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Kükenschreddern, Besamung vom Hochleistungsbullen oder Öko-Gemüse aus nicht-öko Saatgut: Nur weil bio draufsteht, ist nicht die ganze Lieferkette bio. Doch es gibt Lösungsansätze.

Das Problem beginnt beim Samen

Längst nicht alles Bio-Gemüse im Laden stammt von echten Bio-Samen. Das meiste ist irgendwann aus konventionellem Saatgut gewachsen. Wenn das nämlich mindestens ein Jahr auf einem Ökohof angebaut und vermehrt wurde, dann gilt es schon als Bio. Das ist aber etwas anderes als eigens gezüchtete Bio-Sorten.

Öko-Getreide, zum Beispiel, muss gegen Pilzkrankheiten resistent sein und muss sich gegen Unkraut durchsetzen. Schließlich gibt es keine Chemiekeule wie auf konventionellen Äckern. Bei Getreide hat man da schon Fortschritte gemacht und rund 30 eigene Sorten für den Öko-Anbau entwickelt. Für Öko-Gemüse gibt es auch schon erste echte Öko-Züchtungen. Aber noch lange nicht genug.

Eine Hand hält drei Karotten, an denen noch Erde ist. (Foto: unsplash.com/Markus Spiske)
Bio oder nicht? Selbt wenn die Karotte nach Bio-Standards angebaut wird, ist das Saatgut urspünglich oft aus konventioneller Zucht. unsplash.com/Markus Spiske

Eigene Sorten für echte Bio-Äpfel

Elster, Gala, Jonagold – die gängigen Apfelsorten im Supermarkt gibt es auch in Bioqualität. Doch eigentlich sind diese Sorten nicht für den Ökohof gemacht. Sie sind nicht sonderlich robust und brauchen viel Spritzmittel, weil sie anfällig für Krankheiten und Schädlinge sind.

Echte Bio-Sorten sind da besser geschützt. Der Bio-Topas beispielsweise wird nicht so schnell vom Apfelschorf befallen. Und Bio-Obstbauern setzen auch lieber auf alte Sorten, weil sie an die Region angepasst sind und keinen Durchschnittsgeschmack haben.

Zwei verdorrende Äpfel hängen an einem kahlen Baum. (Foto: unsplash.com/Mari Potter)
unsplash.com/Mari Potter

Der Förderverein „apfel:gut“ hat inzwischen neun Zuchtgärten für die ökologische Obstzüchtung. Aber wer eigene Bio-Apfelsorten züchten will, der braucht viel Zeit und Geduld. Bis eine erste Kreuzung in den Handel kommt, vergehen 20 Jahre.

Kükentöten mit Biosiegel

Weil Küken-Männchen später nicht als eierlegende Henne infrage kommen, werden sie oft getötet. Das gibt es auch mit Biosiegel. Denn die Legehennenzucht in Deutschland wird von wenigen großen Konzernen beherrscht und von denen sind auch Biobauern weitgehend abhängig. Von ihnen bekommen sie die Rassen, die darauf getrimmt sind, möglichst viele stabile Eier zu legen.

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Die ökologische Tierzucht ÖTZ hat vor fünf Jahren damit begonnen, eigene Hühnerrassen zu züchten – speziell für Biobetriebe. Dieses Öko-Huhn von morgen legt Eier und setzt Fleisch an. Es ist ein also Zweinutzungshuhn, muss keine Höchstleistung bringen und es müssen auch keine Küken getötet werden. Aber so eine Zucht dauert sehr lange und kostet viel Geld.

Wie viel Bio ist die Kuh selbst?

Kühe auf Biobauernhöfen stehen viel auf der Weide, bekommen anderes Futter als ihre konventionellen Artgenossen und sollen lange leben. Und auch steht für die Höfe nicht im Mittelpunkt, dass die Tiere daraufhin optimiert werden, möglichst viel Milch zu geben.

Die Kühe selbst sind allerdings oft die gleichen, wie auf Nicht-Bio-Höfen. Denn auch 90 Prozent der Bio-Milchkühe müssen sich künstliche Besamung gefallen lassen. Das Dilemma: Der Samen kommt von Hochleistungsbullen.

In verschiedenen Projekten wird versucht, spezielle Bio-Rinder zu züchten, die ohne Kraftfutter auskommen. Der Bioverband Demeter legt zudem Wert auf eine Zucht von Rindern mit Hörnern. Denn konventionelle Landwirte und auch viele Biobetriebe enthornen ihre Tiere, um Verletzungen in der Herde zu verhindern.

Ein weißes Rind mit verkürzten Hörnern blickt in die Kamera. (Foto: unsplash.com/Annie Spratt)
Kein Horn-Ochse: Konventionelle Landwirte und auch viele Biobetriebe enthornen ihre Tiere, um Verletzungen in der Herde zu verhindern. unsplash.com/Annie Spratt

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