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Unterricht in der Corona-Pandemie: Schülerinnen und Schüler in einem Klassenraum über Stunden - das bereitet Sorgen hinsichtlich Aerosolen und Ansteckungsgefahr. CO2-Ampeln könnten helfen.

Für den Schulunterricht in Zeiten der Coronakrise unterliegen die Bundesländer mal mehr und mal weniger Auflagen und Einschränkungen. Um etwa an den Schulen für mehr Sicherheit zu sorgen, wird immer wieder ein Vorschlag genannt: CO2-Ampeln in den Klassenräumen sozusagen als Corona-Vorsorge aufzustellen.

Was CO2 mit Corona zu tun hat und was Ampel-Messgeräte leisten

Wo viele Menschen in einem Raum sind, wird viel ausgeatmet - pro Nase geschätzte acht Liter Luft in der Minute. Darin enthalten ist CO2, Kohlendioxid. Schon lange vor Corona-Zeiten hatte das Umweltbundesamt Empfehlungen veröffentlicht: In Unterrichtsräumen sollte die CO2-Konzentration nicht über 1.000 ppm liegen - ppm ist die Abkürzung für die Maßeinheit „parts per million“, auf deutsch also Teile pro eine Million Teile. Zum Vergleich: In der frischen Luft draußen liegt die CO2-Konzentration bei 400 ppm.

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Dicke Luft in Klassenzimmern - zu viel CO2

Zu viel Kohlendioxid in der Raumluft, das bedeutet abgestandene Luft und hat zur Folge, dass die Denkleistung nachlässt. Zu viel CO2 im Raum, etwa ab dem Zehnfachen des empfohlenen Grenzwerts, kann zu Übelkeit, Atemnot bis hin zur Bewusstlosigkeit führen.

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CoV-2-Ansteckungsgefahr: CO2 als Maßstab für viele Aerosole in der Raumluft

Bei der Idee, CO2-Messgeräte in Klassenräumen oder Büros aufzustellen, geht es nicht um solche Extremwerte. Die Messungen können vielmehr ein Hilfsmittel zur Corona-Vorsorge sein. Denn wenn viel ausgeatmetes CO2 in der Luft ist, sind auch viele Aerosole in der Luft. Das sind kleinste Teilchen, an die sich bei einer infizierten Person auch Sars-CoV-2-Viren aus den Atemwegen anheften. Die schweben dann in der Raumluft und können sich über mehrere Meter verbreiten. Eine hohe Konzentration von Aerosolen erhöht hier also das Risiko für alle anderen im Raum, sich anzustecken.

CO2-Messgeräte messen günstiger

Nun könnte man Aerosole in der Luft messen und Alarm schlagen, wenn es zu viele werden. Aber die Messgeräte dafür sind wissenschaftlich ausgetüftelt, kompliziert und teuer. CO2-Ampeln sind dagegen einfacher und günstiger. Es gibt CO2-Messgeräte ab 30 bis über 200 Euro zu kaufen. Anzeigen in gelb und rot warnen vor viel CO2 in der Luft, und damit auch vor vielen Aerosolen. Wie bei einer Ampel lässt sich so ein möglicherweise erhöhtes Infektionsrisiko für Corona ablesen.

Hier spielen auch noch andere Faktoren eine Rolle: Ist es ein großer Raum, wo sich alles weit verteilt, oder ein kleiner? Wie viele Menschen sind im Raum? Tragen die Menschen im Raum Mund-Nasenschutz? Sprechen alle oder nur wenige? Dennoch wäre ein CO2-Messgerät eine Orientierung, wann die Luft im Raum ausgetauscht, also gelüftet werden sollte. Und zwar richtig lüften: mit weit geöffneten Fenstern, im leeren Raum, mehrere Minuten lang.

Ein Computer misst in einem Klassenzimmer die CO2 Konzentration. (Foto: dpa Bildfunk, Oliver Berg/dpa)
Die CO2-Konzentration in Klassenzimmern gibt Aufschluss über die Luftqualität und erinnert ans Lüften, um die Corona-Ansteckungsgefahr zu mindern. Oliver Berg/dpa

Aerosole im Raum: Dauerlüften mindert Infektionsgefahr

Martin Kriegel vom Hermann-Rietschel-Institut der TU Berlin hat mit seinem Team verschiedene Untersuchungen gemacht, wie sich Aerosole in Räumen verteilen und was das für das Infektionsrisiko bedeutet. Er geht sogar so weit zu sagen, dass die Fenster in den Klassenzimmern die ganze Zeit geöffnet sein müssten.

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