Prinzenrolle von Griesson - de Beukelaer (Foto: SWR)

Wie gut sind Prinzenrolle & Co? Marktcheck checkt Griesson - de Beukelaer

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Griesson - de Beukelaer aus Polch produziert mit der Prinzenrolle Deutschlands meistverkauften Keks. Was steckt drin? Wie funktioniert das Marketing? Wie fair ist das Unternehmen?

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
20:15 Uhr
Sender
SWR Fernsehen

Wir checken:

  • Qualität
  • Marketing
  • Fairness gegenüber Umwelt und Mitarbeitern

In Polch an der Mosel sitzt Griesson - de Beukelaer. Das Eifler Familienunternehmen streitet sich mit Bahlsen um Platz 1 unter den Gebäckriesen in Deutschland. Für mehr als 500 Millionen Euro jährlich verkauft das Unternehmen Backwaren, auch in die USA. Rund 2000 Mitarbeiter arbeiten in Polch und den drei anderen deutschen Standorten.

Die Firmengeschichte von Griesson - de Beukelaer

Firmengeschichte Griesson - de Beukelaer Zeichnungen und Fotos zu 1892 (Foto: SWR)
Mit Gottlieb Anton Gries, Bäckermeister in Kobern an der Mosel, fing 1892 alles an. Vor allem seine Lebkuchen waren der Renner. Bild in Detailansicht öffnen
1924 entsteht Griesson. Zusammengesetzt aus Gries und Sohn! In den Folgejahren wird die Herstellung immer stärker automatisiert. Bild in Detailansicht öffnen
1966 übernimmt Heinz Gries die Geschäftsführung. Bild in Detailansicht öffnen
Er entdeckt Mitte der 70er während eines England-Urlaubs den Jaffa Cake. So genannt wegen der Füllung aus Jaffa Orangen. Er beschließt, dass bis dahin in Deutschland unbekannte Gebäck selbst zu produzieren. Bild in Detailansicht öffnen
Bereits kurz nach der Markteinführung ist der Soft Cake ein voller Erfolg. Und das Sortiment wird nach und nach erweitert. Dazu kommen neue Produktionsstätten. Bild in Detailansicht öffnen
Ende der Neunziger bestimmt Heinz Gries erstmals ein Nicht-Familienmitglied als Firmennachfolger. Ein Paukenschlag. Und der nächste folgt. Bild in Detailansicht öffnen
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Mit dem Kauf des Konkurrenten Wurzener Feingebäck erweitert man das Sortiment im Premiumbereich. Bild in Detailansicht öffnen

1. Check: Qualität

Die Prinzenrolle von Griesson - de Beukelaer ist der meistverkaufte Keks in Deutschland. Mehr als 46 Millionen Packungen jährlich stellt das Unternehmen her. Außerdem gibt es Produkte wie den Soft Cake oder das Knusperbrot Leicht & Cross.

Geschmackstest: Doppelkeks mit Schokofüllung

Testkandidaten sind vier Doppelkekssorten mit Schokofüllung (Preise jeweils pro 100 Gramm):

Doppelkekse mit Schokofüllung von Griesson - de Beukelaer, Aldi, Milka und Leibniz (Foto: SWR)
Welcher der Doppelkekse mit Schokofüllung schmeckt am besten?
  • Prinzenrolle von Griesson - de Beukelaer für 35 Cent
  • Choco Bistro Doppelkeks von Aldi Süd für 20 Cent
  • Milka Choco Pause für 77 Cent
  • Leibniz Keks'n Cream für 87 Cent

Auf dem SWR-Sommerfest in Stuttgart lassen wir 80 Besucher an einer Blindverkostung teilnehmen. Welcher Keks schmeckt ihnen am besten? Das Ergebnis: Platz 1 belegt der Keks von Leibniz mit 29 Stimmen. Platz 2 geht an den Keks von Milka mit 21 Stimmen. Abgeschlagen mit jeweils 15 Stimmen: die Kekse von Aldi und Griesson - de Beukelaer.

Viele Verbraucher greifen gerne zu Markenprodukten. Wir wollen daher wissen, ob sich das Ergebnis verändert, wenn die Besucher wissen, von welcher Marke der Keks stammt. Und tatsächlich, bei einer offenen Verkostung mit 65 Besucher ändert sich die Rangliste: Sieger bleibt zwar der Keks von Leibniz mit 21 Stimmen. Die Prinzenrolle aber kommt mit 16 Stimmen diesmal auf Platz 2 und knapp dahinter landen die Produkte von Milka und Aldi mit jeweils 14 Stimmen auf dem dritten Platz.

Geschmackstest: Softkekse mit Jaffa Orange

Jaffa Cakes vom britischen Gebäckhersteller Mc Vitie´s  (Foto: SWR)
Kann der Soft Cake Orange Griesson - de Beukelaer im Vergleich zum Original geschmacklich bestehen?

Die Jaffa Cakes, wurden 1927 vom britischen Gebäckhersteller Mc Vitie´s entwickelt. Das Pendant von Griesson gibt es seit den 70er Jahren. Wie lecker ist der Soft Cake im Vergleich zum englischen Original? In einem britischen Spezialitätenladen lassen wir fünf Engländer und Cookie-Experten die Kekse probieren. Das knappe Ergebnis: Das englische Original finden zwei leckerer, dreien schmeckt der Griesson Soft Cake besser.

Fazit Geschmacksprobe: Die Prinzenrolle kann in unserem Geschmackstest nicht jeden überzeugen. Der Soft Cake hat bei den britischen Cookie-Experten knapp die Nase vorn.

Laboruntersuchung

Wir lassen die vier Doppelkekssorten und den Soft Cake Orange auch im Labor untersuchen.  

Das erfreuliche Ergebnis: Bei keinem der untersuchten Produkte konnten Glyphosat, Fettsäureester oder Mineralölrückstände nachgewiesen werden. Lediglich beim Acrylamid lassen sich Rückstände nachweisen. Am stärksten belastet ist die Prinzenrolle, allerdings noch deutlich unterhalb des Richtwertes.

Zucker, Fett und Kalorien

Kekse sind wie Schokolade eine Süßigkeit. Fett, Zucker, Kalorien – davon haben sie reichlich. Aber wie viel ist es genau im Vergleich mit anderen Lebensmitteln?

Marktcheck checkt Griesson - de Beukelaer Zucker-, Fett- und Kalorenvergleich

Softcake und Cola, davor Würfelzucker (Foto: SWR)
Pro 100 Gramm enthält Cola etwa dreieinhalb Würfelzucker. Der Soft Cake dagegen satte 17 Stück. Das heißt, der Soft Cake besteht zu mehr als der Hälfte aus Zucker. Bild in Detailansicht öffnen
Frittierte Pommes enthalten pro 100 Gramm rund 15 Gramm Fett. Die Prinzenrolle hat mit 19 Gramm noch mehr Fett. Bild in Detailansicht öffnen
100 Gramm Roggenbrot haben 220 Kalorien. Die gleiche Menge Leicht und Cross satte 370 Kalorien. Bild in Detailansicht öffnen

Fazit Qualität: Beim Geschmackstest kann die Prinzenrolle nicht überzeugen. Der Soft Cake kommt dagegen besser an. Im Labor ist alles okay. Eine fettige, zuckrige und kalorienhaltige Süßigkeit sind die Kekse aber schon.

2. Check: Marketing

Bei Griesson - de Beukelaer liegt der Fokus auf den beiden Top-Sellern Prinzenrolle und Soft Cake. Dabei stellt das Unternehmen beispielsweise mit „Tourinos Gepäckstangen“, „Erfrischungsstäbchen Orange-Zitrone-Mix“ und „Cereola Keksriegel“ noch viele weitere Produkte her.

Überlebensgroße Werbefigur der Prinzenrolle von Griesson - de Beukelaer (Foto: SWR)
Bei einer Umfrage in Heidelberg konnten die meisten Passanten den Prinzen der Prinzenrolle von Griesson - de Beukelaer zuordnen.

Doch bei einer Befragung in Heidelberg kennen die meisten nur die Prinzenrolle und können andere Produkte dem Unternehmen nicht zuordnen. Das überrascht den Marketingexperten Markus Voeth von der Uni Hohenheim nicht.

Prof. Markus Voeth, Marketingexperte Universität Hohenheim (Foto: SWR)
Prof. Markus Voeth, Marketingexperte Universität Hohenheim

„Weil eine Firma, die die Produktmarke in den Vordergrund stellt und eben nicht betont, dass dieses Produkt eben von Griesson de Beukelaer ist, die darf sich nicht wundern, dass die Kunden auch das Produkt gar nicht mit der Firma in Verbindung bringen.“

Prof. Markus Voeth, Marketingexperte Universität Hohenheim

In der Werbung fokussiert sich Griesson - de Beukelaer seit vielen Jahren klar auf den Top-Seller Prinzenrolle. Doch die Prinzenrolle und die Doppelkekse von Aldi gleichen sich nicht nur geschmacklich, sondern auch bei den Zutaten. Ein Blick auf die Verpackung verrät, dass die Aldi-Kekse von der Firma Coverna GmbH auch in Polch produziert werden.

Doppelkekse Sondney Captain Rondo von Lidl, Prizenrolle von Griesson - de Beukelaer und Choko Bistro Doppelkeks von Aldi (Foto: SWR)
Die „Choco Bistro Doppelkekse“ von Aldi und die Doppelkekse „Sondney Captain Rondo“ von Lidl werden von der zu Griesson - de Beukelaer gehörenden Firma Coverna GmbH in Polch produziert.

„Die Coverna GmbH ist eine Firma unseres Hauses, gehört zu Griesson - de Beukelaer mit dazu, unter der wir dann auch Handelsmarkenprodukte vertreiben.“

Andreas Nickenig, Griesson - de Beukelaer

Und neben Aldi lässt auch Lidl die "Billig-Prinzenrolle" dort produzieren. 

„Der Discounter beispielsweise nimmt viel Menge ab und löst ein Grundrauschen aus beim Markenartikler und das ist für ihn so interessant, dass er bereit ist im Grunde, sich Konkurrenz zu seiner eigenen Marke zu erzeugen. Das ist natürlich ein Tanz auf der Rasierklinge. Es gibt auch Beispiele, wo im Grunde dann irgendwann der Handel die Herstellermarke aus dem Sortiment genommen hat und nur noch seine eigene Händlermarke dem Kunden anbietet und dementsprechend der Hersteller sich selbst sozusagen beerdigt.“

Prof. Markus Voeth, Marketingexperte Universität Hohenheim

Fazit Marketing: Den Prinz als Werbefigur kennen viele. Andere Produkte außer der Prinzenrolle sind kaum bekannt. Und die Discounterstrategie von Griesson - de Beukelaer ist durchaus riskant.

 3. Check Fairness gegenüber Mitarbeitern und der Umwelt

Bei vielen Keksen stehen Kakao und Palmöl auf der Zutatenliste weit oben. Laut Griesson - de Beukelaer legt das Unternehmen viel Wert auf Nachhaltigkeit, vor allem bei Rohstoffen. Wir wollen wissen, woher sie Kakao und Palmöl beziehen.

Brandrodung in Indonesien, dokumentert von Greenpeace (Foto: Pressestelle, SWR, Greenpeace)
Brandrodung in Indonesien, dokumentiert von Greenpeace Pressestelle Greenpeace

„Kakao ist kein Geheimnis, das sind überwiegend die westafrikanischen Länder, die Anbauländer. Palmöl sind überwiegend Indonesien und Malaysia, in denen bezogen wird.“

Andreas Nickenig, Griesson - de Beukelaer

Doch da liegt das Problem. Viele der ursprünglichen Wälder in Indonesien wurden für Palmölplantagen gerodet, oft auch illegal. Ähnliches passiert in den Kakao-Anbaugebieten in Westafrika. Außerdem verdienen die Bauern oft nur Hungerlöhne. Kinderarbeit ist weit verbreitet. In Westafrika arbeiten geschätzt 2,2 Millionen Kinder. Ein Problem, das die Branche schon seit längerem nicht in den Griff bekommt, sagt Friedel Hütz-Adams vom Institut Südwind.

Friedel Hütz-Adams, Institut Südwind (Foto: SWR)
Friedel Hütz-Adams, Institut Südwind

„Im Kakaosektor, spätestens seit dem Jahr 2000, weiß man, dass man es mit einem massiven Kinderarbeitsproblem - und, als eigentliche Ursache dieser Kinderarbeit, einem Armutsproblem der anbauenden Familien zu tun hat. Ich kann eigentlich keine Schokolade aus Westafrika kaufen, die mit diesen Problemen nicht irgendwo zu tun hat.“

Friedel Hütz-Adams, Institut Südwind

Konkrete Anbaugebiete und Lieferanten will uns Griesson - de Beukelaer nicht nennen. Stattdessen verweist das Unternehmen auf die Nachhaltigkeitssiegel utz für Kakao und RSPO für Palmöl. Sie verpflichten Bauern vor Ort zu umweltverträglichem Anbau und dem Einhalten von sozialen Mindest-Standards.

Nachhaltigkeitssiegel utz für Kakao und RSPO für Palmöl (Foto: SWR)
Nachhaltigkeitssiegel utz für Kakao und RSPO für Palmöl

„Das ist erstmal ein Fortschritt, es ist aber gleichzeitig so, dass die Siegel viele der grundlegenden Probleme nicht wirklich angehen können. Wenn ich mir Kakao anschaue, dann hat keines dieser Label es bisher geschafft, Bauern und Bäuerinnen aus der Armut raus zu holen."

Friedel Hütz-Adams, Institut Südwind

Und auch bei Palmöl kam es trotz RSPO-Siegel immer wieder zu illegalen Abholzungen und Brandrodungen in Indonesien. Das kritisiert die indonesische Greenpeace-Aktivistin Annisa Ramahwati.

Annisa Ramahwati, Greenpeace Indonesien (Foto: SWR)
Annisa Ramahwati, Greenpeace Indonesien

„Die Lage ist alarmierend. Die großen Marken, die unsere Lebensmittel herstellen, haben schon 2010 versprochen, die Abholzung der Wälder zu beenden und können ihr Versprechen bis jetzt nicht erfüllen. Die Abholzung steigt weiter in beängstigendem Tempo und gefährdet unser Klima und unsere Artenvielfalt."

Annisa Ramahwati, Greenpeace

Wir konfrontieren Griesson - de Beukelaer mit der Kritik. Ist die versprochene Nachhaltigkeit nur ein Feigenblatt?

Andreas Nickenig von Griesson - de Beukelaer (Foto: SWR)
Andreas Nickenig von Griesson - de Beukelaer

„Wir arbeiten mit den Zertifizierungsstellen zusammen, um eben da eine möglichst hohe Transparenz zu haben. Bis zum letzten Ursprung ist es bei den Mengen sicher schwierig, aber, wenn wir nicht das machen würden, dann lassen wir allen anderen freien Lauf."

Andreas Nickenig, Griesson - de Beukelaer

Und wie fair geht Griesson - de Beukelaer mit seinen Mitarbeitern um?

Das Familienunternehmen Griesson - de Beukelaer bemüht sich besonders um flexible Arbeitszeiten. Dafür wurde das Unternehmen 2017 vom rheinland-pfälzischen Wirtschaftsministerium ausgezeichnet.

Werk von Griesson - de Beukelaer in Kempen (Foto: SWR)
270 Mitarbeiter sind von der Werksschließung in Kempen betroffen.

Doch 2018 kam ein Schock für die Mitarbeiter am Standort Kempen in NRW. Hier wird seit 1955 die Prinzenrolle produziert. Doch jetzt soll aus Modernisierungsgründen die komplette Produktion nach Thüringen verlagert werden. 270 Mitarbeiter sind von der Werksschließung betroffen. Die Gewerkschaft schaltet einen Gutachter ein, doch der bestätigt: Eine Modernisierung ist in Kempen nicht möglich.  Aber immerhin steht nach monatelangem Hickhack ein Sozialplan, inklusive Wechselprämien und Abfindungen.

Fazit: Bei der Nachhaltigkeit verspricht Griesson - de Beukelaer mehr als das Unternehmen halten kann, denn die Siegel sind kein Nachweis für hundertprozentige Nachhaltigkeit. Punkten kann Griesson - de Beukelaer dagegen beim Umgang mit den Arbeitnehmern. Selbst wenn Werksschließungen manchmal unumgänglich sind.  

Dieser Beitrag gibt die Rechercheergebnisse der Erstausstrahlung vom 20.08.2019 wieder.

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