Wie gut ist der Outdoor-Hersteller? Marktcheck checkt Vaude

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Rucksäcke, Bekleidung, Schuhe, Zelte, Schlafsäcke: Vaude wirbt damit, besonders nachhaltig zu produzieren. Stimmt das? Und wie gut ist das Outdoor-Zubehör im Praxistest?

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Sendezeit
20:15 Uhr
Sender
SWR Fernsehen

Das Unternehmen Vaude wird 1974 von dem Bergsport-Fan Albrecht von Dewitz gegründet. Er benennt die Firma nach seinen Initialen v.D. Werden anfangs nur Rucksäcke produziert, bietet Vaude mittlerweile ein breites Spektrum an Produkten rund um Bergsport und Fahrradfahren an.

Der Firmensitz von Vaude ist in Obereisenbach bei Tettnang am Bodensee. Ein Großteil der Produkte kommt aus China und Vietnam. In Tettnang werden hauptsächlich Fahrradtaschen hergestellt - 180.000 Stück pro Jahr.

Zentrale von Vaude (Foto: SWR, SWR -)
Inmitten eines Postkartenidylls liegt die Firmenzentrale von Vaude. SWR -

Markenzeichen Nachhaltigkeit

Seit 2009 leitet Albrechts Tochter Antje von Dewitz das Unternehmen.

Vaude setzt besonders auf umwelt- und menschenfreundliche Produktion und will der nachhaltigste Outdoor-Hersteller Europas sein. Kann das Unternehmen diesen Anspruch erfüllen? Wie gut ist die Qualität der Produkte? Was verbinden Kunden mit der Marke und wie modisch ist sie?

1. Check: Qualität

Der Schwarzwald ist ein Paradies für Outdoor-Freunde. In der Nähe von Furtwangen treffen wir die Outdoor-Fans Tobias, Martin, Franziska und Sabina. Sie sollen zwei Tage lang für uns Funktionskleidung von Vaude und der Konkurrenz testen.

Vier junge Leute in Outdoor-Kleidung machen ein Selfie vor einem Wasserfall (Foto: SWR)
Vier Outdoor-Freunde testen für uns Vaude-Equipment.

Einsteiger-Set von Vaude

Alle bekommen jeweils die gleichen Vaude-Einsteigermodelle:

  • Die Wanderjacke "Escape Light Jacket" für 100 Euro
  • Die Trekkinghose "Farley Pants" für ebenfalls 100 Euro
  • Die Wanderschuhe "TRK Skarvan" für 190 Euro
  • Den Rucksack "Brenta", 30 Liter, für 115 Euro

Fazit nach Tagestour

So eingekleidet wandern die vier zu den Triberger Wasserfällen. Rund sechs Stunden dauert die Tour. Zurück am Ausgangspunkt ziehen sie ihr Fazit: Die Vaude-Kleidung trägt sich gut, die Schuhe sind leicht und bequem und der Rucksack hat praktische Extras wie eine Fronttasche für Jacken.

Am Tag darauf werden vergleichbare Produkte der Konkurrenz getestet.

Decathlon, Jack Wolfskin, Mammut und The North Face

Jeder der vier bekommt eine Marke zugeteilt: Tobias probiert Decathlon, Sabina Jack Wolfskin, Martin Mammut und Franziska The North Face - wie bei Vaude von jedem Hersteller das Einsteigermodell.

Wanderausrüstung-Ensteiger-Outfit mit Preisen von Decathlon, Jack Wolfskin, Mammut, The North Face, Vaude  (Foto: SWR)
Soviel kosten die Einsteiger-Outfis in unserem Check

Hier können Sie in unserer Übersicht die genauen Produktbezeichnungen der getesteten Waren sowie die ausführlichen Testergebnisse nachlesen:

Von jeder Marke nehmen wir eine wasserdichte und atmungsaktive Wanderjacke, eine Trekking-Hose mit Zip-Off-Reißverschluss, halbhohe, wasserdichte und atmungsaktive Wanderschuhe und einen Rucksack mit um die 30 Liter Volumen, Hüftgurt und Regenschutzhülle.

Vier Menschen in Outdoor-Kleidung beim Wandern (Foto: SWR)
Decathlon, Jack Wolfskin, Mammut, The North Face - was taugt?

Im Vergleich werden die Preisunterschiede deutlich: Bei Decathlon gibt es die gewünschte Ausstattung schon für rund 148 Euro, bei Jack Wolfskin sind dafür 500 Euro fällig. Bei VAUDE sind es schon 505 Euro und bei The North Face 510. Am teuersten ist Mammut. Dort kosten unsere Einsteigermodelle stolze 627 Euro.

Welche Marke überzeugt?

Eine Überraschung gibt es schon beim ersten Anziehen: Die Decathlon-Jacke reißt unter der rechten Achsel.

Nach einer Tagestour zur Donauquelle in Furtwangen beurteilen unsere Tester die Produkte. Ergebnis: Zwei von vier würden sich im Direktvergleich für Vaude entscheiden. Im mittleren Preissegment ist Vaude somit klarer Sieger im Praxistest.

Wie wasserdicht ist die Kleidung?

Alle Outdoor-Kleidungsstücke, die die Wanderer ausprobiert haben, werden als wasserdicht beworben. Stimmt das Versprechen? Wir machen zusammen mit der Freiwilligen Feuerwehr Furtwangen den Härtetest: Die Wanderer werden in voller Montur mit dem Feuerwehrschlauch abgespritzt. Vorher haben sie Löschpapier-Bögen bekommen, die sie sich unter der Jacke auf den Körper gelegt haben.

Regenkleidung wird mit Wasserstrahl getestet (Foto: SWR)
Welche Jacken sind wirklich wasserdicht?

Nach der Dusche ist das Löschpapier bei Decathlon ziemlich nass. Auch Vaude lässt relativ viel Wasser durch. Bei Mammut ist deutlich weniger Wasser durchgekommen und The North Face sowie Jack Wolfskin halten komplett dicht.

Labortest

In einem Labor in Hamburg wollen wir die Wasserdichtigkeit noch mal objektiv überprüfen lassen. Von den Jacken werden Stoffproben ausgeschnitten und es wird gemessen, bei wie viel Druck Wasser durch den Stoff dringt. 10.000 Millimeter sollten die Jacken auf der Wassersäule erreichen - der Wert gilt als wasserdicht.

Labortest Wasserdichtigkeit mit Wassersäule gemessen (Foto: SWR)
Ab welchem Druck dringt Wasser durch die Stoffe?

Unter Laborbedingungen können alle Jacken überzeugen. Nur die Jacke von Decathlon liegt mit 9.200mm knapp unter dem erforderlichen Wert.

Schwachstellen Nähte und Reißverschlüsse

Bei der Vaude-Jacke sind die Reißverschlüsse die Schwachstellen, stellen die Experten im Labor fest. Sie sind nur durch eine leichte Lasche geschützt. Bei Decathlon sind die Nähte nicht verschweißt, so dass hier Feuchtigkeit eindringen kann.

Was sagen die Hersteller? Sowohl Decathlon als auch Vaude erklären, die Jacken seien Einsteigermodelle und nur für leichte Wanderungen geeignet. Den Reißverschluss nur mit einer leichten Lasche zu schützen, sei marktüblich, so Vaude.

Genereller Tipp: Eine wasserdichte Jacke sollte mindestens 10.000mm auf der Wassersäule ausweisen. Außerdem sollte man sich beim Kauf die Verarbeitung von Nähten und Reißverschlüssen ansehen.

Wie dicht sind die Schuhe?

Nun sind die Schuhe dran. Für sie geht es ins Wasserbad. Wie lange dauert es, bis Wasser eindringt? Schließlich werden alle Schuhe als wasserdicht beworben. Laut Norm muss ein Schuh zwölf Stunden lang trocken bleiben, um als wasserdicht zu gelten - die Länge einer Tageswanderung.

Wanderschuhe in einem Labor-Wasserbecken. (Foto: SWR)
In einem Labor-Wasserbecken läßt sich feststellen, wie wasserdicht die Wanderschuhe sind

Das schafft aber nur ein Hersteller: Die Schuhe von Mammut bleiben tatsächlich zwölf Stunden lang trocken. Die Schuhe von The North Face liegen mit elf Stunden knapp dahinter. Mit den Vaude-Schuhen bleiben die Füße vier Stunden lang trocken, bei Decathlon noch dreieinhalb Stunden.

Die Schuhe von Jack Wolfskin unterschreiten die Norm am deutlichsten. Nicht mal eine Stunde bleiben sie trocken.

Das Problem: Die Norm ist nur eine Empfehlung. Der Verbraucher kann sich also nicht darauf verlassen, dass ein Schuh, der als wasserdicht beworben wird, tatsächlich 12 Stunden lang trocken bleibt.

Angabe der Wasserfestigkeit der Wanderschuhe von Decathlon, Jack Wolfskin, Mammut, The North Face und Vaude  (Foto: SWR)
Mammut hat bei der Wasserfestigkeit die Nase vorn.

Hersteller erklären sich

Was sagen die Hersteller? Jack Wolfskin erklärt, "dass die Wasserdichtigkeitsdauer im Einzelfall geringer ausfallen kann, was der Fabrikationstechnik geschuldet ist."

Decathlon schreibt uns: "Das Feedback wurde direkt an die Qualitätskontrolle weiter gegeben, so dass wir unser Produkt schnellstmöglich optimieren können."

Und VAUDE erklärt, der getestete Schuh würde normalerweise 14 statt vier Stunden lang trocken bleiben - das Exemplar, welches wir getestet haben, müsse fehlerhaft sein.

2. Check: Image

Vaude-Geschäftsführerin Antje von Dewitz hat klare Vorstellungen, wie sich Vaude im Markt positionieren will: "Beim Kunden soll ankommen, dass wir engagiert sind für Mensch und Natur und nachhaltige Produkte machen. Dafür steht Vaude. Unser Anspruch ist es, der nachhaltigste Outdoor-Ausrüster Europas zu sein."

Vaude-Geschäftsführerin Antje von Dewitz  (Foto: SWR)
Vaude-Geschäftsführerin Antje von Dewitz

Doch was verbinden die Kunden mit Vaude? Wir machen ein Experiment in der Stuttgarter Fußgängerzone. Auf einer Magnettafel können die Passanten angeben, was sie mit Vaude und den Konkurrenz-Marken Decathlon, Jack Wolfskin, The North Face und Mammut verbinden. Von uns bekommen sie Begriffe, die sie den Outdoor-Marken zuordnen sollen.

Das Ergebnis: Nur drei von 20 Personen verbinden Vaude mit "nachhaltig" - weniger als bei Jack Wolfskin.

Unternehmen sollte nachsteuern

Wir zeigen das Ergebnis einem Fachmann: Markus Voeth unterrichtet Marketing an der Hochschule Hohenheim. "Wenn man auf Nachhaltigkeit setzen will, ist es kein besonders erfreuliches Ergebnis, dass nur eine sehr geringe Anzahl von Probanden tatsächlich diesen Kern der Marke mit Vaude in Verbindung bringt." Hier müsse das Unternehmen im Marketing nachsteuern, so der Experte.

Vaude-Logo (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
Viele wissen nicht, wie man den Markennamen ausspricht. Picture Alliance

Und noch ein weiteres Problem offenbart sich in der Fußgängerzone: Der Marken-Name selbst. Kaum einer weiß, wie Vaude richtig ausgesprochen wird. Die korrekte Aussprache lautet [fau'de], nach den Initialen des Unternehmensgründers Albrecht von Dewitz.

Problem Nicht-Aussprechbarkeit

Auch hier sieht Markus Voeth einen Nachteil: "Das ist für eine Marke schwierig, weil Nicht-Aussprechbarkeit zunächst mal ein Wettbewerbsnachteil ist."

3. Check: Style

Outdoor-Kleidung muss schon lange mehr sein als nur funktional.

"Das Design, die Farben, die Schnitte, die müssen dem modernen Zeitgeist entsprechen", erklärt Vaude-Chefin Antje von Dewitz. Outdoor sei ein Lebensstil. Die Kleidung müsse auch für den Straßenalltag taugen.

Schaufenster mit Vaude-Kollektion (Foto: SWR)
Kann das Design überzeugen?

Wie modisch ist die Outdoor-Ware?

Modedesign-Studenten und -Studentinnen der Hochschule Reutlingen sollen für uns die Sommerkollektion von Vaude auf dem Laufsteg präsentieren. Sie selbst finden die Kleidung schön und schlicht. Ob man sie für einen Stadtbummel wähle würde, ist Geschmackssache - hier gehen die Meinungen unter den Studenten und bei den Passanten auseinander. Die Mehrheit der Passanten findet die Sommerkollektion von Vaude jedenfalls schick und durchaus stadttauglich.

4. Check: Nachhaltigkeit

Vaude will der nachhaltigste Outdoor-Ausrüster Europas sein. Doch was tut das Unternehmen wirklich für die Umwelt?

Giftiges PFC

In vielen Outdoorkleidungsstücken steckt Flourcarbon, kurz PFC. Auch Vaude wurde für die Verwendung kritisiert. Dort hat man auf die Problematik reagiert. "Wir haben uns sofort mit Greenpeace in Verbindung gesetzt und sind jetzt Unterzeichner des Detox-Abkommens", erkläft Vaude-Geschäftsführerin Antje von Dewitz. "Das heißt, wir folgen den in der Textil-Industrie strengsten Auflagen und Grenzwerten für Chemikalien und sind heute, was die Bekleidung angeht, hundert Prozent PFC-frei."

Im Gegensatz zu anderen Outdoor-Herstellern kooperiert Vaude inzwischen mit der Umweltorganisation. Schadstoff-Experte Manfred Santen von Greenpeace beobachtet den Wandel bei Vaude: "Das finden wir sehr gut, weil das ein Zeichen setzt, dass es eben ohne diese Chemikalien geht, anspruchsvolle Outdoor-Kleidung herzustellen."

Funktionalität nicht eingeschränkt

Bei der Membran setzt Vaude inzwischen auf Polyurethan. Von der Funktionalität her sei das genauso gut, heißt es bei Vaude.

Neben dem Verzicht auf PFC versucht der Hersteller auch dem Wegwerf-Trend entgegenzuwirken. So kann man in Vaude-Läden Ausrüstung nicht nur kaufen, sondern auch mieten.

Upcycling und Reparatur

Und in der Manufaktur in Tettnang werden überschüssige Stoffreste zu Taschen weiterverarbeitet, die anderswo in den Abfall wandern würden.

Kosmetiktasche aus Stofftresten von Vaude (Foto: SWR)
Aus Stoffresten fertigt Vaude Taschen.

Auch eine große Reparaturwerkstatt gibt es, wo kaputte Ware wieder flott gemacht wird.

Greenwashing oder echte Anstrengung?

Sind all diese Maßnahmen wirklich sinnvoll im Sinne der Nachhaltigkeit oder handelt es sich doch eher um "Greenwashing", also PR?

Chemieexperte Manfred Santen von Greenpeace (Foto: SWR)
Manfred Santen von Greenpeace glaubt an die Anstrengungen von Vaude.

Manfred Santen, Chemie-Experte bei Greenpeace: "Das Gefühl, dass das Greenwashing ist, haben wir nicht. Wir haben ja viele Gespräche geführt mit den MitarbeiterInnen von VAUDE. Und ich glaube, das ist durchaus ernst gemeint, was da an Anstrengungen unternommen wird."

Besonders faire Arbeitsbedingunen

Auch in Sachen faire Arbeitsbedingungen macht Vaude eine gute Figur: Das Unternehmen kooperiert mit der NGO "Fair Wear Foundation". Die FWF mit Sitz in Amsterdam besucht regelmäßig unangekündigt die Manufakturen von Vaude und schreibt jedes Jahr einen Bericht (den sogenannten "Brand Performance Check") über die Arbeitsbedingungen. Darin schneidet Vaude sehr gut ab - die Firma gehört zur sogenannten Leader-Kategorie.

Nur Unternehmen mit Leader-Status dürfen mit dem Logo der Fair Wear Foundation auf ihren Produkten werben.

Dieser Beitrag gibt die Rechercheergebnisse der Erstausstrahlung vom 07.08.2018 wieder.

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