Wie gut ist die zweitgrößte Supermarktkette Deutschlands? Marktcheck checkt Rewe

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Der Rewe-Konzern ist die zweitgrößte deutsche Supermarktkette. Kunden schätzen ihn als Anbieter eines hochwertigen Vollsortiments. Wir blicken hinter die Kulissen von Rewe.

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20:15 Uhr
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SWR Fernsehen

Rewe heißt ausgeschrieben Revisionsverband der Westkauf-Genossenschaft. Die Genossenschaft wurde 1926 von mehreren selbstständigen Kaufleuten gegründet, die organisiert günstigere Einkaufspreise bei den Erzeugern erzielen wollten. Anfang der 1930er Jahre ging es dabei vor allen Dingen um Aprikosen, Haselnüsse und Rosinen. Ein Jahrzehnt später hatte Rewe die ersten Eigenmarken im Sortiment. Rewe sitzt in Köln und betreibt mittlerweile auch eigene Märkte. Zur Rewe-Gruppe gehören neben Rewe auch Penny, der Baumarkt toom und das Reisebüro DER Touristik.

Rewe im Preisvergleich mit Edeka, Kaufland und Lidl

Rewe hat derzeit mehr als 45.000 Produkte im Sortiment, davon zahlreiche Markenprodukte. Wir stellen einen Einkaufskorb mit 19 Artikeln zusammen, bestehend aus Markenprodukten wie Meggle-Butter, Nutella und Coca Cola sowie Eigenmarken. Vergleichbare Artikel kaufen wir bei Edeka, Kaufland und Lidl. Der Preisunterschied ist gering: Bei Rewe kostet unser Einkauf 38,68 Euro, bei Edeka 38,62 Euro. Bei Lidl bezahlen wir 38,48 Euro und bei Kaufland ist der Einkauf am günstigsten: 38,19 Euro. Die Preisunterschiede sind also gering.

Eigenmarken ja!, Rewe Beste Wahl und Rewe Bio

Rewe hat zahlreiche Eigenmarken im Sortiment: Die günstigen Produkte von ja!, daneben Rewe Beste Wahl und Rewe Bio. Stiftung Warentest hat in den letzten 18 Monaten mehrere Produkte der Eigenmarken unter die Lupe genommen. Die durchschnittliche Bewertung dieser getesteten Artikel der Rewe-Eigenmarken lag bei der Note 2,8, bei Edeka ergibt sich eine Durchschnittsnote von 2,9.

Die Eigenmarken lässt Rewe herstellen. Hinter den Produkten von Rewe Beste Wahl & Co verbergen sich oft bekannte Markenhersteller: So wird der ja! Zucker von Südzucker produziert, Rewe Beste Wahl Apfel Schorle wird von alwa hergestellt.

Drei Orte im Rewemarkt, an denen Kunden Käse kaufen können

Auffällig ist, dass man in einem Rewe-Supermarkt an drei verschiedenen Stellen Käse kaufen kann. So gibt es einmal die Bedientheke mit frischem Käse und zwei räumlich voneinander getrennte Kühlregale mit abgepacktem Käse.

Zwei Packungen Käse liegen auf einem Tisch: Links ein Rewe Bio Bergkäse, rechts das gleiche Produkt, nur anders verpackt. (Foto: SWR)
Der Käse in der rechten Verpackung soll dem Kunden suggerieren, er sei frisch im Markt aufgeschnitten und verpackt worden. In Wirklichkeit hat auch dieser eine lange Reise hinter sich.

Die durchsichtigere Verpackung soll dem Kunden suggerieren, der Käse sei im Markt aufgeschnitten und verpackt worden. In Wirklichkeit wird auch dieser in der Käsefabrik geschnitten, abgepackt und dann zum Supermarkt transportiert. Rewe verkauft den durchsichtiger verpackten Käse (rechts) teuer, als den normalverpackten und begründet dies damit, dass der Preis sich an dem der Frischetheke orientiere.

Wilhelm Brandenburg stellt original Rügenwalder Teewurst her

Rewe bietet an der Wursttheke Produkte der Eigenmarke Wilhelm Brandenburg an. Die Supermarktkette hat unter anderem Rügenwalder-Teewurst im Sortiment. Der Begriff Rügenwalder-Teewurst ist als geografische Herkunftsbezeichnung geschützt. Nach einem Urteil des Bundesgerichtshofs dürfen nur Unternehmen die Original-Rügenwalder-Teewurst in den Handel bringen, die eine Abstammung aus Rügenwalde (Hinterpommern im heutigen Polen) nachweisen können. Das sind in Deutschland nur noch drei Stück, darunter Wilhelm Brandenburg.

Rewe hat bei seinen Kunden ein gutes Image

Rewe hat sehr früh die Trends der Zeit erkannt und setzt auf diese. Das merken auch die Kunden.

„Die aktuellen Trends, Bio, Nachhaltigkeit, Regionalität bei Lebensmitteln, das sind Trends, die Rewe noch ein bisschen konsequenter aufgreift als das den Mitbewerbern Edeka oder Kaufland vielleicht gelingt. Das sind alles sozusagen kleine Mosaiksteine, die zusammengenommen eine größere Glaubwürdigkeit in den Augen von Kunden herbeiführen.“

Professor Markus Voeth, Marketing-Experte an der Uni Hohenheim

Bei der Nachhaltigkeit kann Rewe auf eine gute Plastikquote unter den großen Deutschen Supermärkten und Discountern verweisen.

Regionale Erzeugnisse kommen bei Kunden gut an

Verbraucher, die regionale Produkte kaufen, wollen dreierlei. Zum Einen wollen sie natürlich Transportwege, und damit Umweltbelastungen, vermindern. Zum Zweiten wollen sie gerade bei frischen Produkten, reife Produkte, die viele Vitamine enthalten und besser schmecken. Und zum Dritten wollen sie die Wirtschaftskraft in der Region lassen. Und da stellt sich die Frage, passiert das denn wirklich? Die Handelskonzerne verhandeln ganz, ganz hart die Preise und das heißt, da bleibt keine Wirtschaftskraft in der Region. Mit dem, was die Handelskonzerne zahlen, können die Bauern vielleicht gerade überleben.

Jürgen Stellpflug, Ökojournalist

Ein Kilogramm regionale Karotten kosten bei Rewe 1,39 Euro, der Bauer erhält davon im Durchschnitt 0,39 Euro. Auch bei Zucchini (1,49 Euro | 0,40 Euro) und Blumenkohl (1,99 Euro | 0,59 Euro) sind die Verhältnisse zwischen dem Supermarktpreis und dem Geld, das der Erzeuger erhält, ähnlich. Dabei fühlen sich die deutschen Produzenten austauschbar, denn sie können mit den günstigen, ausländischen Preisen nicht mithalten, sagen Insider. Rewe äußert sich dazu: „Wir achten bei unserer Einkaufspolitik sehr genau darauf, dass der intensive Preiskampf im deutschen Lebensmittelhandel nicht zu Lasten der kleinen und mittelständischen Unternehmen geht.“

Imagekampagne zu zuckerreduzierten Produkten

Auch zu zuckerreduzierten Produkten hat Rewe eine Kampagne gefahren. Kunden konnten sogar mitentscheiden, bei welchen Produkten der Zuckeranteil reduziert werden sollte. Bei 100 Produkten hat das Unternehmen nach eigenen Angaben den Zuckergehalt verringert. Während bei den Honey Wheats der Zuckeranteil nun deutlich niedriger ist, war die Reduktion bei der Cola mit 1,3 Gramm je 100 Milliliter nur gering. Auch bei anderen Artikeln wurde der Zucker nur marginal reduziert.

Alle Bemühungen Zucker zu reduzieren sind sinnvoll, denn die Deutschen essen viel zu viel Zucker. Aber die Zuckerkampagne von Rewe ist nichts weiter als ein guter Marketing-Gag, eine gute Marketingmaßnahme. Denn richtige, wirkungsvolle Zuckerreduktion, die findet bei den Produkten nicht statt. Das ist nur Kosmetik.

Jürgen Stellpflug, Ökojournalist

Zweiklassengesellschaft bei Beschäftigten

Bei den Beschäftigten von Rewe gibt es eine Zweiklassengesellschaft. Von den deutschlandweit rund 3.600 Rewemärkten wird nur in etwa der Hälfte der Geschäfte der Tariflohn garantiert. Das liegt daran, dass Rewe nicht alle Märkte selbst betreibt, sondern auch selbstständige Kaufleute der Rewe-Gruppe angehören. Bei Edeka ist der Anteil der privaten Märkte mit 80 Prozent allerdings deutlich höher, es wird dort also nur in jedem fünften Supermarkt der Tariflohn garantiert.

Rewe verweist darauf, dass es verpflichtende Standards für Kaufleute gibt, aber „die Personalhoheit in den von Kaufleuten geführten Märkten obliegt ausschließlich dem selbstständigen Kaufmann“.

Unser Fazit

  • Fairness: Bei der Bezahlung lässt Rewe ein Zweiklassen-Gehaltssystem zu, das einige Beschäftigte in privaten Märkten benachteiligen kann. Beim Preis von Markenartikeln kann Rewe mit den Konkurrenten und den Discountern fast mithalten.
  • In Sachen Qualität haben die Erdnussflips und die Teewurst gut abgeschnitten. Dennoch gibt es auch beim Rewe-Fleisch Tiertransporte über hunderte Kilometer (siehe Video).
  • Image: Die Werbekampagnen von Rewe kommen bei den Kunden an. Der Supermarkt wird als glaubwürdig wahrgenommen.

Dieser Beitrag gibt die Rechercheergebnisse der Erstausstrahlung vom 30.07.2019 wieder.

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