MARKTCHECK checkt Frosch Wie gut sind die Öko-Produkte?

Topmarken im Südwesten

Frosch steht für umweltschonende Putzmittel mit Wirkstoffen aus der Natur. Sie waren die ersten phosphatfreien Reiniger auf dem deutschen Markt. Seit mehr als 25 Jahren werden sie in Mainz hergestellt. Aber wie gut sind die Putzmittel? Machen sie ordentlich sauber? Und sind sie wirklich besser für Mensch und Umwelt?

Das checken unsere Marktchecker:

  • eine Test-Familie aus Mainz
  • die Textilchemikerin Stephanie Leucht
  • der Marketing-Professor Markus Voeth
  • der Umwelt-Experte Marcus Gast vom Umweltbundesamt 

1. Testpunkt: Die Qualität

Bei der fünfköpfigen Familie D. aus Mainz fällt ganz schön viel Dreck an. Drei bekannte Allzweckreiniger sollen ihn wegschaffen: Meister Proper, Der General Bergfrühling und Orangen Universal Reiniger von Frosch. Umgefüllt in neutrale Flaschen  soll Familie D. je eine Woche damit putzen.

Ergebnis: Markus D. bevorzugt Meister Proper, weil er schäumt und gut riecht. Christiane D. sieht bei der Reinigungskraft keine nennenswerten Unterschiede. Weil sie den Geruch des Froschprodukts angenehm findet, ist das ihr Favorit.

In der Mainzer Fußgängerzone machen wir einen Spülmitteltest. Dieses Mal treten an: Die Aloe Vera Handspül-Lotion von Frosch und die beiden Hauptkonkurrenten Pril und Palmolive. Bergeweise Geschirr, mit Testschmutz präpariert, soll sauber werden. Die Passanten wissen nicht, welches Mittel sie gerade benutzen.

Frosch kann im Blindtest nicht überzeugen. Nur vier von 20 Testspülern finden, dass das Spülmittel am besten reinigt. Klarer Sieger: Pril mit zehn Stimmen.

Mängel in der Putznote

Aber wie schneidet der Reiniger unter Laborbedingungen ab? Im Reinigungslabor stellt die Textilchemikerin Stephanie Leucht die drei Allzweckreiniger auf eine harte Probe. Straßen- und fetthaltiger Küchenschmutz werden simuliert - Öl, Ruß und anderer fieser Dreck - Stephanie Leucht trägt ihn auf Fliesen auf. Danach muss er mehrere Tage eintrocknen. Dann wischt eine Maschine exakt viermal über die verschmutzte Fliese. Schnell zeigen sich Unterschiede.

Sieger bei der Reinigungsleistung: Der Meister Proper. Knapp dahinter liegt der General. Das Schlusslicht ist der Frosch Orangenreiniger. Er schneidet bei Fett und Straßenschmutz am schlechtesten ab und auch bei den Schlieren kassiert Frosch einen Minuspunkt.

Der Geschäftsführer von Werner & Mertz, Hersteller der Frosch-Produkte, ist erstaunt über unsere Ergebnisse. Bei den hauseigenen Testmethoden, die sich an den üblichen Standards orientieren, hätten die Frosch-Produkte insgesamt besser abgeschnitten als die anderer Marken. 

Immerhin schont Frosch, wie auch der General, Oberflächen besser als Meister Proper. Die unverdünnte Lösung greift nach einigen Stunden empfindliche Oberflächen an.

Bei Haut- und Materialfreundlichkeit liegt Frosch klar vorne. Abstriche gibt es allerdings bei der Reinigungsleistung. Sowohl im Labor als auch in der Fußgängerzone schneiden die Produkte schlechter ab als die der Konkurrenz.

2. Testpunkt: Das Image

Hinter dem Markenzeichen Frosch steckt die Firma Werner & Mertz in Mainz. Seit mehr als 140 Jahren gibt es das Familienunternehmen. Der Durchbruch gelang 1901 mit einer damals neuartigen Schuhcreme namens Erdal. Die Dose mit dem roten Frosch wurde zum Inbegriff für Schuhpflege. Inzwischen hat der grüne Frosch aber den Roten überholt. Die Öko-Reiniger machen rund zwei Drittel des Firmenumsatzes aus. 1986 kam der erste Frosch-Reiniger auf den Markt. Seitdem ist das Sortiment ständig gewachsen. "Sauberkeit zum Wohlfühlen" versprechen die Produkte. Aber lockt das auch die Kunden?

Frosch gilt als Öko-Pionier der Branche. Das kommt der Marke bis heute zugute, weil die Kunden bei ökologischen Reinigungsmitteln immer noch zuerst an Frosch denken, sagt Marketing-Professor Markus Voeth. Untrennbar mit der Marke verbunden ist der kleine grüne Frosch - Sympathieträger und Werbebotschafter zugleich.

Welche Marke bevorzugen die Kunden?

Aber punktet der Frosch auch im Laden? Um das zu testen, sind wir in Koblenz. In unserem MARKTCHECK-Einkaufsregal stehen fünf verschiedene Putzmittel. Von 100 Koblenzern haben sich bei unserer Stichprobe 40 für Frosch entschieden. Damit ist die Marke klarer Sieger bei unserem Einkaufstest. Meister Proper bekommt 24 Stimmen, Bims 14, Bref 13 und Der General 9.

Kunden die sich aus Umweltschutzgründen für Frosch entschieden haben, sind sehr markentreu und kaufen die Produkte mit hoher Wahrscheinlichkeit wieder, so Prof. Markus Voeth, Marketing-Experte an der Uni Hohenheim

Fazit unseres ersten Checks: Das Image von Frosch ist ganz klar mit Ökologie und Umweltschutz verbunden. Die Kunden vertrauen der Marke. 

3. Testpunkt: Die Nachhaltigkeit.

Das Unternehmen Werner & Mertz gilt als Vorbild in Sachen Umweltschutz. Dafür gab es auch schon viele Preise, zum Beispiel für das neue Verwaltungsgebäude, das mehr Energie erzeugt als es verbraucht. Geheizt wird mit Geothermie und Wärmepumpe. Windräder und Photovoltaik erzeugen Strom.

Und auch die Produktion soll möglichst nachhaltig sein. Beispiel: Verpackung. Bis zu 80 Prozent des Materials für die Flaschen stammen aus recyceltem Plastik. Und: Die Verpackungen werden direkt auf dem Werksgelände produziert. Das spart Transportwege.

Pflanzliche Rohstoffe mit Nachteilen

Aber wie steht es mit dem Inhalt? Frosch setzt auf pflanzliche Rohstoffe, zum Beispiel bei den Tensiden. Sie werden nicht wie üblich aus Erdöl gewonnen, sondern größtenteils aus Palmkernöl. Aber auch Palmkernöl ist umstritten. Die massenhafte Produktion ist in Ländern wie Indonesien oder Malaysia für dramatische Umweltfolgen verantwortlich: gerodeter Regenwald, riesige Monokulturen, Tiere, die vom Aussterben bedroht sind.

Frosch dagegen versichert: Man verwende nur Palmkernöl aus zertifiziertem nachhaltigem Anbau und sei dabei, die tropischen Öle durch einheimische, beispielsweise durch Rapsöl, zu ersetzen. Schon mehrere Produkte zum Beispiel die Scheuermilch werden zu 100 Prozent mit Rapsöl hergestellt.

Bei der Herkunft der Inhaltsstoffe legt Frosch also hohe Maßstäbe an. Aber wie sieht es aus mit der Abbaubarkeit? Sind die Inhaltsstoffe auch weniger belastend für Gewässer? Marcus Gast vom Umweltbundesamt erklärt, dass die Tenside in den Klärwerken per Gesetz abbaubar sein müssen, ob nun aus nachwachsenden oder aus chemischen Rohstoffen. Daher bestehe kein Unterschied für die Umwelt.

Einen Frosch-Reiniger sieht der Experte sogar kritisch. Der Orangen-Universal-Reiniger wird zwar aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt, aber er enthält Orangenöl. Das ist schlecht biologisch abbaubar, giftig für Wasserorganismen und kann Allergien auslösen. „Es ist weder gesund noch umweltfreundlich.", so Marcus Gast vom Umweltbundesamt.

Der Geschäftsführer von Werner & Mertz, Reinhard Schneider, betont, dass man die Bestandteile so dosiere, dass die Allergierisiken klein blieben.

"Bio" und "öko" bei Reinigungsmitteln nicht geschützt

In vielen Produkten, die damit werben, gut für Mensch und Natur zu sein, sind allergieauslösende Duftstoffe. Hintergrund: Begriffe wie "bio" oder "öko" sind bei Reinigungsmitteln nicht geschützt. Klarheit gibt das europäische Umweltzeichen, die sogenannte Euroblume. Sie bestätigt, dass ein Produkt die Gewässer nur gering belastet und gesundheitsverträglich ist. Auf Frosch-Produkten ist das Siegel aber kaum zu finden. Viele enthalten die in Deutschland besonders beliebten Citrus-Duftstoffe. Gerade diese sind jedoch oft allergen. Deshalb erhalten auch ansonsten relativ umweltverträgliche Frosch-Produkte kein Siegel. 

Unser Gesamtfazit: Sanfte Reiniger nicht ganz überzeugend

Frosch: Das sind Putzmittel aus Rheinland-Pfalz, die fast jeder kennt und die für die sanfte Reinigung stehen. Und so haben die Produkte bei unseren Marktcheckern abgeschnitten: Die Qualität der Reiniger kann nicht ganz überzeugen. Sie reinigen in unserem Test schlechter als die Konkurrenz, sind allerdings auch weniger aggressiv.

Die Produkte haben ein Öko-Image und genießen hohes Vertrauen  bei den Verbrauchern. . Das Marketing von Frosch funktioniert. Beim Thema Nachhaltigkeit ist Frosch gut - könnte bei einigen Produkten aber noch besser sein.

STAND