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Rolle rückwärts bei der Gleichberechtigung: Die Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie drängen Frauen in alte Rollenmuster. Das liegt an Politik und Gesellschaft – aber nicht nur.

Rolle rückwärts bei der Gleichberechtigung: Die Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie drängen viele Frauen in alte Rollenmuster zurück. Die Schließung von Schulen und Kindergärten hat in den Familien den Alltag auf den Kopf gestellt.

Dabei sind es meistens die Frauen, die Homeoffice und Homeschooling parallel leisten, den Haushalt stemmen – und dem Mann den Rücken freihalten. Dazu kommt: Familien fühlen sich von der Politik im Stich gelassen – denn eine echte Perspektive, dass sich an ihrer Situation bald etwas ändert, gibt es nicht.

Verpasst, die historische Chance für Frauen! - Ein Kommentar von Tamara Land, SWR Aktuelle Wirtschaft

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Corona wäre eine Chance gewesen. Corona wäre die Chance für mehr Gleichberechtigung gewesen. Denn alle sitzen im selben Boot: Man soll zu Hause bleiben. Wer kann, macht Homeoffice. Die Kinder werden am Küchentisch unterrichtet. Das wäre doch eine perfekte Gelegenheit gewesen, die neuen Aufgaben fair zu verteilen.

Denn wann, wenn nicht jetzt, sollten Kollegen und Geschäftspartner Verständnis dafür aufbringen, wenn die kleine Emma in die Videokonferenz platzt, weil sie mal Pipi muss? Wann, wenn nicht jetzt, sollte man dem Chef oder der Chefin erklären können, dass man die Mittagspause verlängern muss, um dem Großen bei Mathe zu helfen? Wann, wenn nicht jetzt, hätten Eltern gemeinsam auf die besondere Doppelbelastung durch Job und Familie aufmerksam machen können?

Frauen kehren zur traditionellen Rollenverteilung zurück

Doch es läuft anders. In der Krise übernimmt die Frau Kind und Küche, der Mann konzentriert sich auf das Wesentliche. Eine Mutter sagt, es sei ihrem Mann einfach nicht zuzumuten, im Homeoffice die Kinder zu betreuen. Ein Banker, dessen Frau im Krankenhaus liegt, schickt seine Kinder – trotz Kontaktsperre – zu Freunden und erklärt, er habe leider nicht frei bekommen.

Die Männer halten sich für wichtig. Sie halten sich für „systemrelevant“, obwohl es in Wahrheit die Frauen sind, die das System am Laufen halten. Frauen sitzen an den Kassen der Supermärkte und Drogerien, Frauen schuften in Alten- und Pflegeheimen, Frauen erhalten in den Kindergärten den Notbetrieb aufrecht. Und nach der Arbeit gehen sie dann noch schnell einkaufen, kochen was, schmeißen die Waschmaschine an und pauken mit den Kindern Englisch-Vokabeln. Mama macht das schon. Irgendwie.

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Selbst schuld, Ihr Frauen!

Die Frauen beschweren sich nicht einmal – und wenn, dann nur ganz leise. Zu recht. Denn sie dürfen auch nicht zu laut jammern, denn sie sind selbst schuld an dieser Misere. Sie hätten die neue alte Rollenverteilung nicht schlucken dürfen. Sie hätten aufstehen müssen. Sie hätten sich vor ihren Partner stellen und sagen müssen: „Mein Job ist genauso wichtig“. Sie hätten sich weigern müssen, die zusätzliche Last alleine zu tragen. Dann wäre die gesellschaftliche Debatte darüber viel früher in Gang gekommen.

Wahrscheinlich hätte es sogar schneller Konzepte für die Wiedereröffnung von Schulen und Kindergärten gegeben, wenn auch Männer die Konsequenzen der Schließung hätten tragen müssen. Doch statt Fairness zu fordern, haben sich die Frauen dem jahrhundertealten Rollenbild unterworfen. Rückschritt statt Revolution: Wir haben eine historische Chance vertan!

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