Hält der Baumarkt, was er verspricht? Marktcheck checkt Bauhaus

Wie günstig ist die zweitgrößte Baumarkt-Kette Deutschlands? Ist die Auswahl an Artikeln tatsächlich so groß wie versprochen? Und wie gut überzeugen sie im Praxistest?

Dauer

Mit 6,5 Milliarden Euro Umsatz ist Bauhaus die Nummer Zwei bei den Baumärkten - knapp hinter Obi (7,3 Milliarden), aber deutlich vor Hornbach (3,9 Milliarden). Der Baumarktriese sitzt in Mannheim und hat 155 Filialen in ganz Deutschland.

Firmengeschichte

Mit so einer Entwicklung hat bei Bauhaus vor fast 60 Jahren wohl niemand gerechnet. Damals war man noch allein auf dem Markt, eröffnete 1960 den allerersten Baumarkt überhaupt in Deutschland. Gründer Heinz Georg Baus zimmerte aus der väterlichen Schreinerei den ersten Markt in der Mannheimer Innenstadt.

Es folgten Märkte in Heidelberg und in Karlsruhe. Schon damals gab es Serviceleistungen wie Holzzuschnitt und Lieferservice.

In den 1970ern kamen dann die ersten Bauhaus-Märkte in Österreich und Dänemark dazu. Seit den 80ern expandierte Bauhaus immer weiter. Nach der Baumarktkrise 2013 übernahm Bauhaus etliche Filialen der insolventen Praktiker und Max Bahr Märkte. Heute ist Bauhaus ein Konzern mit Fachzentren in 19 europäischen Ländern. Der Konzernsitz ist in der Schweiz.

Wie schneidet Bauhaus in punkto Qualität und Preise der Produkte, Service und Marketing ab?

Check 1: Der Preis - welcher Baumarkt ist der günstigste?

Wir stellen drei Warenkörbe mit identischen Produkten zusammen, die wir jeweils bei Bauhaus, OBI und Hornbach suchen. Unter den insgesamt 11 Produkten sind unter anderem Wandfarbe von Alpina, ein Weber-Grill, Pattex-Kleber, Rasendünger, Spachtel- und Fugenmasse sowie eine Liege.

Wo sind die Waren insgesamt am günstigsten? In unserer Stichprobe macht Hornbach das Rennen: Der Warenkorb kostet hier 600 Euro. Bei Bauhaus ist er 10 Euro teurer und bei Obi mit 656 Euro am teuersten.

Check 2: Das Marketing - welches Image will Bauhaus vermitteln?

Zentral in der Bauhaus-Werbung ist der Slogan "Wenn's gut werden muss". Bei unserem Test mit Passanten in Bad Kreuznach wussten das 13 von 15 Teilnehmern. Die Slogans von Obi ("Wie, wo, was weiß Obi") und Hornbach ("Es gibt immer was zu tun") wurden etwas schlechter wiedererkannt.

Marketingexperte Markus Voeth von der Universität Hohenheim  (Foto: SWR)
Marketingexperte Prof. Dr. Markus Voeth von der Universität Hohenheim

Markus Voeth von der Universität Hohenheim hat den Werbeaufwand der Baumärkte mit dem anderer Branchen verglichen. Die Statistiken zeigen, dass die Baumarktbranche sehr aktiv im Marketing ist.

„Das liegt auch daran, dass es ein Verdrängungswettbewerb ist, dass der Markt nicht wächst und man im sich Grunde um die Kunden bemühen und versuchen muss, sie den Konkurrenten abzujagen.“

Prof. Dr. Markus Voeth von der Universität Hohenheim

Bauhaus verspricht riesiges Sortiment

Bauhaus versucht sich in dem hart umkämpften Markt vor allem mit seiner Sortimentsgröße von der Konkurrenz abzusetzen.

Tatsächlich ist die Auswahl aber nicht riesig - einige Produkte gibt es beispielsweise nur im Internet. Als wir bei Bauhaus nachfragen, gibt man zu, dass die Auswahl in den Märkten wesentlich geringer ist als angegeben: nur bis zu 70.000 Artikel. Im Durchschnitt komme man etwa auf 50.000 Artikel, so Bauhaus-Geschäftsführer Müller.

Check 3: Qualität - was taugen die Bauhaus-Produkte?

Alle Baumarkt-Ketten setzen auf  Eigenmarken. Bauhaus nennt sie sogar "Qualitätsmarken" und verspricht "erstklassige Qualität". Ob das stimmt?

Tischlermeister Hans Udo Jack und Heimwerkerin Michelle testen für uns verschiedene Eigenmarken-Akkuschrauber: Von Bauhaus (129 Euro), Hornbach (75 Euro) und Obi (90 Euro). Ebenso im Test: Das Markenprodukt von Bosch für 149 Euro.

Grafik: Zwischen 112 und 194 Schrauben schaffen vier Bohrer von Bauhaus, Hornbach, Obi und Bosch bis der Akku schlappt macht. (Foto: SWR)
Test: Nach wieviel Schrauben macht der Akku schlapp?

Als erstes testen die beiden, wie viele acht Zentimeter lange Schrauben die Maschinen in einem Holzbrett versenken können, bis der Akku leer ist. Als erstes macht der Obi-Schrauber nach 20 Minuten und  112 Schrauben schlapp. Der Bauhaus-Schrauber schafft 150 Schrauben, die Bosch Maschine 177. Mit 194 Schrauben liegt der Hornbach-Akkuschrauber in diesem Test vorne.

Wie gut bohren die Akkuschrauber?

Zweite Disziplin: der Bohrtest. Wie viele Löcher können die Akkuschrauber innerhalb von zwei Minuten in einen 15 Zentimeter dicken Holzbalken bohren?

Hornbach und Bauhaus liegen in diesem Test mit 20 Löchern gleichauf. Das Obi-Gerät schafft 19, Bosch nur 15 Löcher.

Tischlermeister Hans-Udo Jack und Michelle bohren Löcher in Holzbalken (Foto: SWR)
Auch beim Bohren zeigen sich Unterschiede.

Unser klarer Sieger: der Hornbach-Schrauber. Er bringt die beste Leistung, liegt gut in der Hand und ist mit 75 Euro am günstigsten. Der Bosch-Markenschrauber überzeugte dagegen nicht ganz. Die Leistung beim Bauhaus-Schrauber ist zwar ok, aber das Handling empfanden unsere Tester als schlecht. Die Maschine ist mit 3,5 Kilo recht schwer und ließ sich beim Bohren schlecht führen, so Hans Udo Jack. Außerdem war bei der von uns gekauften Maschine der Ersatzakku kaputt. Von "erstklassiger Qualität" ist der Bauhaus-Akkuschrauber also weit entfernt.

Von uns mit den Ergebnissen konfrontiert bedauert Bauhaus-Geschäftsführer Müller, dass sich ein defekter Akku "durchgeschlichen" hat. "Wenn die jetzt dem Tester von der Handhabung nicht so gut gelegen haben, das ist natürlich ein subjektives Empfinden, dann darf er das gerne zurückbringen, wir wollen, dass der Kunde zufrieden ist", so Müller.

Was taugt die Wandfarbe?

Als nächstes untersuchen wir, wie die hauseigene weiße Wandfarbe von Bauhaus für 39,95 pro zehn Liter gegenüber den Farben von Obi (31,80 Euro), Hornbach (29,10 Euro) und Marktführer Alpina (40,80 Euro) abschneidet. Andreas Keiner vom Institut für Lackprüfung misst für uns Deckkraft und die Scheuerbeständigkeit.

Die Farbmessung im Labor ergibt: Die Bauhaus-Farbe hat die höchste Deckkraft. Die anderen drei Farben decken aber nur minimal schwächer. Der Test auf Scheuerbeständigkeit soll zeigen, wie gut sich beispielsweise Flecken von der Wand wegwischen lassen, ohne dass die ganze Farbe mit abgeht. Das Ergebnis: Die Alpina- und die Bauhaus-Farbe liegen vorne. Etwas schwächer sind die Obi- und die Hornbach-Farbe.

Im Praxistest zuhause stellen unsere Testerinnen Alexandra und Élodie fest, dass es in punkto Ergiebigkeit Unterschiede gibt: Die Obi-Farbe ist am ergiebigsten, finden die beiden - sie lasse sich auch am leichtesten verarbeiten.

Check 4: Service - wie kundenfreundlich ist Bauhaus?

"Bei Beratung und Service setzt Bauhaus Maßstäbe", behauptet ein Imagefilm des Unternehmens.

Wir stellen die Bauhaus-Mitarbeiter in vier Märkten auf die Probe, indem wir ein Schimmelproblem im Wohnzimmer vorgeben. Ein positives Ergebnis des Tests: Alle Mitarbeiter weisen darauf hin, dass es wichtig ist, die Schimmelursache rauszufinden. Überall gibt es die Standard-Empfehlung: ein Anti-Schimmel-Mittel. Eine gute Beratung über mögliche Gesundheitsgefahren durch das Schimmel-Mittel erhalten wir allerdings bei keinem der Mitarbeiter.

Im zweiten Anlauf mieten wir eine Handkreissäge. Bauhaus verspricht eine ausführliche Einweisung durch die Mitarbeiter und Sicherheitshinweise. Doch bei keinem Markt erhalten wir eine genaue Einweisung. Eine Anleitung bekommen wir erst auf Nachfrage - genau wie Sicherheitshinweise zu Atem- oder Augenschutz.

Und was taugt die Leihmaschine? Wir zeigen die Handkreissäge unserem Experten Hans Udo Jack. Er bemängelt direkt, dass das Blatt stumpf ist - damit steigt die Unfallgefahr. "Hier fehlt sogar ein Zahn, hier fehlt noch ein Zahn - bei uns würde sie nicht mehr genommen werden", sagt Jack.

Schlussfazit:

  • Bauhaus ist günstig aber nicht am günstigsten.
  • Das Marketing funktioniert. Die Auswahl ist groß, aber nicht so groß wie viele denken.
  • Die Qualität der Eigenmarken: ordentlich mit gelegentlichen Schwächen.
  • Beim Service allerdings ist noch Luft nach oben.
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