Kauflandlogo an Gebäudewand. (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance/dpa Bildfunk | Jens Wolf)

Wie gut, günstig und fair ist die Kette?

Marktcheck macht den Kaufland-Check

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Nina Rathfelder
Julian Gräfe
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Gesa Marx
Bild von Gesa Marx (Foto: G. Marx)

Etwa 30.000 Produkte bietet jede Filiale - doch wie gut ist das Angebot? Marktcheck hat sich Image, Preis, Qualität, Tierwohl, Nachhaltigkeit und Arbeitgeber-Eigenschaften genau angesehen.

Kaufland gibt es über 750-mal in Deutschland. Die Supermarkt-Kette gehört zur Schwarz-Gruppe, zu der auch Lidl gehört. Mit rund 84.000 Mitarbeiter macht die Supermarkt-Kette aus Heilbronn zuletzt einen Jahresumsatz von 27,3 Milliarden. Laut eigener Angaben bietet eine Filiale durchschnittlich 30.000 Produkte.

Das Image von Kaufland

Kaufland arbeitet in den Filialen mit auffälligen Farben, die aggressiv Aufmerksamkeit schaffen. Ganz typisch: das Kaufland-Rot. „Rot“ ist eine Farbe, die viele Menschen mit Rabatt verbinden. Es springt schnell an.

Zusätzlich arbeitet der Supermarkt mit Gelb, einer weiteren Signalfarbe fürs „discount-billig“ sein. Konsumforscherin Carmen Schenkel ist der Meinung, dass Kaufland so günstiger erscheinen will, als es tatsächlich ist.

Ein Handy, das die Kaufland-App samt Kaufland Card geöffnet hat. Unter dem Logo von Kaufland steht: "Jetzt anmelden und Vorteile sichern" (Foto: SWR)
Mit der digitalen Kaufland Card kann man sich Vorteile für den Einkauf bei Kaufland in der Kaufland-App sichern.

Seit Oktober 2021 bietet Kaufland eine App. Bereits nach einem Monat hatte sie über fünf Millionen Downloads und lag in den App-Store-Charts an Platz 1, direkt vor Apps wie Google Maps oder PayPal. Mit solch einer App, über die man direkt Angebote angezeigt bekommt, versucht Kaufland die Kunden stärker an sich zu binden. Das gelingt mit dem Erfassen der Daten. Das Ziel: Durch das Scannen des Einkaufverhaltens bekommt der Kunde personalisierte Angebote, die ihn immer wieder neu in den Markt locken.

Nachdem die Real-Supermarktkette pleite gegangen ist, hat unter anderem Kaufland einige Filialen übernommen. Und auch der Online-Marktplatz real.de – aus dem ist kaufland.de geworden. Im Internet versucht Kaufland unter anderem ein Gegenangebot zum Onlinegigant Amazon zu sein.  

„Kaufland ist sehr pragmatisch. Kaufland gestaltet Eigenmarken günstig, pragmatisch und solide.“

Fazit: Kaufland pflegt sein Image als günstiger Supermarkt. Das sieht man auch in der Gestaltung der Märkte und der Eigenmarken, beispielsweise anhand unzähliger bunter Werbeschilder im Markt. Manche Angebote fallen allerdings kaum auf. Allerdings: Wohlfühlatmosphäre sieht anders aus. Mit dem Online-Marktplatz will Kaufland moderner werden.

So hat sich Marktcheck bei Kaufland genauer umgeschaut

Marktcheck hat sich bei Kaufland genauer umgeschaut: Ist Kaufland günstiger als die Konkurrenz? Ein Warenkorbvergleich zeigt, ob Kaufland der preiswerteste Markt ist. Wie sieht es mit der Qualität der Produkte aus? Kann die Eigenmarke mithalten? Was tut Kaufland für Nachhaltigkeit und Tierwohl? Und wie geht man dort mit Mitarbeitern um?

Der Qualitäts-Check von Lebensmitteln bei Kaufland

Kaufland wirbt offensiv mit der Frische-Garantie. Wer alte oder nicht frische Ware entdeckt, erhält sogar einen 2,50-Euro-Gutschein.

Um das Versprechen auf die Probe zu stellen, macht Marktcheck zwei Stichproben: einmal beim Obst- und Gemüsekauf und einmal bei fertigen Lebensmitteln.

Obst- und Gemüse-Stichproben

Einkauf: jeweils vormittags in drei Filialen in Mainz, Dossenheim und Schifferstadt.
Einschätzung durch Agraringenieur Joachim Ziegler: Das Frischeergebnis wurde nur zum Teil erfüllt, da Test-Zucchini und -Spargel nicht einwandfrei waren. Allerdings:

„Das Problem liegt meiner Meinung hauptsächlich natürlich auch am Personal, die die Regalpflege betreiben. Dass die regelmäßig kontrollieren: Was ist gut? Was ist nicht gut? Was muss raus?“

Verarbeitete Lebensmittel von K-Classic im Check

Zum Testen der verarbeiteten Produkte von Kaufland wählt Marktcheck als Testobjekt den Fertig-Kartoffelsalat von K-Classic aus. Insgesamt wird der Salat auf drei verschiedene Arten gecheckt:

  • im Labor auf eine Richtlinie für Feinkostsalate
  • im Vergleich mit 4 anderen Produkten von 85 freiwilligen Testern auf einem Festival
Fünf Fertig-Kartoffelsalate stehen zum Vergleich nebeneinander. Kartoffelsalate gibt es auch bei Kaufland. (Foto: SWR)
Fünf Fertig-Kartoffelsalate stellen sich dem Vergleich.

Die Produkte:

  • Kartoffelsalat von K-Classic
  • Eigenmarken-Salat von Aldi
  • Markensalat von Homann
  • Markensalat von Nadler
  • Markensalat von Popp

Ergebnisse: Im Labor lagen alle untersuchten Salate deutlich innerhalb der Richtwerte der Deutsche Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie (DGHM). Hier herrscht also Gleichstand.
Kostenproben-Sieger basierend auf 85 Probanden: 1. Platz: Homann, 2. Platz: Kaufland, 3. Platz: Plopp, 4. Platz: Aldi-Eigenmarken-Salat, 5. Platz: Nadler.

Fazit: Die Qualität von Obst und Gemüse war überwiegend frisch, es gab nur wenige Ausreißer. Beim Kartoffelsalat überzeugt die Eigenmarke von Kaufland mit ordentlicher Qualität zu günstigen Preisen.

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Arbeitgeber-Check bei Kaufland

Anders als bei der Konzernschwester Lidl gibt es bei Kaufland mittlerweile fast überall Betriebsräte.

Doch das war nicht immer so: Anfang der 2000er gerieten Kaufland und Lidl auf Grund des sogenannten Schwarzbuches in die Kritik. Verdi schlüsselte damals detailliert auf, wie Mitarbeitende teilweise unbezahlte Arbeit leisten mussten und außerdem schikanösen Kontrollen von Vorgesetzten, Abmahnungen oder auch Entlassungen über sich ergehen lassen mussten. 

Hat sich seit damals etwas verändert? Werner Wild hat damals die Recherchen begleitet, ist seit mehr als 40 Jahren Gewerkschafter und beschäftigt sich seit 1982 mit dem Schwarz-Konzern. Er besucht bis heute regelmäßig Kaufland Betriebsräte, um herauszufinden, was Mitarbeitende aktuell beschäftigt.

In letzter Zeit häufen sich die Beschwerden von Angestellten über angelieferte Ware: Paletten sind oft sehr hoch gepackt, manchmal höher als zwei Meter. Doch gerade Mitarbeitende, mit weniger als 1,75 Meter Körpergröße, haben dann Probleme beim Abladen.

Laut Insidern werden Mitarbeiter, die sich darüber beschweren allerdings nicht ernstgenommen: „Das sei halt so, weil das Zentrallager die LKW eben vollpacke. Ob das bei uns vor Ort Sinn macht und vielleicht sogar gefährlich ist, das ist gefühlt zweitrangig. Und es hat sich auch nach Monaten nichts geändert.“ 

Für Gewerkschafter Wild wieder mal ein Beispiel für die geringe Wertschätzung der Mitarbeiter vor Ort: 

„Das ist schon ein Kaufland-Problem. Die Arbeitsbedingungen im Lager und Zentralbereich sind anders, als es vor Ort der Fall ist. Also vor Ort, das sind quasi die ausgesetzten Mannschaften, die die Ware bewegen müssen und absetzen. Da wird das Geld verdient, aber die werden nicht so behandelt, wie die im Zentralbereich was Umgangsformen, was den Arbeitsschutz und was die Bezahlung angeht.“ 

Fazit: Kaufland geht heute weitestgehend fair mit seinen Angestellten um, die Arbeitsbedingungen haben sich in den vergangenen Jahrzehnten verbessert. Der Konzern zahlt faire Löhne und Gehälter.

Gesamtfazit des Kaufland-Checks

Image: Kaufland möchte als günstiger Supermarkt wahrgenommen werden. Das schafft das Unternehmen mit seinen unzähligen bunten Werbeschildern und der Logo-Signalfarbe Rot. Allerdings: Wohlfühlatmosphäre sieht anders aus.

Preise wie beim Discounter – das Versprechen kann Kaufland bei vielen Produkten einhalten. Wer seine Daten preisgibt, kann mit Rabattprogrammen sogar noch mehr sparen. Mehr zu Kaufland-Preisen lesen Sie hier.

Qualität von Obst und Gemüse war überwiegend frisch, es gab nur wenige Ausreißer. Ob Kartoffelsalat oder Pürierstab: Die Eigenmarken von Kaufland überzeugen mit ordentlicher Qualität zu günstigen Preisen.

Tierwohl: Bei der Herkunftsangabe von Fleisch und Geflügel hält Kaufland lediglich die gesetzlichen Vorschriften ein. Genaue Details zu den Marken K-Purland oder K-Wertschätze und den tierischen Produkten finden Sie hier.

Nachhaltigkeit: In Sachen Nachhaltigkeit schreitet Kaufland mit einem eigenen Recylingwerk voran. Bei der Verpackungsquote und beim Mehrweg ist das Unternehmen immerhin schon auf einem guten Weg. Mehr zur Nachhaltigkeit bei Kaufland gibt es hier.

Als Arbeitgeber: Die Arbeitsbedingungen, die zum Teil die Reaktion auf politischen Neuregelungen sind, haben sich in den vergangenen Jahren verbessert. Heut gibt es faire Löhne und Gehälter.  

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Bild von Gesa Marx (Foto: G. Marx)