Undatiertes Handout-Foto, herausgegeben von der Universität Oxford, zeigt eine Ampulle mit Corona-Impfstoff, der von AstraZeneca und der Universität Oxford entwickelt wurde. (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

Kühlung, Wirksamkeit, GPS-Sender, Pharmariesen und Biotech-Pioniere

Was wir bislang über die Corona-Impfstoffe wissen

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Die ersten drei Corona-Impfstoffe stehen kurz vor der Zulassung. Wie lange halten sie ohne Kühlung? Welche Vorteile haben die neuen gen-basierten Mittel gegenüber dem Klassiker?

Dem britisch-schwedischen Impfstoff reicht zur Lagerung ein normaler Kühlschrank, der amerikanische Impfstoff kann darin auch einen Monat stabil bleiben. Der Mainzer Impfstoff braucht minus 70 Grad: So unterschiedlich sind die Ansprüche der brandneuen Vakzine, die im Eiltempo entwickelt worden sind.

Ausreichend Material - aber zu wenig Ärzte?

Pharmalogistik-Experte Matthias Klumpp vom Fraunhofer-Institut sieht die Branche in Deutschland auch für Transporte bei extrem niedrigen Temperaturen gerüstet und ist zuversichtlich, dass es ausreichend Spritzen, Kanülen und Tiefkühlschränke geben wird. Das größte Problem könnte aus Sicht Klumpps beim Personal drohen. Medizinische Fachkräften dürften zwar impfen, aber es müssen auch immer Ärzte dabei sein.

Nach dem Auftauen noch fünf Tage im Kühlschrank haltbar

Das Mainzer Pharmaunternehmen Biontech benötigt für seinen Impfstoff extrem niedrige Lager-Temperaturen: minus 70 Grad. Allerdings wenn das Mittel aufgetaut ist, bleibt es noch fünf Tage lang bei Kühlschranktemperatur – 2 bis 8 Grad – einsatzfähig. Biontech hat für den Corona-Impfstoff mit dem weltweit zweitgrößten Pharma-Konzern Pfizer zusammen gearbeitet. Pfizer verfüge über umfangreiche Erfahrungen beim Kühlkettenversand, betonen beide Firmen in einer gemeinsamen Erklärung.

Impfstoff-Liefertaschen mit GPS-fähigen Tempertursensor

Bis zu sechs Monaten können die Impfstoffdosen in Pfizer-Vertriebszentren gelagert werden und bis zu 15 Tage sind sie in „temperaturstabilen Versandeinheiten“ transportfähig. Dabei habe jede Versandeinheit einen GPS-fähigen Temperatursensor, um jede Impfstofflieferung auf ihrer Route zu überwachen, erklären Biontech und Pfizer.

„Aufgetaut kann der Impfstoff bis zu 5 Tage im Kühlschrank gelagert werden (2-8°C).“

Moderna-Wirkstoff bei Kühlschrank-Temperaturen lagerfähig

Der Impfstoff des US-Konzerns Moderna ist vergleichsweise lange bei normaler Kühlschranktemperatur lagerbar. Man gehe davon aus, dass das Vakzin 30 Tage lang bei Temperaturen von 2 bis 8 Grad stabil bleibe, heißt es in einer Moderna-Mitteilung. (Zuvor war man von sieben Tagen ausgegangen.) Bei einer Temperatur von minus 20 Grad sei der Impfstoff bis zu sechs Monaten haltbar. Bei einer – nicht näher definierten – Raumtemperatur könne der Wirkstoff bis zu zwölf Stunden aufgehoben werden.

„Stability testing supports this extension from an earlier estimate of 7 days. mRNA-1273 remains stable at -20° C (-4°F) for up to six months, at refrigerated conditions for up to 30 days and at room temperature for up to 12 hours.“

Impfstoff der Oxford-Forscher braucht nur Kühlschrank-Temperatur

Der Impfstoff des britisch-schwedischen Pharmakonzerns AstraZeneca kann – nach Angaben des Unternehmens – bei normalen Kühlschranktemperaturen für mindestens sechs Monate gelagert werden und in bestehenden Gesundheitseinrichtungen verabreicht werden.

Außenansicht vom Hauptsitz des Pharmakonzerns AstraZeneca.  (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
Auch auf dem traditionell-entwickelten Impfstoff von AstraZeneca ruhen große Hoffnungen. Nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums gibt es bereits fertige Verträge der EU mit dem Pharmaunternehmen. Picture Alliance

Weniger Impfstoff erhöht die Wirksamkeit

Der von der Universität Oxford entwickelte Impfstoff gegen das Coronavirus ist zu 70,4 Prozent effektiv, so AstraZeneca. Das Ergebnis bleibt damit zwar hinter den Werten der Präparate von Pfizer/Biontech (95 Prozent) und Moderna (94,5 Prozent) zurück, doch ist dieser Durchschnittswert im Fall von AstraZeneca nicht aussagekräftig: Durch Zufall hat das Unternehmen herausgefunden, dass bei der ersten Impfung eine geringere Dosis die Wirksamkeit steigert. Verabreicht man zunächst nur eine halbe Dosis und einen Monat später dann die ganze Menge, erreicht der Impfstoff eine Effektivität von 90 Prozent. Wenn jeweils zwei volle Impfstoff-Dosen gespritzt wurden, lag die Effektivität nur bei 62 Prozent, so AstraZeneca. Weniger ist in diesem Fall mehr.

„The vaccine can be stored, transported and handled at normal refrigerated conditions (2-8 degrees Celsius/ 36-46 degrees Fahrenheit) for at least six months and administered within existing healthcare settings.“

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