MARKTCHECK checkt Ritter Sport

Quadratisch, praktisch, gut?

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Topmarken im Südwesten

Seit knapp hundert Jahren gibt es die Erfindung, mit der Ritter Sport berühmt wurde: Schokoquadrate, die in jede Jackentasche passen. Fast jede vierte Tafel Schokolade, die bei uns verspeist wird, kommt  aus der Schokoladen- und Zuckerwarenfabrik Alfred Ritter. Und  zweieinhalb Millionen Tafeln davon werden jeden Tag in Waldenbuch hergestellt. Wie gelang es der Marke, so erfolgreich zu werden? Wie gut sind Geschmack und Qualität? Welche Rolle spielt die Werbung? Und wie fair wird die Schokolade produziert?

Ein Fall für unsere MARKTCHECKER: Ein Chocolatier, ein Marketing-Professor und ein Kakao-Experte.

In Deutschland ist Ritter Sport nach Milka die Nummer zwei auf dem Schokoladenmarkt. In mehr als 90 Länder werden die quadratischen Tafeln inzwischen verkauft. Und jede einzelne Tafel kommt aus Waldenbuch.
24 Standardsorten gibt es mittlerweile - plus Saisontafeln. Und in der Versuchsküche wird ständig an neuen Rezepten gefeilt - gerade zum Beispiel an den neuen Weihnachtssorten.

Geschmack 

Mit Hilfe des Chocolatiers Eberhard Schell wollen wir checken, wie gut Ritter Sport schmeckt. Unsere Testesser sollen die Schokolade aber nicht erkennen, deshalb schmilzt Eberhard Schell die Ritter Sport Tafeln ein und verpasst ihnen eine neue Form. Auch drei Schokoladen der Konkurrenz hat Eberhard Schell für uns anonymisiert.

In Konstanz bauen wir unseren Marktcheck-Stand auf und  - ohne dass die Marken zu erkennen sind - treten an:

  • Ritter Sport Alpenmilch - gekauft für 85 Cent
  • Fin Carré-Schokolade von Lidl - gekauft für 39 Cent
  • Edel-Alpenmilch-Schokolade  von Lindt - gekauft  für 1,50 Euro
  • Milka Alpenmilch - gekauft für 69 Cent

100 Passanten dürfen probieren und je einen Goldtaler an ihren Favoriten vergeben. Nach ein paar Stunden steht das eindeutige Ergebnis fest:

Mit je nur 11 Talern liegen die günstige Schokolade von Lidl und überraschender Weise auch der Marktführer MILKA weit hinten. Deutlich besser ist da schon Ritter Sport mit 36 Talern, die nur geschlagen wird von der Premiummarke Lindt mit 42 Talern.

Unser Fazit: Ritter Sport schmeckt!

Qualität 

Ritter-Sport ist eher eine der teureren Schokoladen. Ist das gerechtfertigt?  Unser Chocolatier Eberhard Schell checkt Ritter Sport und die drei Konkurrenten im Vergleich zu seiner Edelschokolade.

1.    Der Bruchtest

Gute Schokolade sollte glatt durchbrechen und Knacken, doch das Ergebnis ist enttäuschend. Die so genannten Industrieschokoladen  - also unsere vier Testteilnehmer - haben alle eine bröselige Struktur, keine scharfe Bruchkante und vor allem Dingen hört man kein Knacken, so der Experte. Seine eigene Schokolade bricht viel glatter durch und das Knacken ist deutlich zu hören.

2.    Der Schmelztest 

Je mehr gute Kakaobutter, desto langsamer schmilzt Schokolade. Hier kann Ritter Sport punkten.  Milka ist wesentlich weicher und schmilzt schneller in der Hand. Somit ist für den Experten klar, dass in Ritter Sport ein höherer Anteil an guter Kakaobutter sein muss und nicht so viel Butterfett.

3.    Der Geruchs- und Geschmackstest 

Bei Geruch und Geschmack fällt erstaunlicherweise die teure Lindt-Schokolade durch. Dem Experten fällt auf, dass in der Lindt-Schokolade Malzextrakt drin ist. Das soll möglicherweise ein bisschen den Kakao unterstützen. Doch für Eberhard Schell  muss das nicht sein, denn wenn Schokolade guten Kakao enthält, wird kein Malzextrakt benötigt  und die Schokolade muss auch nicht anderweitig aufgepeppt werden.

Das Fazit des Chocolatiers: Für Eberhard Schell ist Ritter Sport der Favorit, weil die Schokolade in der Textur eine angenehme Beschaffenheit habe. Sie schmecke  nicht so fettig oder mehlig wie zum Bespiel die getestete Schokolade von Lidl und von Milka. Außerdem ist ihm die Milka-Schokolade zu süß. Daher findet er auch den höheren Preis von Ritter Sport durchaus berechtigt.  

Unser Fazit: Die Qualität von Ritter Sport überzeugt.

Strategie 

Ritter Sport ist auf dem deutschen Schoko-Markt zur Zeit auf Platz zwei und dafür tut das Unternehmen einiges: In vielen Kinos versucht uns Ritter Sport zu verführen und an jedem größeren Bahnhof prangen auffällige Werbetafeln.

Die Strategie ist raffiniert, sagt unser Marketing-Experte Markus Voeth von der Universität Hohenheim. Denn Ritter schafft es, sich von allen Konkurrenten abzuheben, indem Verpackung und Form anders sind, als bei anderen Schokoladen. Und deshalb sei auch die Kernbotschaft von Ritter Sport, dass sie die etwas andere Schokolade ist.

Anders ist sie vor allem durch ihre Form. Seit 1932 ist sie quadratisch und Ritter Sport bewirbt das fleißig.  Für den Kunden ist das ein sofort sichtbarer Unterschied, so Markus Voeth. Und von daher sei diese quadratische Form ganz wichtig zur Differenzierung im Markt.

Ein weiterer wichtiger Punkt der Ritter-Sport-Strategie ist die Vielfalt bei den Sorten und den Farben. Aber funktioniert die Farbstrategie? Wir machen einen Test: Vier Schokotafeln ohne Sortenbeschreibung haben wir auf eine Magnettafel gedruckt, dazu gibt es vier Magnete mit den Sorten. Erstaunlicherweise wissen die von uns befragten Passanten in der Konstanzer Innenstadt auf Anhieb fast alle, welche Farbe welche Sorte hat. Besonders gut schneiden bei diesem Test Kinder ab.

Für Marketingexperte Markus Voeth  ist Farbzuordnung eine der besten Marketingideen im Schokoladenmarkt der vergangenen Jahrzehnte gewesen. Jeder Kunde kann sofort sehen, um was für eine Sorte es sich handelt. Und das ist für ihn eine ganz elegante, aber auch geschickte Form, die eigenen Geschmackssorten voneinander zu differenzieren und sich vor allem aber von den Konkurrenten abzuheben.

Unser Fazit:  Die Strategie mit den farbigen Quadraten geht also auf!

Nachhaltigkeit 

In Waldenbuch gilt die Firma Alfred Ritter in Sachen Umweltbewusstsein als Vorzeigeunternehmen. Alle Maschinen laufen ohne Atomstrom, die Firma hat Solarpanels auf dem Dach und geheizt wird mit dem firmeneigenen Blockheizkraftwerk. Ritter Sport erklärt  uns, das liege auch in der Tradition der Familie Ritter. Schließlich lebe das Unternehmen von einem Naturprodukt und müsse auch sehr naturverträglich wirtschaften. Auch der Umgang mit den 900 Mitarbeitern in Waldenbuch gilt als vorbildlich. Doch wie geht das Unternehmen mit Zulieferern aus dem Ausland um?  

Seit 20 Jahren unterstützt die Firma eine Initiative in Nicaragua. Die Bauern hier wurden für nachhaltigen Anbau geschult und bauen Bio-Kakao an. Dafür bekommen sie einen Preis, der deutlich höher ist als der Weltmarktpreis.

Doch das Projekt sei ein Tropfen auf den heißen Stein, sagt Friedel Hütz Adams vom  Institut Südwind für eine gerechte Weltwirtschaft. Der Experte untersucht seit Jahren den globalen Kakaomarkt  und hatte gehofft, dass von diesem Pilotprojekt Signalwirkung ausgeht. Dass es in die Breite geht und so dafür sorgt, dass irgendwann mal der größte Teil des Kakaos den Ritter Sport benutzt, tatsächlich auch aus nachprüfbar besseren Quellen stammt. Aber das sei bisher nicht geschehen.

Den Großteil seines Kakaos bezieht Ritter Sport - wie die meisten Schokoladenhersteller - aus Westafrika. Auf den Plantagen dort sind die Bedingungen oft unmenschlich. Kinderarbeit ist häufig und es arbeiten sogar Kindersklaven dort.

Kinderarbeit und Kindersklaven – das kann auch Ritter Sport nicht ausschließen. Doch bislang tut die Firma wenig dagegen.

Für Friedel Hütz-Adams entsteht so der Eindruck, dass sich die Firma Alfred Ritter hinter ihrem guten Marken-Image ein bisschen verstecke und hoffe, die ganze Debatte aussitzen zu können. Der Experte lässt sich gerne eines Besseren belehren, zum Beispiel  indem die Firma  jetzt verkündet, dass sie  - wie andere Unternehmen auch  -  bis zu einem bestimmten Zeitpunkt auf 100 Prozent nachhaltige Schokolade umsteigen wollen.

Und tatsächlich: Die Firma Alfred Ritter verspricht gegenüber MARKTCHECK, dass sich in nächster Zeit etwas tun soll. Wann und was genau, das bleibt dabei allerdings schwammig.

Das Fazit unserer MARKTCHECKER 

Beim Geschmack schneidet Ritter Sport besser ab als die anderen Massenschokoladen. Die Werbestrategie rund um die bunten Quadrate ist äußerst raffiniert. Auch die Qualität überrascht unseren MARKTCHECKER positiv - Ritter Sport schlägt die Konkurrenz! Allerdings: In Sachen Nachhaltigkeit gibt's noch Luft nach oben. Mal sehen, ob sich hier wirklich - wie versprochen - etwas verbessert.

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AUTOR/IN
SWR Fernsehen