus Altenkirchen im Oberen Glantal

Das Corona-Virus stellt unser ganzes Leben auf den Kopf, privat wie auch beruflich. Das trifft alle möglichen Branchen – auch die Kirchen. Denn weil sich die Menschen nicht mehr treffen sollen, müssen sie Gottesdienste absagen, Hochzeiten und Taufen verschieben. Und trotzdem sollen sie für Ihre Gemeindemitglieder da sein. SWR-Wirtschaftsredakteurin Jutta Kaiser hat sich erklären lassen, wie Seelsorge auf Abstand funktioniert.

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Tipps von Sabine Schwenk-Vilov für innere Ruhe in der Krise:

  • Trotz Krisenstimmung im menschlichen Kontakt bleiben
  • Das Beste aus der Situation machen
  • Kraft, Liebe und Besonnenheit behalten
  • Den Shutdowns als Neuanfang nutzen

Helge Stolz, IT-Unternehmer aus Odenbach im Kreis Kusel

Zu Hause arbeiten, statt ins Büro fahren: Home Office ist momentan das Gebot der Stunde – zumindest, wenn es irgendwie möglich ist. Denn je weniger Kontakt die Menschen untereinander haben, desto besser schützen sie sich davor, sich und andere mit dem neuartigen Corona-Virus zu infizieren. Außerdem können Sie so auch ihre Kinder betreuen, die nicht mehr in die Kitas und Schulen gehen können. Eine Firma in der Westpfalz, die Heimarbeitsplätze einrichtet, hat jetzt besonders viele Anfragen deswegen. Das läuft es mal mehr, mal weniger reibungslos. SWR-Wirtschaftsredakteurin Jutta Kaiser hat mit dem Firmengründer, Helge Stolz, gesprochen.

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Tipps von Helge Stolz für Unternehmen:

  • Genug Zeit für die Einrichtung der Technik nehmen
  • Mitarbeitern genug Möglichkeiten geben, die neuen Abläufe kennenzulernen
  • Nicht zu schnell zu viel erwarten

Valerie Kuder, Dorfladen-Inhaberin aus Hülben in der Region Neckar-Alb

Die Regale im Dorfladen sind gut gefüllt. Sogar Klopapier gibt es noch. Alles da, obwohl der Ansturm auf in den letzten Tagen gewaltig war, sogar aus den Nachbarorten kamen Menschen zum Einkaufen. Trotzdem: Dass Lebensmittel knapp werden, fürchtet Kuder nicht. Aber wie sieht es in den nächsten Wochen aus? Was passiert, wenn auch in Deutschland eine Ausgangssperre verhängt wird? Wie können Kundinnen und Kunden dazu beitragen, dass die Mitarbeitenden in den Läden gut und sicher arbeiten können? Darüber sprechen wir im podcast.

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Tipps von Valerie Kuder für den Einkauf in der Krise:

  • Nutzen Sie Packstationen / Lieferservice / Nachbarschaftshilfe. Es muss auch nicht jeder Haushalt immer einzeln einkaufen gehen.
  • Nicht Hamstern! Das schadet uns im Verkauf.
  • Denken Sie auch nach der Krise noch an die regionalen Nahversorger und die kleinen Einzelhändler.
  • Seien Sie kreativ, in allen Bereichen. Eventuell können Sie Ihre Nachbarn oder den Laden um die Ecke unterstützen während Sie sonst gerade vielleicht nicht so viel zu tun habt.
  • Bleiben Sie positiv und vergessen Sie das Lächeln nicht!

Franca Kuppler, Gebäudereinigerin aus Wissen im Westerwald

In einigen Jobs ist es möglich, von zu Hause zu arbeiten. Viele Menschen können das aber nicht – das gilt zum Beispiel auch für die Teams von Reinigungsfirmen. Denn während in vielen Büros und öffentlichen Gebäuden grade alle mit spitzen Fingern unterwegs sind und versuchen, bloß keine Türklinke zu berühren – die Reinigungskräfte müssen genau das tun. SWR-Wirtschaftsredakteurin Jutta Kaiser hat mit einer Betroffenen gesprochen.

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Sebastian Werner, Chef des Cateringunternehmens „I love Mauldasch“ aus Berglen im Rems-Murr-Kreis

Sebastian Werner hat ein paar echte Höllentage hinter sich: Alle Aufträge für letzten Monate sind ihm weggebrochen – Caterings für Firmenveranstaltungen und andere  Events. Doch der Unternehmer, der ausgefallene Maultaschengerichte wie Burger, Wraps- oder Currys liefert, will nicht so einfach aufgeben. Er sagt: "Jede Krise ist auch eine Chance". Und sucht nach neuen Wegen, seine Speisen an den Mann oder die Frau zu bringen: Mit einem Lieferservice und einem Verkauf auf dem Firmengelände zum Beispiel. Und vielleicht gibt es auch bald schon „Maultaschengerichte in Dosen“, in Zusammenarbeit mit dem Hausmetzger des Unternehmens. Wie der Caterer und sein 15-köpfiges Team durch die Krise kommen wollen, was das für die Mitarbeitenden bedeutet und welche wunderbaren Erfahrungen Werner in den letzten Tagen gemacht hat, das erzählt er uns.

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Tipps von Sebastian Werner für Maultaschenfreunde:

  • Studiert unser Karte genau, bei Fragen fragt uns vor der Bestellung, damit es an der Kasse flott geht.
  • Esst mehr Mauldascha und nehmt euch für zu Hause einen Pack mit!
  • A Mauldasch a day, keeps the docter away.

Sebastian Brenner, Medizintechnik-Ingenieur im Home Office mit vier Kindern aus Baden-Baden

Klingt stressig, läuft aber eigentlich ganz entspannt: Sebastian Brenner, seine Frau und seine vier Kinder sind momentan alle den ganzen Tag daheim. Der Medizintechnikingenieur ist wegen Corona im Home Office, seine Frau arbeitet als Lehrerin von zu Hause aus. Ob er sich morgens wie üblich ins Business-Outfit wirft oder im Schlafanzug am Rechner sitzt, wie Video-Meetings ablaufen, wenn die Kinder zugucken und ob die aktuelle Situation die Arbeitsbedingungen langfristig verändern kann, erzählt er im Interview.

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Dirk Sobol, Notfallsanitäter und Desinfektor aus Koblenz

Wenn jemand Husten hat und vielleicht sogar Fieber, fragt er sich oft: Habe ich vielleicht auch das Coronavirus? Manch einer ruft aber nicht zuerst beim Arzt an, sondern direkt bei den Rettungsleitstellen im Land. Dabei sind die Notfall-Teams vor allem für Menschen in akuter Lebensgefahr da, zum Beispiel nach einem Unfall. Dirk Sobol, Rettungssanitäter und Desinfektor, erzählt von seinem Alltag in der Corona-Krise.

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Tipps von Dirk Sobol in der Corona-Zeit:

  • Im Haushalt: Getrennte Handtücher benutzen, Flächen und Türgriffe regelmäßig abwaschen und desinfizieren!
  • Krankenwagen nur bei akuter Lebensgefahr rufen, zum Beispiel wenn jemand so hohes Fieber hat, dass er nicht mehr ansprechbar ist, oder bei akuter Atemnot.

Markus Leicht, Chef des Erdbeer-und Spargelhofs Leicht in Eggenstein-Leopoldshafen

Aktuell läuft auf seinem Hof die erste Spargelernte. Die übernehmen in der Regel vor allem Saisonarbeiter aus Osteuropa. Allerdings hat Leicht nicht genügend Mitarbeitende. Das Problem: Wegen der Corona-Krise dürfen viele nicht einreisen. Ein Team aus Kroatien hat der deutsche Zoll wieder heimgeschickt. Wie der Unternehmer nach neuen Erntehelfern sucht, was er davon hält, deutsche Freiwillige aufs Feld zu schicken und ob in Deutschland Obst und Gemüse knapp werden, darüber spricht der Landwirt hier im Audio.

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Peter Leonards, Krankenhaushygieniker aus Trier

Das Team der Krankenhaus-Hygieniker in Triers größtem Krankenhaus besteht aus sechs Leuten. Sie sollen dafür sorgen, dass sich Patienten in der Klinik keine weiteren Krankheiten einhandeln. In Zeiten der Corona-Pandemie ein Knochenjob, erzählt der Leiter der Abteilung Klinikhygiene, Peter Leonards. Er schätzt, dass er pro Tag um die 150 Anrufe bekommt. Pausen gibt es kaum. Es wird durchgearbeitet – auch am Wochenende.

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Nils Scheiter, Polizist aus Mainz

Die Polizei sorgt für Ordnung und Sicherheit – ihre Aufgaben sind auch in Zeiten der Corona-Pandemie dieselben und doch ist vieles anders im Arbeitsalltag der Beamten. Dazu kommt: Sie sollen auch helfen, das geltende Kontaktverbot zwischen den Menschen mit zu kontrollieren. Dabei müssen die Polizisten aber auch aufpassen, dass sich so wenig Beamte wie möglich mit dem Virus infizieren, damit die Polizei einsatzbereit bleibt. Nils Scheiter, ein Polizist aus Mainz erzählt.

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Max Siegmund, Schlagzeuglehrer aus Durmersheim im Landkreis Raststatt 

Ein paar Tage hat es gedauert, bis Max Siegmund den ersten Corona-Schock verdaut hatte und wieder mal Musik machen konnte: Die Leere im Kopf sei erdrückend gewesen, sagt er.  Eigentlich ist sein Alltag gut gefüllt mit Unterricht: 20 Leuten bringt er Schlagzeug spielen bei. Wegen Corona aber ist alles abgesagt, die Ansteckungsgefahr ist zu groß. Finanziell ist das für den 33-Jährigen ein Desaster – aber auch emotional. Wie Siegmund Unterricht gibt in Zeiten von Corona, wie ihm und anderen Musik über Krisen helfen kann, und warum er öffentlich Musizieren gut findet, das erzählt er im Audio.  

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Tipps von Max Siegmund für Musikerinnen und Musiker 

  • Das Instrument auspacken und spielen, wann und wo es geht.
  • Wer jetzt mehr freie Zeit als sonst hat, soll die gerne zum Üben nutzen. 
  • Mitmachen bei öffentlichen Musizier-Aktionen: In vielen Städten gibt  es um 18 Uhr „Balkonsingen und -musizieren“, die evangelische Kirche ruft dazu auf, sonntags um 19 Uhr gemeinsam „Der Mond ist aufgegangen“ zu spielen.
  • Unter verschiedenen Hashtags wie #DontStopTheMusic, #MusicConnectsUs, #MusicFromHome veröffentlichen Musikerinnen und Musiker Videos, in denen sie von Zuhause aus für das Social Media-Publikum spielen.
  • Musik von Max Band gibt’s hier (gemafrei) 

Andreas Opitz, Transfusionsmediziner aus Bad Kreuznach

Blutspenden in Zeiten der Corona-Pandemie – wie in vielen Bereichen des Lebens läuft auch hier momentan nicht alles wie gewohnt. Zwar dürfen solche Termine immer noch stattfinden, aber natürlich unter Auflagen. Die Mitarbeiter müssen viel umorganisieren. Der größte Stressfaktor: Die Routine fehlt, ständig muss neu geplant werden, sagt Transfusionsmediziner Andreas Opitz aus Bad Kreuznach.

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Angelo Tortora, Pizzeria-Besitzer aus Baden-Baden

Die Corona-Krise bringt viele Restaurants in existentielle Bedrängnis: Keine Gäste - kein Umsatz. Angelo Tortora, Besitzer einer Pizzeria in Baden-Baden, hat deshalb komplett umgedacht: Seine Pizzeria ist in Corona-Zeiten nun einfach ein Lieferservice. Ausgefahren wird mit dem Taxi. Notärzte, Rettungssanitäter und Krankenhauspersonal essen umsonst. Angelo Tortora erzählt, ob und wie das funktioniert.

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Stefan Jooß, Telefonseelsorger

Corona-Krise heißt für viele Menschen vor allem eins: Kontakte minimieren. Das verhindert Ansteckung. Doch Isolation und Einsamkeit sind für viele auch eine extreme Belastung. Telefonseelsorger Stefan Joos erlebt in diesen Tagen viele Anrufer, die tieftraurig und einsam sind; viele, die Angst haben vor Ansteckung. Er hört zu und versucht so, Trost zu spenden. Über seinen Arbeitsalltag in der Corona-Krise spricht er im Audio.

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