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Viele Autofahrer wissen, dass Palmöl in Biodiesel steckt. Was die meisten nicht ahnen: Auch Tier-Kadaver aus der Pelz-Produktion landen teilweise im Diesel.

Sie leben in engen, schmutzigen Käfigen, vegetieren auf Drahtböden vor sich hin, werden am Ende ihres kurzen Lebens oft qualvoll vergast: Nerze, die für die Pelzindustrie gezüchtet werden. In Deutschland sind die Auflagen für Nerzfarmen sehr streng. In Dänemark aber sind die gesetzlichen Regelungen dagegen sehr viel lockerer.

„Diese Haltung dieser Nerze aus dänischen Farmen ist in Dänemark legal, aber würde in Deutschland gegen das Tierschutzgesetz verstoßen. Denn hierzulande gelten viel strengere Gesetze für die Haltung von Nerzen. Zumindest muss den Tieren zum Beispiel ein Wasserbecken geboten werden, Käfige müssen größer sein und es muss ein bestimmtes Beschäftigungsmaterial da sein. Daher würde dies Produktion dieser Tiere gegen das deutsche Tierschutzgesetz verstoßen.“

Johanna Fuoß, Pelzexpertin der Tierschuztorganisation Peta

Auch wenn viele Verbraucher längst auf Echtpelz verzichten, um solche Tierfarmen im Ausland nicht zu unterstützen, landen die Nerze aus Dänemark doch auf anderem Wege bei uns in Deutschland. Nachdem die Tiere gehäutet werden, landen die Kadaver nämlich oft in Tierkörperbeseitigungsanlagen. Dort wird aus den Kadavern Tierfett gewonnen, das in die Biodieselproduktion verkauft wird.

Tierkadaver landen auch im Biodiesel

Da die Tierkörperbeseitigung in Deutschland deutlich günstiger ist als in Dänemark, werden die Kadaver teilweise nach Schleswig-Holstein transportiert. In einer dortigen Anlage werden die Überreste nicht vernichtet, sondern wie ein Rohstoff behandelt. Eine der Firmen, die die Kadaver weiterverarbeitet, antwortet dazu schriftlich:

„Unser Unternehmen ist nicht aktiv in der Nerzindustrie tätig, vielmehr tragen wir Sorge, dass ein Teil dieser tierischen Rohstoffe sicher (…) verarbeitet wird. (…) gegenwärtig wird ein Großteil des Tierfettes in die Biodieselindustrie verkauft und ersetzt dadurch teilweise Palmöl, welches bisher hauptsächlich zur Biodieselproduktion verwendet wird.“

Darling Ingredients

Tierschützer wie Laura Zidrow von Animal Public e.V. kritisieren die Weiterverarbeitung der Nerz-Kadaver scharf. Autofahrer in Deutschland dächten, mit Biodiesel würden sie der Umwelt etwas Gutes tun. Dem Verbraucher sei nicht bewusst, „dass er damit eine tierquälerische Industrie unterstützt“.

Inzwischen hat sich der Verband der Deutschen Biokraftstoffindustrie dazu zu Wort gemeldet und erklärt in einer Stellungnahme:  Biodiesel mit tierischen Fetten dürfe in Deutschland nicht eingesetzt werden. Dies verböten die gesetzlichen Vorgaben.

Gleichwohl wird jedoch Diesel mit beigemischtem Biodiesel aus den Niederlanden in großer Menge nach Deutschland exportiert.

Biodiesel besteht in Deutschland hauptsächlich aus Rapsöl

Nach Angaben der Fachangentur für Nachwachsende Rohstoffe wird Biodiesel in Deutschland hauptsächlich aus Rapsöl hergestellt. In Asien werde als Rohstoff vor allen Dingen Palmöl genutzt, in Amerika Soja. Aber auch andere pflanzliche oder tierische Fette werden verarbeitet – Frittierfette aus der Gastronomie, alte Speisefette genauso wie Schlachtabfälle.

In Super E10 steckt Ethanol

Benzin der Sorte Super E10 wird bis zu zehn Prozent Ethanol beigemischt. Dieses wird in Deutschland nach Angaben des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft hauptsächlich aus Zuckerrüben und Futtergetreide hergestellt.

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