Einweg-Kaffeebecher stapeln sich in einem Abfalleimer. (Foto: dpa Bildfunk, dpa)

Die Pandemie und der Abfall

Corona-Müll: Rennaissance des Einwegplastik

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Kaffee nur im Pappbecher, Reiscurry in der Styroporbox: In der Coronazeit produzieren die Verbraucher mehr Abfall. Die Entwicklung könnte langfristige Folgen haben.

Wer in den letzten Wochen durch deutsche Innenstädte gelaufen ist, dem dürfte die post-apokalyptische Stimmung nicht entgangen sein: Nicht nur, weil die Straßen lange geisterhaft leer waren, sondern auch im Angesicht der vielen überquellenden Mülleimer, vollgestopft mit To-Go-Bechern und Styropor-Behältern – die ärgerlichen Nebeneffekte der Corona-Hygiene-Auflagen.

Verbraucher produzieren mehr Müll

Nicht nur in den öffentlichen Mülleimern, auch in den Mülltonnen der Haushalte ist deutlich mehr Abfall angefallen. Der Bundesverband der Entsorgungswirtschaft schätzt nach Abfragen unter seinen Mitgliedsbetrieben, dass seit Mitte März die Menge an Hausmüll um 20 Prozent zugenommen hat.

Mit einer umweltschädlichen Kehrtwende hat das allerdings wenig zu tun. In Zeiten des Shutdowns mussten die Menschen einfach zu Hause bleiben und sich hier voll versorgen. Wer immer zu Hause isst, produziert automatisch mehr Müll. Viele nutzen daneben die Freizeit zu Hause, um zu enttrümpeln. Es wurde deutlich mehr Sperrmüll gemeldet, teilweise wurde dieser auch illegal entsorgt. Auch bei den Altkleidersammelstellen seufzt man schon, dass die Container überlaufen.

Abfallberge im Gewerbe schrumpfen

Insgesamt betrachtet hat Deutschland seit Beginn der Pandemie allerdings weniger Abfall produziert. Das hat mit dem Zurückfahren der Wirtschaft zu tun. Weil viele Fabriken stillstanden und Geschäfte geschlossen waren, ist die Menge an gewerblichem Müll deutlich zurückgegangen.

Müll wird sortiert (Foto: SWR)
Die Menge an gewerblichem Müll ist durch Corona zurückgegangen.

Analysen der Deutschen Gesellschaft für Abfallwirtschaft zufolge hat das den zusätzlichen Müll bei den Verbrauchern mehr als kompensiert: Seit der Corona-Krise sind in Deutschland zwischen einer und drei Millionen Tonnen weniger Abfall angefallen als zu normalen Zeiten.

Rennaissance der Einwegkultur?

Trotzdem könnte Corona sich Corona auf die Müllbilanz des Landes langfristig auch negativ auswirken. Das hat aber eher mit den Verhaltensmustern zu tun, die derzeit einstudiert werden: In den vergangenen Jahren gab es viele politische Initiativen, Plastikmüll einzuschränken. Eine EU-Verordnung zum Verbot von Einwegplastik-Produkten wurde 2018 beschlossen. In Deutschland befindet sich eine entsprechende Initiative des Bundesumweltministeriums derzeit in der parlamentarischen Beratung, sie dürfte bald den Bundestag passieren.

Auch durch die damit einhergehenden Debatten wurden viele Menschen für das Problem sensibilisiert und haben versucht, weniger Plastik zu verbrauchen. Diese Fortschritte werden nun durch die Pandemie teilweise konterkariert: Plötzlich musste aus Hygienegründen alles in Plastik eingeschweißt werden. Eigene Frischhalteboxen zur Käsetheke mitzubringen, in die der Verkäufer den Schnittkäse legt, daran ist in Zeiten von Corona nicht zu denken.

Gut möglich, dass sich Teile dieser Praktiken in die Zeit nach der Krankheit halten. Wer so manchen überquellenden Mülleimer in der Stadt oder im Park sieht, muss befürchten, dass sich viele derzeit wieder an eine falsche Bequemlichkeit gewöhnen.

Hausmüllmengen gehen wieder zurück

Allerdings gibt es auch Zahlen, die Hoffnung machen: Prognosen der Deutschen Gesellschaft für Abfallwirtschaft zufolge ist der zusätzliche Hausmüll seit Wiedereröffnung von Hotels und Gaststätten bereits um die Hälfte zurückgegangen. Bis zum Jahresende könnten sich die Zahlen auf Vorkrisenniveau eingependelt haben.

Dennoch: Der Trend zu immer mehr geliefertem Essen und damit einhergehendem Einweggeschirr wurde durch Corona unzweifelhaft verstärkt. Es ist nun Aufgabe der Politik, Gegenmaßmahmen zu ergreifen.

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