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Dieses Osterfest wird anders als jedes andere: Kinder, Motorradfahrer, Sonnenanbeter, Liebespaare, Spaziergänger und Kurzurlauber - alle haben wegen des Coronavirus Einschränkungen.

Darf ich meine Eltern und meine Familie an Ostern besuchen?

Die Bundeskanzlerin und die Länderchefs haben die Bürger „angehalten“, auch über Ostern Kontakte zu anderen Menschen, mit denen sie nicht zusammenleben, auf ein absolutes Minimum zu reduzieren und generell auf private Reisen und Besuche, auch von Verwandten, zu verzichten – im Inland. Fürs Ausland gelten sowieso Reisewarnungen. Das gilt alles zunächst bis zum 19. April, dem letzten Osterferien-Tag. Aber ein bundesweites gesetzliches Verbot zu verreisen, gibt es nicht. Man muss aber sehen: Die Regeln auf Landesebene und in den Städten und Landkreisen sind zum Teil sehr unterschiedlich. Es ist also besser, sich vor der Anreise vor Ort zu erkundigen.

Gesperrte Parkbank am Seeufer in Friedrichshafen (Foto: SWR, Moritz Kluthe)
Die Kontaktsperre wegen der Coronapandemie wirkt sich auch auf den Osterspaziergang aus. Moritz Kluthe

Darf ich über die Landesgrenze, um meine Partnerin oder meinen Partner zu besuchen?

Ja, Partner dürfen sich weiterhin besuchen. Da gibt es im Moment keine Verbote nach den Corona-Bekämpfungs-Verordnungen der 16 Bundesländer. Es ist aber denkbar, dass es vereinzelt Beschränkungen auf kommunaler Ebene gibt. Sinnvoll ist es deshalb, sich bei der jeweiligen Kommune, in die man reisen will, zu erkundigen, um auf Nummer sicher zu gehen.

Zum Ausland: In manche Staaten der EU komme ich gar nicht mehr rein, wenn ich aus privaten Gründen dorthin will – etwa Frankreich oder Italien. Auch außerhalb der EU wurden Einreisestopps verfügt – zum Beispiel in den USA für EU-Bürger. Das bedeutet, ich muss mich vorher sorgfältig informieren, wo ich noch einreisen darf. Und wenn ja, unter welchen Voraussetzungen.

Darf ich Freunde und Verwandte privat treffen zum Essen?

Für Rheinland-Pfalz gibt es in der aktuellen Corona-Bekämpfungs-Verordnung keine Einschränkungen für den privaten Bereich. Die Landesregierung hat aber an die Bürgerinnen und Bürger appelliert, auch im privaten Bereich vernünftig zu sein. Das heißt, es sollten sich auch zuhause nicht mehr als zwei Personen treffen – beziehungsweise nur die, die ohnehin im gleichen Haushalt leben. Folgt man diesem Appell, gibt es kein gemeinsames Osteressen.

Nach den Rechtsverordnungen in Baden-Württemberg darf man sich außerhalb des öffentlichen Raums noch zu fünft aufhalten. Ausnahme: Mehr als fünf dürfen es sein, wenn alle in gerader Linie miteinander verwandt sind – also Enkel, Kinder, Großeltern, Eltern – oder, wenn sie sowieso zusammenwohnen. Zu denen dürfen sie auch zum Essen gehen. Also: entweder alle direkt verwandt oder WG, ansonsten höchstens zu fünft. Aber Obacht: Manche Kommunen in Baden-Württemberg haben da noch strengere Regeln.

Darf ich zum Kurzurlaub etwa an den Bodensee oder in den Schwarzwald fahren?

Es wird aktuell von allen Reisen abgeraten – egal, ob ich ins Ausland will oder im Land Urlaub machen möchte. Die Bundesregierung sagt ganz deutlich, Übernachtungen in Hotels dürfen nicht aus touristischen Gründen gebucht werden, sondern wirklich nur in notwendigen Fällen.  Notwendig ist ein Erholungsurlaub am Bodensee oder im Schwarzwald selbstverständlich nicht. Dazu kommt, dass wir gar nicht mehr so mobil sind: Der Zugverkehr wurde eingeschränkt, viele Regionalzüge fahren gar nicht mehr und auch die Fernbusse haben ihren Betrieb eingestellt. Wenn ich unbedingt verreisen möchte, wäre das größtenteils nur noch mit dem Auto möglich. Bei Tagesausflügen muss man damit rechnen, dass viele touristische Ziele sowohl in Baden-Württemberg als auch in Rheinland-Pfalz von den Kommunen abgesperrt werden.

Ausgangsbeschränkungen am Wochenende

Berittene Polizei kontrollierte im Frühjahr öffentliche Plätze in Konstanz (Foto: SWR, Eichenhofer (Archivbild))
Die langen Bodensee- und Rheinuferbereiche in Konstanz und Radolfzell wurden von berittener Polizei kontrolliert. Sie achtete darauf, dass auch beim Wochenendspaziergang der Mindestabstand von 1,5 Metern eingehalten wurde. Eichenhofer (Archivbild) Bild in Detailansicht öffnen
Küssen geht nicht mehr am Grenzzaun zwischen Konstanz und Kreuzlingen. Weil sich zu viele Menschen dort verabredet haben und dabei den Mindestabstand nicht einhielten, ist ein zweiter Zaun aufgestellt worden. H. Eichenhofer Bild in Detailansicht öffnen
In Friedrichshafen ist das Spazierengehen auf der Uferpromenade zwar erlaubt. Verboten ist aber das Sitzen auf den Bänken, Mauern und Treppen am See. Moritz Kluthe Bild in Detailansicht öffnen
Die Parkbänke im Friedrichshafener Stadtgarten sind gesperrt worden, damit die Menschen auch beim Spaziergang im Freien auf Distanz bleiben. Moritz Kluthe Bild in Detailansicht öffnen
Die Polizei hoch zu Ross. Auch wenn sie zur Kontrolle unterwegs ist, ein schöner Anblick ist es allemal. Bild in Detailansicht öffnen

Wie sehen die Einschränkungen bei den Nachbarn aus, zum Beispiel in Bayern oder Frankreich?

Frankreich ist rigoros, da dürfen die Menschen nur noch einmal am Tag für eine Stunde Spazierengehen und das auch nur einen Kilometer von zuhause entfernt. In Bayern gibt es auch etliche Ausgangsbeschränkungen. Da heißt es, wer nicht zur Arbeit, zum Arzt oder zum Einkaufen muss, sollte nicht nach draußen. Ein Verbot für einen Tagesausflug gibt es zwar nicht, aber die bayerische Landesregierung rät davon ab. Zudem kontrolliert die Polizei in Bayern viel, ob die Regeln der Ausgangsbeschränkung eingehalten werden. Auch der Deutsche Alpenverein sagt, dass wir auf den Wander- oder Radurlaub in den Bergen verzichten sollten. Einfach, um das Gesundheitssystem nicht noch stärker zu belasten, denn es kann ja in den Bergen auch zu Unfällen kommen.

Darf ich mit der Bahn fahren?

Bahnfahren ist erlaubt. Hier ist das kein Problem mit dem Abstand von 1,50 Meter, denn die Züge sind derzeit recht leer. Allerdings hat die Bundesregierung appelliert, touristische Reisen zu vermeiden.

Darf ich eine Motorrad-Tour machen?

Über Ostern sind in den meisten Bundesländern – auch in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalzprivate Motorrad-Ausflüge noch erlaubt. Man darf auch einen Beifahrer oder eine Beifahrerin mitnehmen. Aber sobald man vom Moped absteigt, gilt für die Motorradclique das Abstandsgebot von mindestens 1,50 Meter. Das wird schnell zum Problem, etwa an der Tankstelle oder auf einem Parkplatz. Da wird es enger. Hinzu kommt: Ansammlungen von mehr als zwei Personen sind im öffentlichen Raum untersagt.

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Darf ich eine Fahrrad-Tour unternehmen?

Gemeinsam Fahrradfahren ist im engsten Familienkreis erlaubt und auch mit Personen, mit denen man zusammenwohnt. Was man nicht tun sollte, sind Touren in einer größeren Gruppe mit Freunden und Bekannten. Das wäre rechtswidrig, auch wieder wegen des mangelnden Abstandes schon beim Fahren und erst recht bei einer Rast.

Darf ich im Park Sonnenbaden?

Sonnenbaden ist mit der Familie kein Problem – mit den WG-Mitgliedern auch nicht. Was nicht geht, ist sonnenbaden dicht an dicht mit fremden Leuten. „Social distancing“ soll Infektionen vermeiden. Wer meint, trotzdem mit anderen in der Sonne liegen zu müssen: 1,50 Meter ist der Mindestabstand. Aber Vorsicht, die Polizei könnte das kollektive Sonnenbaden auch für eine verbotene Ansammlung halten.

Verstärkte Polizeikontrollen in Parks und Naherholungsgebieten am Wochenende (Foto: dpa Bildfunk, Sebastian Gollnow)
Verstärkte Polizeikontrollen in Parks und Naherholungsgebieten am Wochenende Sebastian Gollnow

Darf ich mich bei schönem Wetter auf eine Bank setzen und ein Buch lesen?

In Bayern, Berlin und Sachsen, nein. Da darf man ohne triftigen Grund gar nicht vor die Tür. In Rheinland-Pfalz und in Baden-Württemberg dürfen wir raus, wenn wir keine Menschenansammlungen schaffen und den Mindestabstand einhalten. Wenn also schon jemand anderes auf der Bank sitzt, wird es knapp mit den 1,50 Metern.

Darf ich grillen im eigenen Garten?

Grillen ist erlaubt für die engste Familie oder die Mitbewohner. Wichtig ist, dass sich aus dem kleinen Grillen kein großes Fest mit mehreren Personen entwickelt. Das kann nämlich sanktioniert werden. Wenn der Nachbar nebenan in seinem Garten auch grillt, und ich zum Beispiel die Grillwurst gegen sein gegrilltes Gemüse tausche und dabei den Mindestabstand einhalte, dann ist das nicht verboten. Die Frage ist, ob es in diesen Zeiten nötig ist. Zudem haben viele Hausverwaltungen das Grillen in gemeinschaftlich genutzten Gärten für die Zeit der Coronapandemie untersagt.

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