Hält die Traditionsmarke, was sie verspricht? Marktcheck checkt Bosch

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Die schwäbische Traditionsmarke gibt es seit 132 Jahren. Wie gut ist die Qualität der Produkte im Vergleich zur Konkurrenz? Und wie fair ist Bosch als Arbeitgeber?

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Sendedatum
Sendezeit
20:15 Uhr
Sender
SWR Fernsehen

In Stuttgart liegt der Hauptsitz des schwäbischen Traditionsunternehmens Bosch. Zur Bosch-Gruppe gehören inzwischen 440 Tochter- und Regionalgesellschaften in 60 Ländern. Bosch ist der weltweit führende Autozulieferer und auch Europas größter Hausgerätehersteller.

Geschäftsführer Uwe Raschke glaubt, das liege vor allem an der guten Produktqualität.

Qualität

Doch wie gut ist die Qualität wirklich?

Zunächst vergleichen wir vier Smoothie-Mixer unterschiedlicher Hersteller:

  • von Bosch für 35 Euro
  • von WMF für 30 Euro
  • von Philips für 64 Euro
  • von Krups für 56 Euro.

Alle vier haben eine ähnliche Leistung. Mit den vier Geräten stellen wir Smoothies aus Obst und Gemüse sowie einen Erdbeer-Cocktail mit Eis her.

Ergebnis-Tabelle Smoothie-Mixer (Foto: SWR, SWR -)
Mit dem Bosch-Gerät gelang der Smoothie am besten. Allerdings wurde er zu warm. SWR -

Ergebnis des Mixer-Tests

Der Bosch-Mixer püriert am feinsten, wird aber warm. Der WMF Mixer püriert ordentlich, ist aber etwas schwer zu befüllen. Der Philips und der Krups Mixer schwächeln in unserem Check deutlich.

Auffällig bei allen Geräten ist die Lautstärke. Mit 88 Dezibel am lautesten ist der Philips-Mixer. Der Bosch-Mixer ist etwas leiser, aber mit 85 Dezibel immer noch ziemlich laut.

Drei Akkuschrauber von Bosch, Toolson und Black&Decker (Foto: SWR, SWR -)
Die Akkuschrauber der Bauhaus Eigenmarke Toolson sowie von Bosch und Black&Decker (von links) SWR -

Akkuschrauber

Als nächstes wollen wir kleine Akkuschrauber testen.

  • Bosch IXO für 40 Euro
  • Black&Decker für 31 Euro
  • Bauhaus-Eigenmarke Toolson für 25 Euro

Alle Geräte haben die gleiche Leistung. Sie sollen beweisen, wie gut sie Schrauben in Holzlatten für ein Rankgitter drehen können.

Testergebnis Vergleich Schrauben in Holzlatten bohren (Foto: SWR)
Der Bosch-Schrauber hat überzeugt.

Ergebnis Akku-Schrauber:

In unserem Praxis-Check klar vorne lag der Bosch Schrauber. Er hält als einziger bis zum Schluss durch und ist gut im Handling. Deutlich schwächer: Der Toolson von Bauhaus und der Black&Decker.

Auch in unserem Labor-Test ist der Bosch-Schrauber klarer Sieger. So sei sowohl bei Toolson als auch bei Black&Decker der Abstand zwischen Platine und Akku zu klein, erklärt Diplom-Ingenieur Holger Krumme. Der Akku sei so schlecht vor Beschädigungen geschützt, was zu Kurzschlüssen führen könne.

Beim Toolson findet der Experte weitere Mängel: Der Akku ist schon drei Jahre alt und hat keinen Temperaturfühler. Der fehlt auch beim Black&Decker. Ein Sicherheitsrisiko, meint Holger Krumme - Litium-Ionen-Akkus könnten sich entzünden.

Bauhaus kann Laborergebnis nicht nachvollziehen

Auf unsere Nachfrage kann Bauhaus das Laborergebnis nicht nachvollziehen und teilt uns mit, der Schrauber erfülle die Maschinen-Richtlinie. Black&Decker antwortet gar nicht.

Übrigens: Auch bei den Tests von Stiftung Warentest und Ökotest überzeugen die Heimwerker- und Gartenprodukte von Bosch. Auch die Haushaltsgeräte schneiden oft gut ab.

Fazit Qualität

Unser Fazit in Punkto Qualität: Bosch Produkte schlagen sich meist gut.

Bosch-Firmensitz (Foto: SWR, SWR -)
Wie gut ist das Image des Unternehmens? SWR -

Image

In unserer Straßenumfrage stellt sich heraus, dass 23 von 50 Passanten von Miele überzeugt sind. Auf Bosch schwören 17. Andere Marken wie Privileg, AEG oder Bauknecht landen in unserer Umfrage weit abgeschlagen auf den hinteren Plätzen.

Geschichte

Bosch hatte mit Haushaltsgeräten am Anfang nichts am Hut. 1886 eröffnet der 25 Jahre alte Robert Bosch die Werkstätte für Feinmechanik in Stuttgart. Ein Jahr später baut er den ersten Magnetzünder für Verbrennungsmotoren. Ein Meilenstein. Noch heute ist ein stilisierter Magnetzünder im Logo zu sehen.

1913 stellt Bosch die erste Auto- Beleuchtungsanlage vor. Doch Mitte der 20er Jahre bricht der Automarkt dramatisch ein. Robert Bosch setzt auf Fließbandproduktion. Mit Erfolg. In den 30ern erweitert er die Produktpalette um Werkzeug, Haushaltsgeräte und Fernseher.

1967 dann die Gründung der Bosch-Siemens Hausgeräte GmbH als Gemeinschaftsunternehmen. Inzwischen ist es eine hunderprozentige Tochterfirma von Bosch.

Dachmarkenstrategie

Das Unternehmen Bosch fährt eine sogenannte Dachmarkenstrategie. Egal welches Produkt: alle setzen auf den Markennamen Bosch. Obwohl das Sortiment viele unterschiedliche Produkt-Sparten umfasst. Ein Risiko hierbei: Wenn das Image einer Sparte leidet, könnte das auf die gesamte Produktpalette abfärben. Ein Schaden, der nur schwer zu korrigieren ist.

Obwohl der Konzern inzwischen weltweit tätig ist, gilt Bosch nach wie vor als deutsche Traditionsfirma. Doch wie viel Made in Germany steckt überhaupt in den Produkten?

Der IXO-Akkuschrauber beispielsweise wird seit 15 Jahren in Ungarn produziert. Viele andere Geräte produziert Bosch aber in Deutschland, zum Beispiel in Giengen an der Brenz bei Ulm. Dort stellen 2.800 Mitarbeiter Kühl- und Gefriergeräten her.

Fazit Image

Viele Verbraucher vertrauen Bosch. Die Dachmarkenstrategie funktioniert. Aber nur solange der Name Bosch nicht in Verruf gerät.

Robert Bosch (Foto: Bosch -)
Unternehmensgründer Robert Bosch war sozial engagiert. Bosch -

Fairness

Der Gründer Robert Bosch hat sich sozial stark engagiert, zum Beispiel mit dem Robert Bosch Krankenhaus in Stuttgart. In seinem Testament veranlasste er, dass Erträge des Unternehmens gemeinnützigen Zwecken zugeführt werden sollten. Seine eigene Stiftung engagiert sich noch heute weltweit in den Bereichen Gesundheit, Bildung und Migration.

Robert Bosch hat einmal gesagt: "Ich zahle nicht gute Löhne, weil ich viel Geld habe, sondern ich habe viel Geld, weil ich gute Löhne zahle." Er führte als erster den Acht-Stunden-Tag ein und zahlte Kranken- und Urlaubsgeld, als dies noch alles andere als selbstverständlich war.

Bosch hält sich an Tarifverträge - meistens

Und heute? Wie fair ist Bosch zu seinen Mitarbeitern? Wir fragen IG-Metall-Geschäftsführer Martin Röll. "Generell kann man sagen, dass Bosch ein guter Arbeitgeber ist", so Röll. Das könne man beispielsweise an den Tarifverträgen festmachen. "Bosch ist ein zentraler Player im Tarifgeschäft und im Abschluss von Tarifverträgen hier in Baden-Württemberg, aber auch bundesweit. Generell kann man auch sagen, dass Bosch sich an die Tarifverträge hält."

Martin Röll (Foto: SWR, SWR -)
IG-Metall-Geschäftsführer Martin Röll. SWR -

Doch es gibt auch Ausnahmen. In einigen Bereichen weigert sich Bosch, Tarifverträge zu unterzeichnen. Zum Beispiel für über 2.000 Mitarbeiter in Bosch-Callcentern im Osten Deutschlands. Die Gewerkschaft klagt über Löhne deutlich unter Tarif und intransparente Lohnstrukturen.

Durch den Dieselskandal ist Bosch in der Kritik. Bosch lieferte an viele Autohersteller die Motorsteuerung. In den USA hat Bosch schon Schadenersatz in dreistelliger Millionenhöhe gezahlt. Auch in Deutschland wurden 90 Millionen Euro fällig. Die Gewerkschaften sehen, dass der Dieselskandal erste Auswirkungen auf die Beschäftigung der Mitarbeiter dieser Sparte hat.

Bosch blickt jedoch lieber nach vorne und sieht keine Gefahren für die Beschäftigten.

Fazit Fairness:

Bosch gilt bei Gewerkschaften immer noch als vertrauensvoller Arbeitgeber. Aber das arbeitnehmerfreundliche Image von Robert Bosch hat Schrammen bekommen.

Dieser Beitrag gibt die Rechercheergebnisse der Ausstrahlung vom 20.08.2019 wieder.

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