Wie prima hält das älteste deutsche Klebeband? Marktcheck checkt Tesa

Seit fast 60 Jahren produziert Tesa auch im badischen Offenburg Klebebänder für jeden Zweck, dazu Powerstrips und Folien. Wie gut ist die Qualität und wie fair ist das Unternehmen?

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
20:15 Uhr
Sender
SWR Fernsehen

Tesa ist einer der Weltmarktführer von Klebebändern und Klebesystemen. Im deutschen Handel gibt es kaum Konkurrenz.

Der Erfolg von Tesa ist ein Zufallsprodukt. Eigentlich wollte der Apotheker Oscar Troplowitz ein Heftpflaster herstellen. Das klebte hervorragend, reizte aber die Haut. Kurzerhand wurde umgedacht und die Erfindung kam 1896 als weltweit erstes Klebeband zum Flicken von Fahrradschläuchen auf den Markt.

Elsa Tesmer gab den Namen

Der Markenname Tesa stammt übrigens von der Sekretärin Elsa Tesmer. Aus den Silben ihres Vor- und Nachnamens kreierte sie 1906 bei einem Ideenwettbewerb den Namen "Tesa".

Schwarzweiß-Bild von Apotheker mit Heftpflaster (Foto: SWR, SWR -)
Apotheker Troplowitz wollte eigentlich ein Heftpflaster entwickeln. SWR -

Das Werk im badischen Offenburg gibt es seit 1961. Vom Band laufen hier 2.000 Produkte für Industriekunden und Endverbraucher.

Tesa in Smartphones und Windrädern

Erstaunlich: Produkte von Tesa stecken in Smartphones, Kühlschränken und Kreditkarten. Außerdem gibt es Tesa-Verklebungen bei Tapes sowie in vielen Gebäuden - und sogar in Windrädern.

Forschung und Entwicklung findet bei Tesa überwiegend in der Konzernzentrale in Norderstedt nahe Hamburg statt.

Kleben als Technologie der Zukunft

Reinhart Martin, Pressesprecher von Tesa  (Foto: SWR)
Reinhart Martin, Pressesprecher von Tesa

"Grundsätzlich ist das Kleben eine der Technologien der Zukunft", so Reinhart Martin von Tesa. "Es gibt zwei große Trends. Das eine ist, dass Fahrzeuge zum Beispiel immer leichter werden müssen. Elektromobilität ist das Stichwort. Und ein zweiter großer Trend ist zum Beispiel, dass Geräte im Elektronikbereich immer kleiner werden, oder auf kleinem Raum immer mehr an technologischen Anforderungen untergebracht werden müssen. Und das kann man dann auch nicht mehr mit Schrauben oder Nieten oder ähnlichem machen."

Ein weiteres Zukunftsfeld: Kleber, der mehr kann als nur kleben, etwa Strom leiten oder auf Temperatur reagieren.

300 Produkte für Endverbraucher

Etwa drei Viertel des Jahresumsatzes macht das Unternehmen mit Anwendungen für verschiedene Industriebereiche. Ein Viertel seines Umsatzes erzielt Tesa mit den rund 300 Produkten für Endverbraucher- und Handwerker.

Wie gut und lange klebt Tesafilm im Vergleich zu den Konkurrenzprodukten? Wie kommt das Image des Klebefilms zustande? Und wie fair und nachhaltig ist das Unternehmen?

1. Check: Qualität

Wir bringen Tesafilm und drei Konkurrenzprodukte ins Labor der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Mosbach. Zwei Markenartikel, zwei Eigenmarken - alle in der gleichen Größe:

Klaus Pfuhl befestigt Kabelknäuel mit Klebefilm an Fensterrahmen (Foto: SWR)
Klaus Pfuhl, Experte für Klebstoffe, befestigt im Labor Kabelknäuel mit verschiedenen Klebefilmen an Fensterrahmen.
  • Tesa transparent, gekauft für 1,62 Euro
  • Scotch von 3M, gekauft für 2,59 Euro
  • Eigenmarke von Galeria Kaufhof, gekauft für 1,19 Euro
  • Eigenmarke der Post, gekauft für 89 Cent

Geruchstest

Klaus Pfuhl, Experte für Klebstoffe, soll unsere vier Rollen untersuchen. Die Geruchsprobe ergibt zunächst, dass sowohl die Produkte von Post und Kaufhof leicht stechend riechen. Die Tesa-Rolle riecht leicht süßlich und am schwächsten von allen Proben.

Alle vier Klebebänder analysiert der Experte mit einem Infrarot-Spektroskop. "Unterschiede gab es erstaunlicherweise für mich praktisch keine", so Pfuhl. "Alle vier Klebefilme haben, vom Trägermaterial her, aus Polypropylen bestanden. Und als Klebstoff wurden Polyacrylate eingesetzt. Polypropylen lässt sich ohne weiteres im Hausmüll entsorgen Von daher ist das an und für sich ökologisch gesehen okay."

Wie gut klebt Tesa?

Wie gut haften die vier Klebefilme? Klaus Pfuhl klebt damit je 80 Gramm schwere Kabelteile an Fensterrahmen aus PVC fest. Bei sommerlicher Raumtemperatur von 25 Grad dürfen sie jetzt erstmal hängen - wie an einem Dachfenster.

Ein Kabelknäul ist mit einem Klebeband an einem Fernsterrahmen befestigt (Foto: SWR)
Wie gut halten die Klebebänder die Kabelteile am Fensterrahmen?

Schnell zeigen sich Unterschiede: Das Klebeband von der Post geht schon nach einer halben Stunde ab. Die Produkte von Kaufhof und Scotch lösen sich nach rund 12 Stunden. Der Tesafilm klebt und klebt und klebt. Deshalb verschärfen wir den Test und erhöhen die Temperatur auf 40 Grad.

Selbst bei dieser Temperatur hält Tesa das Gewicht. "Das ist natürlich schon ein deutlicher Unterschied zu den anderen Klebstoffen, die noch eingesetzt wurden", sagt Klaus Pfuhl.

Wie gut geht es wieder ab?

Doch geht Tesa dann auch wieder ab? Auch das klappt problemlos. Bei allen anderen bleiben Reste zurück oder das Band reißt ein.

Klaus Pfuhl fasst das Gesamtergebnis im Labor zusammen: "Am besten abgeschnitten hat letztendlich das Produkt Tesa, das eigentlich in allen Kriterien mindestens genauso gut war, und im Test steigende Temperatur und Geruchwahrnehmung deutlicher Testsieger war und auch in der Handhabung."

Wie alltagstauglich ist Tesa?

Wie schlägt sich Tesa im Alltagscheck? Auf dem SWR Sommerfestival in Stuttgart lassen wir 100 Besucher mit den Klebefilmen Tassen verpacken. Welches klebt am besten und lässt sich gut handhaben? Das Ergebnis unserer Umfrage:

  • Platz eins: das Klebeband von Scotch
  • Platz zwei: das Postklebeband
  • Platz drei: Tesa
  • Platz vier: die Kaufhof Eigenmarke

Was taugt das Malerband?

Und noch einen weiteren Tesa-Bestseller nehmen wir unter die Lupe: Malerband, auch bekannt als Kreppband. Vier Wände mit Steckdosen, Türen und Sockelleisten sollen abgeklebt und gestrichen werden. Außerdem soll auf eine graue Wand eine weiße Farbkante aufgebracht werden. Es treten an:

  • Tesa Malerband, gekauft für 6,79 Euro
  • Malerband von Lux, der Obi-Eigenmarke, gekauft für 4,79 Euro
  • Markenband von Kip, gekauft für 4,35 Euro

Maler- und Lackierermeister Alexander Herzog und Simon Weber sind vom Fach und wissen, worauf es bei Malerband ankommt.

Nach dem Anstreichen kommen sie zu folgendem Ergebnis:

  • Platz drei: das Malerband von Tesa
  • Platz zwei: das Markenband von Kip
  • Sieger: Die Obi-Eigenmarke Lux

Fazit Qualität: Im Alltagscheck schwächelt Tesa - Passanten sowie Malermeister kürten Tesa nicht zum Sieger. In Sachen Qualität hingegen ist Tesa top – die Marke ist unangefochtene Siegerin bei den Labortests.

2. Check: Image ud Marketing

Bei unserer Straßenumfrage kennen fast alle Passanten mehrere Produkte von Tesa. Woher kommt das gute Image?

Kati und Vati

Schon früh setzte Tesa auf witzige, freche Werbespots als Marketinginstrument. Mit "Kati und Vati" traf Tesa in den frühen Siebzigern den Zeitgeist.

Ausschnitt aus Tesa-Werbespot mit Kati und Vati (Foto: Pressestelle, SWR, tesa SE)
Wenn ein „Alleskönner“ von einem kleinen Mädchen über Tricks und Kniffe aufgeklärt wird. Pressestelle tesa SE

Das kleine Mädchen Kati erklärt seinem Vater darin beispielsweise, wie er den Gartenschlauch mit Tesaband reparieren kann.

Markus Voeth, Marketingexperte an der Universität Hohenheim, weiß, warum "Kati und Vati" damals so gut ankam. "Zunächst einmal war es natürlich eine Prime-Time-Zeit, in der die Werbekampagne platziert wurde, Samstagsabends beispielsweise, wo Gott und die Welt Fernsehen geschaut hat."

Mit Normen gebrochen

Zum anderen habe man ein stückweit mit gesellschaftlichen Normen gebrochen. "Der Mann, der damals sozusagen der Alleskönner war, der zumindest in Haus und Garten für alle Kompetenz stand, wurde plötzlich von einem kleinen Mädchen auf eine Sache hingewiesen, die er selber offensichtlich nicht bedacht hatte, also beispielsweise, dass man mit einem Tesafilm einen Schlauch reparieren kann oder ähnliches", erklärt Voeth.

Abroller mit Klebefilm (Foto: SWR)
Tesafilm steht inzwischen für Klebefilme allgemein.

Der Markenname jedenfalls hat sich eingebrannt - "Tesafilm" steht mittlerweile synonym für Klebeband. Über Jahrzehnte habe das Unternehmen den Namen aufgebaut, so dass er heute als Gattungsbegriff für Klebebänder insgesamt verwendet werde, so Voeth.

Internet-Strategie

Die Marketing- und Produktstrategie des Unternehmens zielt auch heute noch darauf, dem Verbraucher das Leben leichter zu machen, wird aber weniger im Fernsehen, sondern hauptsächlich im Internet verbreitet.

So versuche Tesa, das Thema "Kleben" auszudehnen auf Bereiche, wo vielleicht in der Vergangenheit noch gebohrt oder genagelt worden sei, erklärt Marketingexperte Voeth. "Beispielsweise im Bad, wo man vielleicht keine Lust hat, die Fliesen zu durchbohren, da kann man jetzt plötzlich mit Tesa Dinge an die Wand kleben."

Fazit Image unf Marketing: Durch Zukäufe und Ausweitung in neue Gebiete des Klebens soll die Marktposition gefestigt und ausgebaut werden. Insgesamt ist Tesa Verbrauchern ein Begriff, die Marke lebt vom Image und Vertrauen in die Produkte.

3. Check Fairness und Nachhaltigkeit

Verschiedene Tesa-Produkte (Foto: SWR)
Tesa hat auch eine grüne „Eco“-Linie.

Wie nachhaltig wird Tesa eigentlich hergestellt und wie geht Tesa mit seinen Mitarbeitern in Offenburg um? Schließlich werden hier die meisten Produkte des Unternehmens weltweit produziert. 420 Mitarbeiter sind hier beschäftigt, sorgen dafür, dass alles klebt und rollt.

250 Millionen Quadratmeter Klebeband

250 Millionen Quadratmeter Klebeband werden hier pro Jahr hergestellt. Damit könnte man die Erde in einem 5 Meter breiten Streifen 40 Mal einwickeln.
Produziert werden verschiedene Klebefilme vom Malerband über Tesafilm bis hin zu Paketbändern, sowie Kabelummantelungen und Powerstrips.

Das Trägermaterial, also die reine Kunststofffolie, stellt Tesa nicht selbst her, sondern bezieht sie von unterschiedlichen Lieferanten weltweit. Genaueres will das Unternehmen nicht verraten. Tesa konzentriert sich auf die Kernkompetenz: den Klebstoff.

Umweltschonende Produktion

Stolz ist man bei Tesa vor allem auf die umweltschonende Produktion. Holger Rauth, Geschäftsführer von Tesa Offenburg: "Wir haben sehr früh angefangen mit lösemittelfreien Produkten. Und diese Produktpalette wird immer weiterentwickelt, das heißt also, es gibt eine ganze Reihe von Produkten, die mittlerweile auf Wasser statt auf Lösemitteln basieren.

Außerdem werden einige Produkte aus recycelten Rohstoffen hergestellt. Sie gehören zur sogenannten Eco-Linie und sind natürlich grün.

Vertrauensarbeitszeit

Bemerkenswert: Schon Mitte der neunziger Jahre wurden hier Vertrauensarbeitszeit und Vertrauensurlaub eingeführt. Das ist mittlerweile ein Trend im modernen Arbeitswesen - mit Vor- und Nachteilen, weiß Arbeitswissenschaftlerin Birgit Renzl von der Universität Stuttgart. Vorteile seien, dass Arbeitnehmer sich den Tag besser selbst einteilen könnten. "Nachteil - also jetzt wieder auf der Arbeitnehmerinnenseite - kann sein, dass es zu Überlastung, zu Überforderung führt, wenn das nicht klar abgesteckt ist. Wir wissen auch aus Studien, dass es eine Asymmetrie gibt, das man eher dazu tendiert, Arbeitsleben ins Privatleben zu integrieren und nicht umgekehrt. Das kann dann letztlich zu einer Überlastungssituation führen", so Renzl.

Wie sieht es bei Tesa aus? Das haben wir ehemalige Mitarbeiter und die Gewerkschaft gefragt: Von größeren Probleme haben wir nichts erfahren. Bei den Tesa Mitarbeitern scheint das Modell Vertrauensarbeitszeit gut anzukommen und zu funktionieren. Dafür spricht auch, dass die Arbeitnehmer dem Unternehmen treu verbunden sind: im Durchschnitt 18 Jahre.

Fazit Fairness und Nachhaltigkeit: In Sachen Fairness schneidet Tesa gut ab. Moderne Arbeitsstrukturen kommen bei den Mitarbeitern gut an. Außerdem produziert das Unternehmen nachhaltig und hat eine Öko-Linie.

Dieser Beitrag gibt die Rechercheergebnisse der Erstausstrahlung vom 14.08.2018 wieder.

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