Unsichere Produkte

CE-Kennzeichen – gefälscht, gefaked, gefährlich

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Stefanie Waldschmidt
Sola Hülsewig

Qualität und Sicherheit – dafür soll das CE-Kennzeichen stehen. Wie kann es sein, dass trotzdem teilweise minderwertige und sogar gefährliche Produkte das Siegel tragen?

In der EU gibt es für elektronische Geräte, Spielzeug und viele andere Produkte Vorschriften, an die sich die Hersteller halten müssen. Mit dem CE-Zeichen bescheinigen die Produzenten, dass eine Ware alle EU-Anforderungen an Sicherheit, Gesundheits- und Umweltschutz erfüllt, egal, wo sie weltweit produziert wurde. Nur mit dem CE-Kennzeichen dürfen die Produkte in der EU verkauft werden. Die Abkürzung CE steht dabei für „conformité européenne“.

Gefährliche Produkte mit CE-Kennzeichen

Immer wieder tauchen jedoch Produkte mit CE-Kennzeichen auf, die unsicher bis hin zu lebensgefährlich sind. Hier ein paar Beispiele:

Trotz CE-Kennzeichen: Weichmacher und Blei

Ein Rasentrimmer, dessen Klingen sich beim Mähen lösen und durch die Luft fliegen können, ein Kinderstuhl, in dem das Kind nicht ausreichend gesichert ist und leicht herausfallen kann oder eine Puppe aus China, die einen Weichmacher enthält, der im Verdacht steht, das Erbgut zu schädigen. Die Metallteile der Puppe bestehen außerdem zu über 50 Prozent aus Blei. Wie kommen solche Waren zum CE-Kennzeichen?

Hersteller geben sich das CE-Kennzeichen selbst

Das große Problem: Der Hersteller bescheinigt mit dem CE-Kennzeichen selbst, dass sein Produkt den Vorschriften entspricht.

Verschiedene Behörden in den EU-Staaten machen lediglich stichprobenartige Kontrollen dieser Angaben. Was sie dabei beanstanden landet auch auf der europäischen RAPEX-Liste.

RAPEX-Liste für gefährliche Produkte

RAPEX ist das Schnellwarn-System des Europäischen Wirtschaftsraums; hier können Behörden in Echtzeit Informationen über gefährliche Produkte austauschen, mit denen Verbraucher im alltäglichen Leben in Kontakt kommen können – etwa Autos, Elektrogeräte, Kosmetik oder Spielzeug.

Auch die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) veröffentlicht gemäß Marktüberwachungsgesetz (MüG) in ihrer Datenbank "Gefährliche Produkte" ihr bekannt gewordene Produktrückrufe, Produktwarnungen, Untersagungsverfügungen und sonstige Informationen zu gefährlichen Einzelprodukten.

Außerdem muss jedes Produkt, welches mit CE-Kennzeichen in der EU verkauft wird, eine europäische Händleradresse aufweisen, an die sich Kunden im Fall einer Reklamation wenden können.

Gefälschte Adressen in Europa

Christian Müller von der Gewerbeaufsicht SGD Süd berichtet, dass Händler aus dem Ausland teilweise Adressen in Europa angeben, die gar nicht existieren. „Oder es stecken Personen in Europa dahinter, die für kleines Geld als Nebenjob ihre Adresse zur Verfügung stellen.“

Ein Teil des Problems ist für Müller das Internet: „Hier werden täglich so viele Produkte angeboten, dass eine Übersicht unmöglich ist.“ Finden die Behördenmitarbeiter ein mangelhaftes Produkt, lassen sie es vom Markt nehmen. Aber: „Kurz danach kommen ähnliche Produkte mit denselben Fehlern, bei anderen Händlern“, sagt Müller.

Keine ausreichende Kontrolle beim Zoll?

Sylvia Maurer vom europäischen Verbraucherverband BEUC kritisiert, dass nicht genug Kontrollen stattfinden bei Waren, die aus dem Ausland in die EU kommen. „Oft werden Waren übers Internet bestellt, die sind einzeln verpackt und damit für den Zoll wahnsinnig schwer zu kontrollieren.“ Die Behörden hätten schlicht nicht genug Personal für diese Aufgabe.

Das Bundeswirtschaftsministerium ist unter anderem für Fragen der Marktüberwachung zuständig. Auf SWR-Anfrage antwortet das Ministerium ausweichend:

„Stellen sie ein von einem Produkt ausgehendes ernstes Risiko fest, können die Marktüberwachungsbehörden im Rahmen des Gesetzes Plattformen anweisen, den Zugang zu einschlägigen Internetseiten einzuschränken.“

In Punkto Personalknappheit seien die Bundesländer zuständig, so das Ministerium.

Keine Haftung durch Online-Marktplätze

„Das größte Problem ist im Moment, dass die Online-Marktplätze nicht haftbar gemacht werden können, für das, was sie verkaufen“, bemängelt Verbraucherschützerin Sylvia Maurer. Es fehlten entsprechende Gesetze. „Es gibt im Moment einen Akt qua digitale Dienstleistung und auch die Überarbeitung der allgemeinen Produktsicherheitsrichtlinien in Brüssel. Hier muss klipp und klar reingeschrieben werden, dass Online-Marktplätze zur Wirtschaftskette dazu gehören und dass sie auch zur Haftung gezogen werden können, wenn die Produkte von Dritten auf den Plattformen einfach gefährlich sind.“

Gefälschte CE-Kennzeichen: Bei einem ist der Abstand der Buchstaben zu gering, beim anderen der Strich beim E zu lang (Foto: SWR)
Gefälschte CE-Kennzeichen: Wer genau hinschaut, erkennt die Fehler.

Wie kann ich gefährliche Produkte vermeiden?

  • Siegel, Labels und Prüfzeichen werden immer wieder auch gefälscht. Beim CE-Kennzeichen tauchen beispielsweise immer wieder Versionen auf, wo der Abstand der beiden Buchstaben zu gering ist oder der Strich im E zu lang. Das betrifft hauptsächlich billige Produkte aus dem EU-Ausland, die so in den EU-Markt mit seinen strengeren Regeln eingeschleust werden sollen.
  • Generell gilt deshalb: Möglichst nicht außerhalb der EU einkaufen. Innerhalb der EU sind haftbare Vertragspartner vorgeschrieben. Sitzt der Händler im außerhalb der EU, ist es kaum möglich, rechtliche Ansprüche geltend zu machen.
  • Bei Käufen im Internet: Stellen Sie sicher, dass der Online-Shop seriös ist. Gütesiegel, die der Shop auf seiner Website auflistet, sollten anklickbar sein – man sollte dann auf die Seite des Siegelbetreibers gelangen, wo sich wiederum das Prüfzertifikat mit Bezug auf den Shop befinden muss. Sind die Siegel nicht anklickbar, deutet das auf Betrug hin. Lesen Sie hier, wie Sie Fake-Shops erkennen können.
  • Aussagekräftiger als das CE-Kennzeichen sind beispielsweise GS-Zeichen, Tüv-Siegel und VDE-Zeichen. Hier werden die Produkte von einer unabhängigen Stelle geprüft.
  • Generell gibt es für diverse Produktbereiche eine schwer zu überschauende Menge an Siegeln und Labels. Die Seite Siegelklarheit.de verschafft einen Überblick, ebenso die Seite Label-online.de.  Die Verbraucherzentrale hat ein Dossier zum Thema Siegel, Labels und Prüfzeichen zusammengestellt.
  • Lesen Sie hier, wie Sie sicheres und schadstofffreies Spielzeug finden. Auch die Seite Kindersicherheit.de liefert Tipps, wie man sichere Produkte für Kinder findet.

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