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Die Welt wartet sehnsüchtig auf einen Impfstoff gegen Covid-19. Geforscht wird weltweit - in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg spielen zwei Unternehmen international vorne mit.

Biontech ist ein verhältnismäßig kleines Biopharma-Unternehmen mit Sitz in Mainz und 1.300 Mitarbeitern. Trotzdem beobachten zahlreiche Regierungen der Welt die Firma genau: Denn Biontech gehört zu den Hoffnungsträgern beim Wettstreit um einen Impfstoff gegen das Coronavirus. Das Unternehmen startet jetzt mit seinem Impfstoff in Brasilien in die entscheidende Testphase. Gleichzeitig hat das Unternehmen bekannt gegeben, sich an der Börse neues Geld besorgen zu wollen.  

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Warum Biontech mehr Kapital braucht

Biontech braucht jetzt Geld, weil die Impfstoff-Entwicklung enorm teuer ist - und nutzt die Gunst der Stunde. Denn seit Oktober 2019 ist das Unternehmen an der Börse, seitdem hat sich der Kurs verfünffacht. Das Unternehmen ist an der Börse jetzt mehr als 20 Milliarden US-Dollar wert - obwohl es in mehr als zehn Jahren noch nie Gewinn gemacht, geschweige denn, ein Medikament auf den Markt gebracht hat.

Aber Biontech spielt vorne mit bei der Impfstoffentwicklung und ist damit besonders interessant für Investoren - die selbstverständlich alle die Hoffnung haben, dass Biontech das Rennen um einen Corona-Impfstoff gewinnt.

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Wenn Biontech als einer der ersten einen Impfstoff auf den Markt bringt

Biontech ist nur einer von vielen Wettbewerbern. Die Weltgesundheitsorganisation WHO schätzt, dass weltweit 160 Unternehmen, Universitäten oder Institute an einem Impfstoff gegen Corona arbeiten. Seine Entwicklung verschlingt Milliarden. Gleichzeitig tragen die Firmen selbst das Risiko, im Rennen mit der Konkurrenz zu spät zu kommen. Zudem wäre es unmoralisch, den Impfstoff teuer zu verkaufen - das wissen die Hersteller.

Um überhaupt ein gutes Geschäft zu machen, müsste ein Hersteller eine große Menge produzieren können und verkaufen. Das heißt: Die Suche nach einem Impfstoff hat Biontech auf die Weltbühne katapultiert. Das eigentliche Kerngeschäft liegt aber auf einem anderen Gebiet: auf der Krebstherapie. Die Firmengründer sagen selbst, davon hänge langfristig ihr Erfolg ab - und nicht von einem Impfstoff gegen Covid-19.

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US-Pharmariese Pfizer kooperiert mit Mainzern

Das US-Unternehmen Pfizer aus New York ist die Nummer zwei auf dem weltweiten Pharmamarkt, hinter Roche - Jahresumsatz etwa 50 Milliarden Dollar. Pfizer arbeitet mit dem Mainzer Biotechnologienunternehmen Biontech zusammen. Hier geht es konkret um den möglichen Corona-Impfstoff. Beide Firmen haben eine gemeinsame Liefervereinbarung mit Großbritannien geschlossen. Wenn weitere klinische Studien gut laufen und der Impfstoff, an dem Biontech arbeitet, zugelassen wird, bestellt Großbritannien 30 Millionen Dosen.

Biontech und Pfizer haben auch mit den USA einen Liefervertrag über einen möglichen Corona-Impfstoff abgeschlossen. Der Vertrag umfasst zunächst 100 Millionen Impfdosen. Nach Erhalt der Impfdosen bezahlen die USA dafür knapp zwei Milliarden Dollar. Optional will die amerikanische Regierung weitere 500 Millionen Impfdosen bestellen. Voraussetzung für die Liefervereinbarung ist, dass die weiteren Testphasen erfolgreich verlaufen und der Impfstoff, an dem Biontech arbeitet, auch zugelassen wird.

Davon ist das Mainzer Unternehmen aber noch ein gutes Stück entfernt: Größer angelegte Sicherheits- und Wirksamkeitsstudien starten erst Ende Juli. Im Oktober könnte nach jetzigem Stand eine Zulassung in den USA beantragt werden. Biontech befindet sich nach eigenen Angaben in fortgeschrittenen Gesprächen mit zahlreichen anderen Regierungen. 

In Baden-Württemberg ist Curevac Vorreiter für einen Corona-Impfstoff

Seit kurzem ist der britische Konzern GlaxoSmithKline (GSK) Partner des Impfstoffentwicklers Curevac in Tübingen. GlaxoSmithKline mit Sitz im Londoner Stadtteil Brentford ist eines der zehn umsatzstärksten Pharmaunternehmen der Welt. Mit 150 Millionen Euro stiegen die Briten beim Tübinger Biotechnologie-Unternehmen ein. Für GSK sind das gerade einmal 0,4 Prozent des eigenen Börsenwertes. Für Curevac macht die Summe dagegen zehn Prozent der Firmenanteile aus.

GlaxoSmithKline (GSK) setzt auf Curevac

GSK setzt mit dieser Beteiligung nicht unmittelbar auf einen Corona-Impfstoff, sondern grundsätzlich auf die Forschung an der neuartigen, bisher noch nicht zugelassenen Impfmethode MRNA. Sie könnte unter anderem auch gegen Tollwut eingesetzt werden.

Mit den britischen Millionen sollen in Baden-Württemberg fünf solcher Impfstoffe entwickelt werden, so die Zielvereinbarung. Curevac bekommt darüber hinaus eine Einmalzahlung von 120 Millionen Euro und bestimmte Erfolgsprämien. Zum Beispiel, wenn die Produktionsanlage in Tübingen - die gerade gebaut wird - von den Behörden zugelassen wird. Auch an Lizenzgebühren beim Verkauf fertiger Produkte soll Curevac beteiligt werden.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO geht davon aus, dass bis Mitte 2021 eine Corona-Impfung zur Verfügung stehen könnte.

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