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Wo kann man Reisemobile mieten? Wer darf welches Fahrzeug fahren? Wie findet man einen geeigneten Standort? Und worauf sollte man beim Packen und auf der Fahrt achten?

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
20:15 Uhr
Sender
SWR Fernsehen

Inhaltsverzeichnis:

Muss man unbedingt beim Händler mieten oder gibt es auch gute Alternativen?

Man kann sich sein Reisemobil auch von privat mieten, allerdings gibt es beim Händler oder einer Vermietstation in der Regel neuere und moderne Fahrzeuge. Und: Sollte es zu Problemen kommen, erhält man dort in der Regle auch Hilfe.
Wichtig: Wer von privat mietet, muss drauf achten, dass das Fahrzeug eine sogenannte Selbstfahrervermietzulassung hat, ansonsten ist es im Falle einer Vermietung nicht versichert.

Kann ich theoretisch alles fahren, was mir gefällt?

Das geht nur dann, wenn man auch den passenden Führerschein hat.

Drei verschiedene Führerscheingenerationen: grau, rosa und im Scheckkartenformat (Symbolbild) (Foto: dpa Bildfunk, Foto: Oliver Berg/dpa (Symbolbild))
Welches Reisemobil man fahren darf, hängt auch vom Ausstellungsdatum des Führerscheins ab Foto: Oliver Berg/dpa (Symbolbild)

Wer vor 1999 seinen Führerschein der Klasse 3 erhalten hat, kann richtig große Modelle fahren: Erlaubt sind Fahrzeuge bis 7,5 Tonnen und Wohnmobil-Anhänger-Gespanne mit einem Zuggesamtgewicht von bis zu 18,5 t. Aber Achtung: Die komplette sogenannte Besitzstandwahrung der alte Klasse 3 gilt nur bis zum 50. Lebensjahr. Seit 19.01.2013 dürfen danach nur Kraftfahrzeuge bis 3.500 kg zzgl. einem Anhänger bis 3.500 kg gefahren werden. Wer auch nach dem 50. Geburtstag noch größere Mobile lenken möchte, muss seinen alten Führerschein gegen einen neuen Scheckkarten-Führerschein umtauschen und sich die eingeschränkte Klasse CE 79 eintragen lassen - aber nur mit einer aktuellen gesundheitlichen Untersuchung und einem aktuellen augenärztlichen Gutachten. Nach fünf Jahren ist eine erneute Beantragung der Fahrerlaubnis unter Vorlage einer erneuten Gesundheitsprüfung und einem erneuten augenärztlichen Gutachten notwendig.

Wer ab 1999 seinen Führerschein erhalten hat, wurde in die Klassen B und C eingeteilt. Die jeweiligen Stufen legen bestimmte Fahrzeuggruppen fest, die man nur führen darf.

  • Führerscheinklasse B: Die Klasse B ermöglicht das Führen von Kraftfahrzeugen (z.B. PKWs oder Wohnmobile) mit einer Gesamtmasse von bis zu 3.500 kg. Außerdem ist es erlaubt, Wohnwagen zu ziehen, sofern das Gesamtgewicht des Gespanns (PKW + Wohnwagen) 3.500 kg nicht übersteigt und der Anhänger nicht mehr als 750 kg. Mit der richtigen Kombination aus Wohnwagen und Zugfahrzeug lassen sich also viele leichte Wohnwagen ziehen.
  • Führerscheinklasse BE: Mit der Zusatzklasse BE lassen sich Gespanne führen, deren Anhängern eine zulässiger Gesamtmasse von mehr als 750 kg haben und nicht schwerer als 3.500 kg sind.
  • Seit 2013 gibt es die Klasse B96. Sie lässt sich durch eine meist eintägige Schulung erwerben und erlaubt das Fahren von Gespannen mit bis zu 4.250 kg Gesamtgewicht.
  • Zum Führen großer Wohnmobile ist mindestens der LKW-Führerschein der Klasse C1 erforderlich. Dafür müssen zusätzliche theoretische und praktische Prüfungen bestanden werden. Damit ist es dann möglich, Fahrzeuge mit einem zulässigen Gesamtgewicht von bis zu 7.500 kg zu fahren.
  • Führerscheinklasse C: Zum Fahren ganz großer Wohnmobile mit einem Gesamtgewicht über 7.500 kg benötigt man die Klasse C. Auch hier sind weitere Prüfungen sind nötig.

Gibt es ein Mindestalter zum Fahren eines Wohnmobiles?

Viele Vermieter legen ein Mindestalter fest: Oft werden Wohnmobile nur an Fahrer vermietet, die älter als 21 Jahre alt sind und die Fahrerlaubnis seit mindestens einem Jahr besitzen. Das Gewicht wird dabei gerne auf 3,5 Tonnen begrenzt. Bei Reisemobilen mit einem Gewicht zwischen 3,5 und 7,5 Tonnen, muss der Mieter oft mindestens 25 Jahre alt sein und mindestens drei Jahre Fahrerfahrung mit der jeweils dafür notwendigen Führerscheinklasse haben.

Worauf muss ich bei der Größe achten? Reicht zum Beispiel bei vier Personen ein Kompaktmobil?

Es dürfen immer nur so viele mitreisen, wie es Sitzplätze mit Gurten gibt, das ist bei einem Kastenwagen nicht immer so. Daher gilt: Bei der Buchung muss man unbedingt klären, für wie viele Personen das Fahrzeug eine Zulassung hat. Und: In einem Wohnwagen darf sich während der Fahrt niemand aufhalten – das ist lebensgefährlich und daher tabu!

Worauf ist bei der Beladung zu achten?

Schweres sollte immer auf die Achsen und beim Wohnwagen in die Nähe der Deichsel geladen werden. Wichtig ist, dass man das beladene Fahrzeug auch mal auf die Waage stellt, denn gerade in der Schweiz und Österreich werden solche Fahrzeuge kontrolliert und wer dann überladen hat, muss mit einer Strafe bis zu 3.000 Euro rechnen. Kieswerke oder Genossenschaften haben dafür geeignete Waagen und bieten das Wiegen oft gratis an. Und es wird einem dort sogar ein Wiegesschein ausgehändigt.

Gute Plätze gibt es viele, aber wie finde ich sie?

Es gibt Campingführer der Automobilclubs, die solche Plätze in ganz Europa regelmäßig checken. Das ist eine ganz wichtige Hilfe. Es lohnt sich aber auch in Camping Foren im Internet schauen, dort geben Camper ihre Tipps und Empfehlungen. So erfährt man zum Beispiel, ob der Platz gerade eine Baustelle ist. Ein Umstand, der in den Campingführern vielleicht noch nicht aufgeführt ist.

Wie lange muss ich im Voraus buchen?

Zu den Hochsaisonzeiten sind gute Campingplätze teilweise ein Jahr im Voraus bereits ausgebucht.

Tipp: Ein Anruf bei dem gewünschten und laut Buchungssystem belegten Platz kann sich aber lohnen: Fragen Sie gezielt nach Buchungslücken, denn es kommt immer mal wieder vor, dass jemand abgesagt hat und das im Buchungssystem nicht vermerkt ist. Ein schöner Nebeneffekt: So lässt sich auch mal ein beliebter Platz zum Sonderpreis ergattern.

Lohnt sich die Übernachtung auf Stellplätzen für Reisemobile?

Dort gibt es zwar keine Spielplätze, Wasserrutschen oder Eisdielen, aber man wohnt dort oft in netter Umgebung und zentrumsnah. Manchmal kann man mit dem Tagesticket für den Stellplatz auch Busse oder Straßenbahnen nutzen. Solche Stellplätze sind geeignet für Menschen, die zum Beispiel Städtereisen machen oder Globetrotter, die ständig auf Achse sind.

Campingplatzschild: Zelt, Wohnwagen, Reisemobil (Foto: dpa Bildfunk, Foto: Felix Kästle/dpa)
Es lohnt sich, sich im Vorfeld genau zu informieren wo man in seinem Reiseland eine Reisemobil abstellen darf. Foto: Felix Kästle/dpa

Darf man wild campen?

Für die meisten europäischen Reiseziele gilt: Nein!

  • In Deutschland darf man mit einem Reisemobil maximal eine Nacht stehen, sofern man sich nicht häuslich einrichtet, also Tische und Stühle aufbaut und die Markise rausfährt.
  • Spanien ist sehr streng: Dort wird sogar mit Hubschraubern überwacht und wer einfach irgendwo übernachtet, egal ob mit Zelt oder Wohnmobil, wird zur Kasse gebeten.
  • Anders sieht es in Skandinavien aus, denn dort gilt vielerorts das ungeschriebene sogenannte Jedermannsrecht: Dem Einzelnen ist es beispielsweise in Schweden erlaubt, in der freien Natur ohne Einwilligung des Grundbesitzers eine Nacht zu zelten. Das gilt aber nicht für Wohnwagen und Wohnmobile: Man darf zwar auf Rastplätzen und mancherorts auch am Straßenrand bis zum nächsten Werktag parken, aber das Fahren und Parken jenseits von Straßen und Wegen ist generell verboten.

Es lohnt sich daher, sich im Vorfeld genau über die Bestimmungen seines Reiselandes zu informieren.

Wie schützt man sich vor Überfällen?

Gerade in der Hoch-Reisezeit kommt es vermehrt zu nächtlichen Überfällen auf Camper. Mitunter betäubten die Täter ihre schlafenden Opfer durch das Versprühen von Gas.
Und auch mit Übergriffen auf Autobahnen und Raststätten sollte man rechnen.

Um sich vor Überfällen zu schützen, empfiehlt der ADAC Campern folgende Vorsichtsmaßnahmen:

  • Möglichst auf großen, belebten Parkplätzen übernachten.
  • Fahrzeuge nicht neben unübersichtlichem Gebüsch abstellen.
  • Bei Wohnmobilen Zündschlüssel in Reichweite legen.
  • Das Fahrzeug so parken, dass man im Notfall ohne Rangieren sofort abfahren kann. Keine Parkstützen verwenden.
  • Türen und Fenster geschlossen halten. Der zwingend vorgeschriebene Sicherheitslüftungsschlitz an der Dachluke bietet ausreichend Luftversorgung.
  • Wenn vorhanden: Diebstahlswarnanlagen und spezielle Türsicherungen einschalten aktivieren. Gegen Gasüberfälle mit Narkosegas werden im Campingfachhandel Warngeräte angeboten.
  • Die Fahrerhaustüren von Wohnmobilen lassen sich von innen zusätzlich mit einem Spanngurt oder einer Kette sichern, die durch Haltegriffe, Armlehnen etc. gezogen werden.
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