Ein Mann trinkt im Sonnenschein aus einer Perlenflasche sprudelndes Mineralwasser. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Karl-Josef Hildenbrand/dpa)

Durstlöschen mit Wasser

Deshalb lohnt sich teures Bio-Mineralwasser nicht wirklich

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Einige Mineralwasser-Hersteller verpassen ihrem Wasser ein Bio-Label und legen dafür selbst Grenzwerte fest. Wir erklären die Unterschiede und warum man getrost Leitungswasser trinken kann.

Ist ein Bio-Label auf Mineralwasserflaschen nur ein Marketingtrick?

Im Prinzip schon. Denn für Bio-Wasser gibt es keine einheitlichen Vorgaben, es ist in der EU-Ökoverordnung nicht erfasst. Die EU-Öko-Verordnung gilt nur für landwirtschaftliche Produkte – aber nicht für Wasser. Die Mineralwasserhersteller haben eigene Grenzwerte für ihr Bio-Wasser festgelegt und fahren damit auch keine einheitliche Linie. Immerhin sind die Grenzwerte strengere als in der Mineralwasserverordnung.

Kann Mineralwasser "Bio" sein?

Darüber wird immer wieder gestritten. Denn die Vorschriften für Mineralwasser sehen ja schon vor, dass es aus einer natürlichen Quelle stammen muss und vor Verunreinigungen geschützt. Aber da geht noch mehr, das hat selbst der Bundesgerichtshof schon mal in einem Urteil festgehalten. Es geht mit noch strengeren Ansprüchen und Grenzwerten bei Nitrat, bei Pestiziden oder Arzneiwirkstoffen, aber auch vor allem mit strengen Kriterien in Sachen Umwelt und Nachhaltigkeit. Damit soll die natürliche Quelle auch möglichst natürlich und rein bleiben.

Die Qualitätsgemeinschaft Bio-Mineralwasser legt zum Beispiel fest: es muss rund um die Quelle Ökolandwirtschaft gefördert werden, damit es eben nicht zu Einträgen von Pestiziden oder zu viel Nitrat kommt. Es müssen Wasserschutzprojekte unterstützt werden. Der Bio-Stempel auf Mineralwasser hat also ein bisschen was mit "es ist noch reiner als rein" zu tun, er meint aber vor allem mehr Nachhaltigkeit.

Ist dann Bio-Wasser überhaupt sinnvoll?

Auf die Idee mit der Bio-Auslobung kamen die Hersteller, weil eine Handvoll Mineralwässer seit einigen Jahren menschengemachte Verunreinigungen enthalten - wie etwa Süßstoff und Spritzmittelrückstände. Aber zum Einen sind diese Stoffe nur in geringsten unproblematischen Spuren enthalten. Und zum Anderen sind die meisten Mineralwasser sowieso frei von diesen Rückständen, auch ohne extra Bio-Auslobung. Was Umwelt und Nachhaltigkeit angeht, da läuft bei den Bio-Mineralwasserproduzenten durchaus das ein oder andere besser. 

Keine staatlichen Siegel

Es gibt derzeit zwei Bio-Kennzeichen für Mineralwasser: das eine ist von der Qualitätsgemeinschaft Bio-Mineralwasser e.V., das andere von der SGS Institut Fresenius GmbH. Das sind beide keine staatlichen Siegel, wie wir es von den Lebensmitteln mit der sechseckigen Bio-Siegel-Wabe kennen.

Verbraucherschützer kritisieren, dass es für die Kundschaft ziemlich verwirrend ist. Die kann ja beim Einkauf nicht sehen, welche Kriterien hinter diesem oder dem anderen Wasser stecken. Da wären europaweit einheitliche Kriterien schon besser, in denen festgelegt wird, was genau für das Bio an Mineralwasser alles erfüllt sein muss.

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Also lieber Geld sparen und nicht aufs Bio-Label achten?

Lieber direkt Leitungswasser trinken. Damit spart man richtig Geld, weil der Liter Leitungswasser nicht einmal einen halben Cent kostet. Es ist bei uns mindestens genauso sauber wie Mineralwasser und obendrein umweltschonend, weil die Transportwege wegfallen.

Vorschau Sendung am 17. Mai 2022

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