Zahlreiche Geschäfte in der Stuttgarter Innenstadt sind aufgrund der Maßnahmen gegen das Coronavirus geschlossen. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Marijan Murat/dpa)

Pro und Contra Öffnung im Handel

Corona-Lockerungen: Was für und gegen die 800-Quadratmeter-Regel spricht

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Kleinere und mittlere Läden dürfen ab Montag, mit Hygienestandards, wieder öffnen – große Geschäfte bleiben zu. Viele im Einzelhandel finden das willkürlich und gehen auf die Barrikaden.

Lange hat Kanzlerin Angela Merkel mit den Länderchefinnen und -chefs über Corona-Lockerungen gebrütet. Dass Geschäfte mit einer Verkaufsfläche über 800 Quadratmeter Fläche jetzt noch nicht öffnen dürfen, sorgt für Ärger.

Politik gibt Details zur 800 Quadratmeter-Regelung bekannt

Die Regelungen zur Ladenöffnung werden von der Politik jetzt nach und nach konkretisiert: Ab nächste Woche dürfen Geschäfte mit einer Verkaufsfläche von bis zu 800 Quadratmetern unter Auflagen wieder öffnen. Unabhängig von der Ladengröße können Buchhandlungen, Fahrradläden und Kfz-Händler wieder aufmachen.   

Im SWR sagte etwa die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer, die Vorgabe von höchstens 800 Quadratmetern betreffe die Verkaufsfläche und nicht die Gesamtgröße eines Geschäfts. Auch größere Läden könnten öffnen, indem sie einen Teil der Verkaufsfläche absperrten und so auf die 800 Quadratmeter kämen. Auch Baden-Württemberg will noch landesbezogene Regelungen verkünden.

Pro 800-Quadratmeter-Regelung im Einzelhandel

Michael Herr, SWR Aktuelle Wirtschaft:

Warum darf der das schon, und ich nicht? Diesen Satz, den man sonst oft von kleineren Geschwistern zu hören kriegt, kommt heute von Vertretern der großen Geschäfte. Und ja, es wirkt auf den ersten Blick ungerecht, dass kleinere Läden ab Montag wieder öffnen dürfen, Große aber vorerst zu bleiben. Doch die Einschränkung macht Sinn. Nicht aus wirtschaftlicher Sicht, sondern aus epidemiologischer: Große Geschäfte – egal, ob für Klamotten oder Fernseher und Handys – sind für den Einzelhandel der Städte die Publikumsmagneten. Aus dem ganzen Umland fahren die Leute zum Shoppen dorthin, und danach auch wieder zurück. Ideale Hotspots, wo sich das Virus im ganzen Land ausbreiten kann.

Michael Herr, SWR Aktuelle Wirtschaft (Foto: SWR, SWR/Patricia Neligan)
Michael Herr, SWR Aktuelle Wirtschaft SWR/Patricia Neligan

Wenn große Läden erstmal zu bleiben, kaufen viele Menschen auf dem Land eher vor Ort ein. Der Bewegungsradius der Menschen bleibt kleiner. Und ganz nebenbei könnten Ladenbesitzerinnen und Ladenbesitzer in kleineren Städten einen Schub bekommen, den sie in der Krise dringend brauchen. Und dennoch: Ganz konsequent ist die Entscheidung von gestern nicht. Denn warum ausgerechnet Autohäuser jetzt unabhängig von ihrer Größe wieder öffnen dürfen, ist nur durch einen Lobbyschachzug der deutschen Schlüsselindustrie zu erklären – wieder mal. Oder, nochmal mit den Worten eines Kleinkindes: Das ist doch unfair!

Contra 800-Quadratmeter-Regelung im Einzelhandel

Alexander Winkler, SWR Aktuelle Wirtschaft:

Diese 800-Quadratmeter-Regel hat einen absoluten Denkfehler! Ab Montag können zwar 70 bis 80 Prozent der Einzelhändler wieder aufmachen. Aber: Weil das nur die kleinen Läden sind, ist die Zahl der Kunden, die rein dürfen, viel geringer. Und die Abstandsregeln kommen erschwerend noch hinzu. Die Folge: Vor den Läden bilden sich vermutlich noch mehr Schlangen als jetzt schon. Drinnen sind die Läden dann Corona-sicher, die Probleme aber entstehen davor. Und die Verantwortung liegt alleine bei den Kunden.

SWR-Wirtschaftsredakteur Alexander Winkler (Foto: SWR, Stephanie Schweigert)
Alexander Winkler, SWR Aktuelle Wirtschaft Stephanie Schweigert

Einzige Lösung: Die Geschäfte haben zwar auf, gehen Sie bitte aber trotzdem nicht hin. Damit ist aber auch niemandem geholfen. Wären die großen Läden hingegen auch auf, könnten sich die Einkäufer viel besser verteilen. Das größte Problem ist jedoch: Wann machen die großen Geschäfte denn wieder auf? In zwei Wochen? In vier? Keiner weiß es. Besser wäre deswegen, wenn alle wieder aufmachen dürften. Aber maximal soundsoviele Kunden pro Quadratmeter. Und nach und nach dürften immer mehr kommen. Gleiche Regeln für alle – das wäre mal fair.

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