Beerdigung

Was Hinterbliebene beachten sollten

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Marktcheck fragt Möller: Welche Möglichkeiten der Bestattung gibt es? Welche Verträge muss ich kündigen? Was passiert mit dem Sarg, wenn keine Gebühren bezahlt werden?

Verträge enden nicht mit dem Tod

Wenn ein Mensch stirbt, hinterlässt er in der Regel neben trauernden Angehörigen eine Vielzahl bestehender Verträge. Abos, Telefonverträge, Versicherungen - nicht alles endet automatisch mit dem Tod.

Ein Mann trägt einen Sarg. (Foto: Getty Images, Thinkstock -)
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Bahncard & Co: Nur wenige Verkehrsunternehmen regeln den Sterbefall eines Kunden in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen. Die Bahn beispielsweise löst derartige Fälle nur auf Kulanz. Regionale Anbieter wie der Verkehrsverbund Rhein-Neckar (VRN) oder der Verkehrsverbund Stuttgart (VVS) geben an, nach Vorlage einer Sterbeurkunde die Kosten für ein Langzeit-Ticket ab dem Todesdatum zurückzuerstatten. Bei Reisebuchungen tritt der Erbe als Nachfolger in den Reisevertrag ein. Will er die Reise nicht selbst antreten, fallen ohne Rücktrittsversicherung hohe Stornogebühren an.

Telefon und Handy: Bei solchen Verträgen wie beispielsweise auch alle Zeitungs- oder Zeitschriftenabos gibt es ein Sonderkündigungsrecht im Todesfall. Solche Verträge können sofort gestoppt werden, wenn eine Sterbeurkunde vorliegt. Tipp: Eventuelle Einzugsermächtigungen umgehend widerrufen, damit man im Streitfall nicht dem Geld hinterherlaufen muss.

Versicherungen: Unterschieden wird zwischen Personen- und Sachversicherungen. Kranken- und Unfallversicherungen sowie die Privathaftpflichtversicherung enden in der Regel mit dem Tod. Versicherungen, die mit einer Sache verknüpft sind - wie Hausrat- oder Kfz-Haftpflichtversicherungen - laufen zunächst weiter. Die Hausratversicherung erlischt nach zwei Monaten, wenn die Wohnung nicht vom Erben übernommen wird. Die Kfz-Versicherung ist mit dem Kfz verbunden und geht auf den Erben über.

Wohnung oder Haus: Stirbt ein Immobilieneigentümer, gehen Rechte (zum Beispiel Mieteinnahmen) und Pflichten (z. B. Hausgeld, öffentliche Abgaben oder Gebäudeversicherung) auf die Erben über. Bei gemieteten Immobilien kommt es darauf an, wer im Mietvertrag steht: Eventuelle Mitmieter können den Vertrag übernehmen, haben aber auch ein Sonderkündigungsrecht. Auch im Haushalt lebende Angehörige können als Mieter mit den bis dahin geltenden Konditionen eintreten. Sobald sie vom Tod des Mieters wissen, haben sie einen Monat Zeit, das zu erklären. Dem Vermieter steht in diesem Fall allerdings eventuell ein Sonderkündigungsrecht unter Wahrung der gesetzlichen Fristen zu. Will kein Mitmieter oder Angehöriger den Mietvertrag übernehmen, geht das Mietverhältnis auf die Erben über. Beide Parteien haben dann ein Sonderkündigungsrecht. Die Kündigungsfristen (für Mieter drei, für Vermieter je nach Dauer des Mietverhältnisses bis zu neun Monate) ändern sich jedoch nicht.

Digitaler Nachlass: Ein relativ neues Thema; was passiert mit den Social Media Accounts, Zugängen, digital gespeicherten Medien eines Verstorbenen? Nach Ansicht des Berliner Landgerichts treten Erben die Gesamtrechtsnachfolge des Verstorbenen an - sie haben also auch das Recht auf den digitalen Nachlass. Die Unternehmen müssen die Zugangsdaten auf entsprechenden Nachweis herausgeben. Tipp: Notieren Sie im Testament oder in einer Vorsorgevollmacht die Zugänge, damit Ihre Erben sie nicht aufwändig anfordern und im Ernstfall sogar einklagen müssen. Sie können darin übrigens auch bestimmen, wer ihren digitalen Nachlass erben soll.

Die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz hat für den digitalen Nachlass eine praktische Checkliste zum Download erstellt. Und wir haben eine Liste für Sie vorbereitet, in die Sie Ihre digitalen Dienstleister eintragen können - damit Ihre Angehörigen wissen, woran sie im Fall der Fälle denken müssen.

Welche Leistungen sind mir wichtig?

Man sollte sich rechtzeitig überlegen, was einem bei der Bestattung wichtig ist und welche Aufgaben der Bestatter erbringen soll. In der Regel setzen sich die Kosten für eine Bestattung aus drei Kostenblöcken zusammen. Diese sollten auf dem Angebot des Bestatters auftauchen:

  • Eigene Waren und Dienstleistungen,
  • Fremdleistungen wie Anzeigen oder Blumen,
  • Friedhofs- und andere Gebühren.

Die Eigenleistungen der Bestatter beinhalten meist: Überführung, Sarg, Sargausstattung, Deckengarnitur, Totenbekleidung, Ankleiden und Einbetten, sowie Aufbahren, Organisation der Trauerfeier, Dekoration der Trauerhalle, Urne und die Erledigung notwendiger Formalitäten.  Kosten für die Grabstätte sowie die örtlichen Friedhofsgebühren kommen dann noch dazu. Diese Gebühren sind von Ort zu Ort unterschiedlich.

Zur Orientierung und zum Abgleich der Kosten kann der Kostenrechner von Aeternitas genutzt werden. Hier kann man die grobe Preisspanne für einzelne Leistungen sehen, sowie einen Gesamtbetrag berechnen lassen.

Zu Lebzeiten vorsorgen

Wenn man seinen Angehörigen diese Bürde abnehmen will, kann man zu Lebzeiten Checklisten ausfüllen, wie sie zum Beispiel von der Verbraucherzentrale angeboten werden. Hier kann eingetragen werden, wo sich persönliche Unterlagen befinden, aber auch wichtige Infos zu Versicherungen und Verträgen. Und natürlich kann man hier benennen, welche Bestattungswünsche man hat.

Zusätzlich oder alternativ kann zu Lebzeiten auch ein Bestattungsvertrag abgeschlossen werden. In dem Bestattungsvorsorgevertrag können Einzelheiten zu Ablauf und Umfang sowie persönliche Wünsche für das eigene Begräbnis festgehalten werden. So kann man dafür sorgen, dass die Angehörigen den Leistungsumfang der Bestattungsform erfahren und befolgen können. Die Kosten für die einzelnen Leistungen des Bestatters werden in dem Bestattungsvorsorgevertrag genau festgelegt. Achtung: Die Leistungen werden erst zu einem unbestimmten Zeitpunkt erbracht, daher muss man nicht im Voraus bezahlen. Um sicher zu gehen, sollte man dies auch nicht tun, da das Geld verloren ist, wenn der Bestatter Bankrott geht. Stattdessen kann man den Gesamtbetrag auf ein Sparbuch mir Sperrvermerk einzahlen oder auf einem Treuhandkonto hinterlegen.

Verbindlichen Kostenvoranschlag einholen

Man sollte sich so früh wie möglich von mehreren Bestattungsinstituten beraten lassen, Angebote einholen und die Preise in Ruhe vergleichen. Dies mag pietätlos erscheinen, ist es aber nicht. Denn gerade Trauer und Erschöpfung können die Urteilskraft stark beeinflussen. Deshalb sollte man die Angebote aufmerksam prüfen.

Beim Einholen der Angebote sollte man darauf achten, sich einen schriftlichen und verbindlichen Kostenvorschlag von den Bestattern geben zu lassen. Dabei sollte man auf eine detaillierte Auflistung von den Eigenleistungen des Bestatters, den Fremdleistungen, sowie behördliche Kosten und Gebühren beharren und diese im Anschluss überprüfen. Der Gesamtpreis darf später maximal 10 bis 15 Prozent teurer sein. Nur so kann man vermeiden, dass man im Nachhinein nicht deutlich mehr zahlen muss.

Filmautorinnen: Angelika Scheffler-Ronen, Janika Müller | Online: Dorothée Panse
© SWR Marktcheck

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