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Weiterverweisende Hausärzte, überforderte Gesundheitsämter, überfüllte Testzentren : Wer sich auf Corona testen lassen will, braucht mitunter starke Nerven und viel Zeit.

Einen Test zu machen ist oft mühsam

Die Corona-Infektionszahlen steigen erneut. Gleichzeitig beginnt mit dem Herbst die Grippesaison. Das bedeutet: Husten, Schnupfen und Kratzen im Hals. Um sicherzugehen, dass es keine Corona-Infektion ist, muss daher schnellstmöglich getestet werden. Doch wie kommt man eigentlich an den Coronatest? Über das Gesundheitsamt? Via Hausarzt? Oder einfach fix in ein Testzentrum fahren? Wie kompliziert ist es wirklich?

Schild Coronatest Abstrich  (Foto: SWR)
Testchaos in Baden-Württemberg: Patienten werden zwischen Gesundheitsamt, Stadt und den Ärzten hin und her verwiesen.

Unser Reporter besucht eine Corona-Schwerpunktpraxis in Karlsruhe-Knielingen. Hier testet Dr. Geßner jeden Tag zwischen 11 und 13 Uhr Menschen auf Covid-19. Ein Patient erzählt uns, dass er etwa anderthalb Stunden lang versucht hat, das Gesundheitsamt zu erreichen, bis er endlich durchgekommen ist. Die Kommunikation sei zäh und schlauchend. Die Menschen vor Ort haben ernsthafte Beschwerden: Kopf- und Gliederschmerzen, trockenen Husten, teilweise waren sie auch in Kontakt mit positiv-getesteten Personen.

Hausarzt Geßner in Coronaschwerpunkt-Praxis Karlsruhe-Knielingen (Foto: SWR)
Hausarzt Dr. Geßner ist mit der Organisation der Coronatests nicht zufrieden. Ihm fehlt eine klare Linie.

In den kommenden zwei Stunden nimmt Hausarzt Dr. Geßner an diesem Tag 30 Proben. Zur Sicherheit draußen auf dem Balkon. Aber: Der Hausarzt ist mit der Organisation insgesamt nicht zufrieden. Ständig ändern sich die Regeln. Wen soll er testen? Wen zuerst? Wen nicht?

Es ist schwierig geworden, insbesondere in der letzten Woche. Eine Verordnung nach der anderen. Die eine vom Land, die andere vom Bund. Informationen sind ja da, aber nur ungeordnet. Insofern bekommen wir immer rechtzeitig raus was wir zum arbeiten brauche, aber es fehlt trotzdem eine klare Linie.

Dr. Peter Geßner, Hausarzt

Nicht nur Dr. Geßner geht es so. Von den Problemen berichten uns auch andere Hausärzte und Patienten. Teilweise auch Personen, die in Pflegeberufen arbeiten. Eine Beschäftigte in einem Pflegeheim berichtet uns, ihr Arbeitgeber hätte, obwohl sie Kontakt zu einem Infizierten gehabt habe, angeordnet trotzdem zu arbeiten, wenn das Gesundheitsamt sie nicht testen lasse. Das hätte aber zu einem unkontrollierten Ausbruch in einem Seniorenheim führen können.

Dabei hätte hier laut Kassenärztlicher Vereinigung klar gegolten: Test oder Quarantäne. Das bestätigt uns auch Johannes Fechner von der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg. Bei direktem Kontakt mit Corona-Infizierten müsse man zuhause bleiben, das dürfe man auch selbst veranlassen. Das Gesundheitsamt habe jedoch die Pflicht, einen zu benachrichtigen, wie lange man in Quarantäne zu bleiben hat, so Fechner.

Johannes Fechner von der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg (Foto: SWR)
Laut der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg gibt es klare Regeln dafür, was zu tun ist, wenn jemand Kontakt mit einer infizierten Person hatte.

Was tun bei Symptomen?

Auch wenn es immer wieder – wie oben beschrieben – zu Schwierigkeiten kommt, raten die Gesundheitsbehörden zu diesen Schritten:

  • Telefonische Beratung beim Hausarzt oder einer Fieber-Ambulanz
  • Der Arzt kontaktiert ggf. das Gesundheitsamt und veranlasst einen Corona-Test
  • Die Ergebnisse abwarten und so lange zu Hause bleiben und die Kontakte auf ein Minimum reduzieren
  • Bleiben Sie beharrlich, verweisen Sie darauf, dass das der vom Robert Koch-Institut beschriebene korrekte Weg ist
  • Ein Tipp, wenn der beschriebene Weg nicht gut funktioniert: Auch der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117 berät - rund um die Uhr, auch am Wochenende -  und kann einen Test vermitteln

weitere Informationen dazu hier

Was tun bei Kontakt mit einer/einem Infizierten?

  • Hat der Kontakt in den vergangenen 14 Tagen stattgefunden, sollte der Hausarzt oder eine Fieberambulanz konsultiert werden.
  • Dieser entscheidet, ob ein Test notwendig ist.
  • Bis dahin zu Hause bleiben und die Kontakte auf ein Minimum reduzieren

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Was tun wenn ich einen Test für eine Reise benötige (ohne Symptome)?

  • Laut Verordnung des Gesundheitsministeriums vom 15. September 2020 gilt, dass auch Personen, die einen Test für eine Reise oder für eine Veranstaltung benötigen grundsätzlich das Recht haben, einen machen zu lassen

weitere Informationen dazu hier

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