Eine Frau sitzt im Homeoffice an ihrem Laptop und telefoniert, während ihr Kind neben ihr in einem Kinderstuhl am Tisch sitzt. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Christian Beutler/KEYSTONE/dpa)

Mütter protestieren gegen hohe Belastung

Twitter-Trend: Corona Eltern rechnen ab

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AUTOR/IN
Franziska Roth

Eltern haben es in der Corona-Krise schwer: Sie sind Lehrer und Erzieher - und sollen gleichzeitig im Homeoffice arbeiten. Ein Spagat, für den manche jetzt Entschädigung fordern.

Sie arbeiten frühmorgens und spätabends, üben dazwischen vormittags Mathe, wickeln, wischen Tränen weg, lesen Bücher vor. Zwischendurch eine Telefonkonferenz und die verzweifelte Suche nach einem Babysitter. Eltern sind in der Corona-Krise doppelt und dreifach belastet.

Bei vielen kommen Existenzängste dazu. Denn nicht jeder, der Kinder betreuen muss, wenn Schule und Kita geschlossen sind, kann weiter Geld verdienen. Und die, die im Homeoffice arbeiten, können das nur unter extremen Bedingungen. Denn ein Job ist ein Job - und Kinderbetreuung noch einer obendrauf.

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Vor allem Mütter rechnen bei Twitter ab

Seit einigen Tagen regt sich Protest in den sozialen Medien. Unter dem Hashtag #coronaeltern sammeln sich seit einigen Wochen verzweifelte und erschöpfte Eltern und fordern einen Plan für die Öffnung von Schulen und Kitas. Viele haben sich nun wochenlang streng an die Corona-Auflagen gehalten und verstehen sie auch. Aber nun sind sie am Ende ihrer Kräfte.

Vor allem viele Mütter kritisieren, dass sie durch die Corona-Maßnahmen wieder in traditionelle Rollenbilder gedrängt werden und fordern nun mehr Unterstützung vom Staat und der Gesellschaft. Unter dem Hashtag #coronaelternrechnenab listen sie auf, welche Jobs sie gerade gleichzeitig übernehmen, und schreiben dafür eine Rechnung.

Unverständnis für überlastete Eltern aus Teilen der Gesellschaft

Ein Twitter-Trend, der auf die Belastung der Eltern aufmerksam machen soll. Ums Geld geht es ihnen nicht in erster Linie. Und trotzdem: Die Mütter und Väter bekommen Gegenwind. Ein regelrechter Shitstorm startet in den sozialen Medien gegen #coronaelternrechnen ab. Der Tenor ist so simpel wie verletzend: Wer seine Kinder nur als Kostenfaktor betrachte, hätte besser keine in die Welt gesetzt.

Die Diskussion zeigt vor allem eins: Corona spaltet die Gesellschaft: In Verschwörungstheoretiker und solche, die an das glauben, was die Wissenschaftler zu Corona sagen. In Menschen, die wie die #coronaeltern die Belastung nicht mehr tragen können, und solche, die stoisch hinnehmen, was ihnen zur Eindämmung der Pandemie aufgebürdet wird.

Auch wenn es einiges gibt, was die Pandemie womöglich zum Positiven verändern wird - wie diese gesellschaftliche Spaltung sich langfristig auswirken wird, ist heute noch nicht abzusehen.

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Franziska Roth