MARKTCHECK checkt UHU

Im Falle eines Falles?

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Topmarken im Südwesten

Uhu gilt als Synonym für Alleskleber. Die Marke vertraut bei der Werbung auf ein bewährtes Rezept: Von Anfang an erhielten Schulen kostenlose Muster. Heute gibt es bereits für Kindergärten Basteltipps. So sollen schon die Kleinsten lernen: Klebstoff ist gelb-schwarz. Geht das Konzept auf? Und wie gut hält Uhu?

Das testen diese Marktchecker: Zwei Materialprüfer, ein Chemiker, ein Marketingexperte und eine Kindergartengruppe.

Geschichte

Mitten in Bühl steht die Fabrik. Hier gelang dem gelernten Apotheker August Fischer 1932 der Durchbruch, die Erfindung des weltweit ersten gebrauchsfertigen Klebstoffs aus Kunstharz. Damit konnten alle damals bekannten Materialien verklebt werden. Der Alleskleber war erfunden! Selbst die Inneneinrichtung des Zeppelins Hindenburg wurde mit UHU geklebt. Das Rezept war und ist streng geheim.
Auf jeden Fall ein Erfolgsrezept: Inzwischen wird der Alleskleber von Bühl aus in 150 Länder exportiert und das Sortiment ist deutlich gewachsen.

Anwendung

Die wichtigste Zielgruppe, Kinder, hatte UHU schon immer im Visier. Bereits von August Fischer wurden 36.000 Schulen mit UHU-Proben versorgt. Mittlerweile findet der erste Kontakt im Kindergarten statt. Doch wie kommt UHU bei dieser Zielgruppe an?
Das wollen wir im Wichtelpark in Stuttgart ausprobieren. Mit folgenden Klebern lassen wir die Kinder basteln:
- Uhu Alleskleber
- Pattex Bastelkleber
- Tesa Alleskleber
Für die Kinder ziemlich praktisch: Dass man mit der flinken Flasche von UHU gerade und sogar dicke Klebstoff-Linien machen kann. Außerdem hält der Kleber ihrer Meinung nach gut. Auch beim Pattex Bastelkleber lässt sich die Spitze anpassen. Bei den Kindern durchgefallen: der Tesa Alleskleber. Ihn fanden viele Kinder zu schwer.

Das Fazit: Nicht alle Kinder sind sich einig, welcher Kleber besser ist.
Den Alleskleber von Tesa fand kein Kind gut, drei fanden Pattex Bastelkleber am besten, drei waren für UHU Flinke Flasche und zwei Kinder konnten sich nicht entscheiden.

Markenbewusstsein bei Erwachsenen

In der Mannheimer Fußgängerzone machen wir einen Test mit Erwachsenen. 100 Leute müssen sich entscheiden: Welchen der drei Alleskleber wählen sie für unsere Bastelaufgabe? Wieder treten an: der UHU Alleskleber, der Pattex Bastelkleber und der Tesa Alleskleber.

Das Fazit: Auch bei den Erwachsenen liegt UHU vorne. Für den Pattex Bastelkleber haben sich 22 Leute entschieden, für Tesa Alleskleber 24 und für UHU Flinke Flasche 54.
Mehr als die Hälfte greift spontan zu UHU. Das bestätigt den hohen Marktanteil, der bei 68 Prozent liegt.

Strategie

UHU steht als Synonym für Alleskleber. Reicht ein so genannter Gattungsname, um sich auf Dauer auf dem Markt zu behaupten oder wird UHU irgendwann von Unternehmen mit innovativer Werbestrategie überholt? Das wollen wir vom Marketingexperten Prof. Markus Voeth wissen. Er erklärt, dass es Segen und Fluch zugleich sei, eine Gattungsmarke zu sein. Als Vorteil sieht er, dass Kinder ihre Eltern nach UHU fragen. Dass sie sich dann nicht wundern, einen anderen Kleber zu bekommen, sieht der Marketingexperte als Nachteil an. Als Gattungsmarke von großer Bekanntheit bestehe die Gefahr, dass sich der Name vom Produkt löse und UHU beispielsweise für alle Kleber stehe. Dann achte der Kunde möglicherweise nicht mehr darauf, welchen Kleber er benutzt, so der Experte.

In Bühl setzt man auf Wiedererkennbarkeit. Am Design der gelben Tube mit der schwarzen Schrift hat sich im Laufe der Zeit kaum etwas verändert. Auch der Werbeslogan von 1948 "Im Falle eines Falles - klebt UHU wirklich alles" wurde nur geringfügig abgewandelt.
Solch ein 60 Jahre alter Werbeslogan müsste eigentlich bekannt sein. In einer kurzen Umfrage zeigt sich jedoch, dass ältere Menschen den Spruch kennen, die jüngeren jedoch nicht.
Das verwundert nicht, denn klassische Zeitschriften- oder Fernsehwerbung wird nur geschaltet, wenn ein neuer Artikel auf den Markt kommt oder zur Hauptsaison, wie dem Schulbeginn. Bestimmte Werbespots werden schwerpunktmäßig im Kinderprogramm geschaltet.
Offensichtlich reicht das aus, meint der Marketingexperten Prof. Markus Voeth , da das Unternehmen sonst nicht einen solch großen Marktanteil hätte, obwohl es kaum Werbung außerhalb der Zielgruppe Kinder mache.
Er denkt auch, dass das Unternehmen richtig liegt, da Erwachsene im Falle eines Falles Klebstoff kaufen, wogegen das Kind regelmäßig mit diesem Produkt arbeitet. Bei familiären Kaufentscheidungen nehmen Kinder einen wesentlichen Einfluss, welche Art von Klebstoff gekauft wird, so der Experte.

Klebekraft und Haltbarkeit

Wie gut Deutschlands Alleskleber Nummer eins im Vergleich zur Konkurrenz wirklich hält, lassen wir in der Materialprüfanstalt der Uni Stuttgart prüfen.
Der Versuchstechniker erklärt, dass mit dünner Alufolie, Pappe, Echtholzfurnier, Glas, Plexiglas und zwei Textilien getestet wird. Die Materialien werden untereinander verklebt. Nach 24 Stunden Trocknung kommt der spannende Moment: Wie viel Zugkraft hält die verklebte Stelle aus?

Beim Härtetest für jede Verklebung wird mit bis zu 50 Kilogramm Kraft gezogen.
Manchmal ist der Kleber stärker als das Material. Aber es zeigt sich: Die Alleskleber kleben nicht wirklich Alles. Dipl.-Ing. Ernst Willand von der Materialprüfanstalt Stuttgart erklärt, dass Kunststoffe immer problematisch sind, weil die Verbraucher nicht sehen, um welche Kunststoffe es sich handelt. Viele Kunststoffe lassen sich nicht vernünftig kleben, so der Fachmann.

Im Vergleich war UHU grundsätzlich der Kleber, der am weichsten in der Fuge war und dauerhaft elastisch bleibt. Deshalb ist er wenig geeignet für Klebestellen, die ständig unter Last stehen, meint der Experte.

Dass UHU eigentlich zu elastisch für Dauerbelastungen wäre, sieht man in der Entwicklungsabteilung von UHU als Vorteil an. Die Elastizität des Klebstoffs sei eine wichtige Eigenschaft für die Verklebung von flexiblen Materialien.

Inhaltsstoffe

Bei der Klebekraft kommt es auf den Inhalt an. Da die Zielgruppe der flinken Flaschen Bastler und Kinder sind, wollen wir genau wissen, was in den Klebern drinsteckt. Im Labor nehmen wir die drei Alleskleber unter die Lupe.

Der Chemiker Dr. Rainer Fülling erklärt, dass in den Proben Ethanol und Azeton gefunden wurden. Ethanol ist normaler Alkohol und Azeton ein Lösungsmitteln, das beispielsweise auch in Nagellackentferner enthalten ist. Für Kleinkinder sei das nicht geeignet, meint der Experte.
Ethanol und Azeton sind zwar nicht gefährlich, sollten aber gekennzeichnet sein. Während bei Tesa die Lösungsmittel auf der Verpackung aufgeführt sind, gibt es bei UHU nur einen Warnhinweis durch ein Symbol.
In der Entwicklungsabteilung von Uhu erklärt man dazu, dass alle Produkte nach den gesetzlichen Vorgaben sachgemäß deklariert seien.

Zwar bietet UHU inzwischen auch lösungsmittelfreie Alleskleber an. Doch die haben einen Nachteil: Sie trocknen langsamer.
Der Marketingleiter von UHU erklärt, dass die Klebegeschwindigkeit ein wichtiger Maßstab für das Kleben selbst sei, auch für den Bastelspaß und da liege der größte Unterschied.

Innovative Klebstoffe

UHU will mit Innovationen punkten. So wird in der Entwicklungsabteilung ständig an neuen Produkten geforscht. Neuester Alleskleber ist der UHU strong & safe, eine Kombination aus Alleskleber und Sekundenkleber für den handwerklichen Bereich.
Der Alleskleber UHU strong & safe soll auf Dauer die Nummer eins werden. Jedoch kosten sieben Gramm satte 4,50 Euro.
Vielen potentiellen Kunden scheint das zu teuer, zeigt unsere kurze Umfrage. Tatsächlich findet sich jedoch ein Nutzer, der damit schon sein Terrarium geklebt hat und sehr zufrieden ist.

Ob sich innovative Produkte ohne viel Fernseh- und Print-Werbung durchsetzen können, wollen wir wieder vom Marketingexperten Prof. Markus Voeth wissen. So müssten auch Marktführer wie UHU immer wieder neue Produkte im Handel einführen, um ihren imposanten Platz im Regal zu rechtfertigen. Er dürfe keinem Wettbewerber Platz machen, der mit Innovationen in den Handel komme. Deshalb seien auch für einen Marktführer Innovationen wichtig, um sich im Handel und bei den Kunden zu positionieren, so der Experte.

Fazit

Den imposanten Platz im Handel hat sich UHU gesichert.
Beim Inhalt ist beim lösungsmittelhaltigen UHU nicht klar erkennbar, welche Stoffe wirklich drinstecken.
Alleskleber kleben zwar gut, aber längst nicht alles. Dabei unterscheidet sich UHU kaum von der Konkurrenz.
Der Klebstoff ist kindgerecht in der Handhabung und bei Erwachsenen extrem bekannt.
UHU macht wenig Werbung, setzt auf Wiedererkennbarkeit und hat seine Zielgruppe gut im Griff.

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AUTOR/IN
SWR Fernsehen