Ein Bein mit durch Borreliose verursachter Wanderröte (Foto: Getty Images, iStockphoto)

So können Sie Infektionen durch Zecken erkennen

Typische Anzeichen von Borreliose oder FSME

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Hat eine Zecke schon zugestochen, bevor man sie entdeckt, ist Aufmerksamkeit gefordert: Lernen Sie die typischen Symptome von Borreliose und Frühsommer-Meningoenzephalitis kennen.

Inhalt

  1. Anzeichen für eine Lyme-Borreliose
  2. Anzeichen für eine Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME)
  3. Zeckenimpfung


In der Regel spürt man den Stich einer Zecke erst mal nicht, denn die Blutsauger sondern gleich zu Beginn aus ihren Speicheldrüsen eine Art Betäubungsmittel ab. Wichtig ist es daher, immer den Körper auf Zecken abzusuchen. Insbesondere wenn man eine Zecke erst später entdeckt, gilt es, auf Krankheitssymptome einer möglichen Infektion zu achten.

Ungefähr 30 bis 35 Prozent aller Zecken tragen Borrelien in sich, diese können zu einer Borreliose führen, die auch als Lyme-Borreliose bekannt ist. Daneben tragen bis zu fünf Prozent aller Zecken die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). Aber: Nicht jeder, der von einer infizierten Zecke gestochen wird, erkrankt auch.

1. Typische Anzeichen für eine Borreliose oder Lyme-Borreliose

Jede dritte Zecke ist mit dem Borreliose-Erreger, einer Bakterienart, infiziert. Die daraus resultierende Infektion wird als Borreliose, Lyme-Borreliose oder Lyme-Krankheit bezeichnet. "Lyme" ist der Name eines US-Ortes, wo Mitte der 1970er Jahren die Gelenkentzündungen nach Zeckenstichen erstmals beschrieben wurde.

Die Borreliose-Bakterien sitzen im Darm der Zecke und wandern erst durch circa sechsstündiges Saugen der Zecke in die Stichwunde. Deshalb gilt bei einer Lyme-Borreliose: Schnelles Entfernen schützt besonders gut bei infizierten Zecken.

Zu beachten: Wenn man die Zecke quetscht, wird der Darminhalt der Zecke inklusive möglicher Borrelien in die Blutbahn gedrückt. Deshalb sollten Zecken unbedingt fachgerecht entfernt werden und die Behandlung ordnungsgemäß vonstattengehen. 

Die Borreliose-Diagnose ist oft schwierig, denn gerade die Anfangsbeschwerden ähneln oft denen einer Grippe. Und: Die Symptome einer Borreliose-Infektion nach einem Zeckenstich sind nicht immer gleich.

Eine kleine Hautrötung an der Stichstelle ist beispielsweise oft ein Anzeichen für eine Borreliose. Doch nicht immer kommt es zu dieser sogenannten Wanderröte (Erythema migrans) und einige der Borreliose-Symptome treten erst Monate oder Jahre nach der Infektion auf.

Wanderröte: Haben es die Borrelien in die Wunde des Opfers geschafft, reagiert unser Immunsystem in der Regel mit einer Entzündungsreaktion. Auf der Haut ist dann um die Einstichstelle eine Rötung zu sehen. Da sich die Borrelien in der Haut kreisförmig ausbreiten, wandert auch die Entzündung mit. Meist sieht man einen roten Fleck, der immer größer wird und dabei in der Mitte schon wieder verblasst – die sogenannte Wanderröte (Erythema migrans). Diese Wanderröte tritt häufig auf, aber die Rötung gibt es in unterschiedlichen Ausprägungen und sie ist leicht zu übersehen. Das muss nicht schlimm sein, denn oft werden die Borrelien von der körpereigenen Abwehr entdeckt und vernichtet. Eine weitere Behandlung ist dann nicht notwendig. Die Lyme-Borreliose heilt dann von selbst und unbemerkt aus.

Die Borrelien können zudem auch unspezifische Symptome wie beispielsweise Fieber oder Müdigkeit hervorrufen. Schnelles Entdecken der Borrelien-Infektion ist wichtig, da die Infektion zu Spätschäden am Gehirn und an den Nerven führen kann. Wird die Erkrankung aber rechtzeitig erkannt, ist eine Behandlung mit Antibiotika möglich.

Eine vollgesaugte Zecke steckt in der Haut. Zecken sondern ihren Speichel in unseren Körper ab und können dabei gefährliche Krankheiten übertragen, etwa Borreliose und FSME. Bei Borreliose zeigt sich eine Wanderröte. (Foto: Colourbox)
Zecken können einige gefährliche Krankheiten übertragen, dazu gehören Borreliose und FSME.

Herz und Nervensystem: Im zweiten Stadium, das wenige Monate nach dem Zeckenstich eintritt, verstärken sich die grippeähnlichen Symptome. Außerdem greifen die Borrelien das Nervensystem an. Es kommt beispielsweise zu einer Hirnhautentzündung oder Lähmungserscheinungen. Auch das Herz kann betroffen sein. In diesem Fall können Herzrhythmusstörungen auftreten.

Gelenke: Phase drei ist das schwerste Stadium der Borreliose-Infektion. Typisch dafür sind Entzündungen einzelner oder mehrerer Gelenke, häufig ist das Knie betroffen. Diese Symptome treten allerdings erst Monate oder sogar Jahre nach dem Stich auf.

Wichtig: Die Symptome einer Borreliose-Infektion nach einem Zeckenstich sind nicht immer gleich. Nicht immer kommt es zur Wanderröte (Erythema migrans) und einige der Borreliose-Symptome treten erst Monate oder Jahre später auf. Die schnelle Entdeckung der Borrelien-Infektion ist jedoch wichtig.

Arztbesuch und Bluttest: Darauf sollten Sie achten!

Wer nicht sicher ist, ob er sich infiziert hat, sollte nach einem Zeckenstich zum Arzt gehen. Der sollte anhand der Symptome herausfinden, ob es eine Borreliose sein kann oder nicht.

Die richtige Diagnose ist jedoch nicht immer leicht. Die oft angebotenen Bluttests (IgG-Antikörper-Tests) fallen in den ersten vier bis sechs Wochen häufig negativ aus, da die Immunantwort sich langsam aufbaut und sich die Antikörper so am Anfang nicht immer nachweisen lassen. Es ist daher nicht auszuschließen, dass ein Arzt eine Infektion übersieht. Beobachten Sie Ihren Körper daher genau und veranlassen Sie gegebenenfalls zu einem späteren Zeitpunkt einen erneuten Test.

Gut zu wissen: Gegen Borreliose gibt es wirksame Antibiotika. Wenn eine Borreliose erkannt wird, kann sie gut therapiert werden. Wenn man schnell handelt, bleiben die Folgen daher oft begrenzt.

Eine Zecke sitzt auf einer Blume. In hohem Gras besteht besonders große Zeckengefahr. (Foto: Erik Karits via Unsplash)
Bei Spaziergängen durch hohes Gras besteht eine besonders große Zeckengefahr. Erik Karits via Unsplash

2. Typische Anzeichen für eine Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME)

Bei der Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) ähneln die Anfangsbeschwerden oft ebenso denen einer Grippe. Bei einer FSME-Infektion werden Viren direkt beim Stich übertragen, da sie im Speichel der Zecke sitzen. Aber nur etwa 30 Prozent der mit FSME-Infizierten bemerken überhaupt Symptome.

„Das tückische an der FSME ist, dass es da einen großen Teil schwere Verläufe gibt, mit Entzündungen des Rückenmarkes, des Gehirns. Hier kann es zu Lähmungen, zu Atemstörungen, zu Bewusstseinsstörung bis hin zum Tod und zu dauerhaften schweren Behinderungen kommen. Wenn man sich einmal infiziert hat, gibt es keine Therapie, keine ursächliche Therapie, die den Erreger im Körper vernichten kann.“

Grippeähnliche Symptome: Die ersten Anzeichen einer FSME-Infektion zeigen sich im Durchschnitt sieben Tage bis drei Wochen nach dem Zeckenstich und halten etwa eine Woche an. Der Betroffene verspürt dabei grippeähnliche Beschwerden wie Fieber, Kopfschmerzen, Übelkeit, Bauchschmerz. Diese erste Phase der FSME dauert etwa zwei bis vier Tage an. Bei über 90 Prozent der Erkrankungen ist damit auch schon alles überstanden.

Zentrales Nervensystem: Bei jedem zehnten Infizierten kommt es jedoch zu einer zweiten Erkrankungsphase und zwar nach einem zunächst beschwerdefreien Zeitraum von ein bis drei Wochen. Erst dann bemerkt der Infizierte, dass das FSME-Virus das zentrale Nervensystem befallen hat. Der Verlauf der Erkrankung hängt dann davon ab, welche Teile des Nervensystems infiziert werden. 50 Prozent der Infizierten bekommen eine reine Hirnhautentzündung. Diese äußert sich mit heftigen Kopfschmerzen, Lichtempfindlichkeit, Schwindel, Übelkeit und Nackensteife.

Hirn und Rückenmark: Bei jedem zweiten Betroffenen mit einem befallenen zentralen Nervensystem ist aber zusätzlich noch das Gehirn von FSME betroffen. Dann kommen Lähmungen und Bewusstseinsstörungen dazu. Noch schlimmer wird es, wenn zu Hirnhaut- und Hirnentzündung auch noch das Rückenmarkgewebe angegriffen wird. Das führt zu Symptomen ähnlich wie bei einer schweren Kinderlähmung.

3. Wichtige Infos zur Zeckenimpfung

Während es gegen Borreliose wirksame Antibiotika gibt, sieht es bei einer schweren FSME-Erkrankung mit der Medikation eher düster aus. Es gibt aber eine FSME-Impfung, die als gut verträglich gilt und von den Kassen bezahlt wird.

Im Südwesten empfehlen die Gesundheitsbehörden die Impfung dringend. Rheinland-Pfalz und das Saarland haben zwar nur wenige Risikogebiete, Baden-Württemberg dagegen ist flächendeckend ein Risikogebiet. Es gilt, Impfrisiken gegen den Schutz abzuwägen, wenn man in einem Risikogebiet lebt oder dort Urlaub machen will.

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