Geringer Lohn und massiver Pestizideinsatz Billige Ananas auf Kosten der Plantagen-Arbeiter

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Ananas für unter zwei Euro im Supermarkt – den Preis zahlen die Arbeiter: An Dumping-Löhnen und massivem Pestizid-Einsatz geben Experten den Lebensmittelkonzernen eine Mitschuld.

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Rund 9.500 km ist die Ananas zu uns gereist, bevor sie den Handel kommt. Vor 20 Jahren waren Ananas exotische Früchte, die sich nicht jeder leisten konnte, mit Preisen bis zu umgerechnet vier Euro das Stück. Mittlerweile wird die Ananas im Supermarkt verramscht, teilweise für unter einen Euro.

Preis der Ananas spiegelt nicht die sozialen und ökologischen Kosten wider

„Der Preis ist unserer Auffassung nach viel zu niedrig. Er spiegelt nicht die sozialen und ökologischen Kosten wider, wir genießen die günstige Ananas, das geht aber zu Kosten der Arbeiter in Costa Rica.“

Franziska Humbert, Oxfam

Die Ananas werden in Anbauländern, wie beispielsweise Costa Rica, in großen Monokulturen und unter großem Pestizideinsatz angebaut. Der Pestizideinsatz verunreinigt nach Angaben von Oxfam stellenweise das Trinkwasser der Menschen, sodass das Trinkwasser per LKW geliefert werden muss.

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„Was wir wissen ist, dass es Leute gibt, die an Krebs erkranken, die Hautprobleme haben. Es gab viele Fehlgeburten, Kinder mit Sehbehinderungen und Magen-Darm-Problemen bei Kindern unter zehn Jahren. Aber wir wissen nicht wie wir das wissenschaftlich beweisen können.“

Xinia Brisceno, Präsidentin Wassergenossenschaft Milano, Costa Rica

Pestizide in Deutschland teilweise verboten

Die Pestizide, die auf den Plantagen in Costa Rica eingesetzt werden, sind in Deutschland teilweise verboten. So werden dort unter anderem Caparyl und Chlorpyrifos gegen Insekten eingesetzt. Beide wirken neurotoxisch, also nervenschädigend, und sind in Deutschland verboten.

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„Bevor die Ananas beim Verbraucher landet, sind da schon 30 Kilogramm pro Hektar Pestizide zum Einsatz gekommen und das zieht sich wirklich vom Anfang bis zum Ende durch. Gegen bestimmte Schaderreger am Boden werden Mittel eingesetzt, dann werden die Unkräuter bekämpft und der Setzling wird im Prinzip in eine Brühe gegen Insekten und pilzliche Erreger getaucht.“

Lars Neumeister, Pestizidexperte

Preisdruck auf Ananas nimmt zu

Um aber überhaupt noch Ertrag zu erwirtschaften, müssen immer mehr Pestizide und Düngemittel eingesetzt werden. Gleichzeitig nimmt aber der Kostendruck auf die Ananas zu. Dabei erhalten nach Angaben von Gewerkschaftlern vor Ort die Arbeiter nicht einmal den Mindestlohn.

Schon heute gehen nur rund zehn Prozent des Preises einer Ananas an die Arbeiter. Fast die Hälfte des Preises bleibt im deutschen Einzelhandel, der Rest geht an Im- und Exporteure und Zoll.

Eine Ananas ist in mehrere, ungleiche Scheiben geschnitten. 9,7% des Preises der Ananas sind Arbeiterlöhne, 24,8, Prozent erhält der Produzent, 4,9% erhalten die Exporteure, 14,3 % die Importeure, 3,7% gehen an den Zoll und 42,6% an den Einzelhandel. (Foto: SWR)
Wer verdient an der Ananas? Der größte Teil des Preises bleibt beim Einzelhändler.

Lidl bezieht Ananas von Finca Once aus Costa Rica

Der Discounter Lidl kauft seine Ananas bei Finca Once ein. Dort arbeiten nach Angaben von Oxfam Plantagenarbeiter aus Nicaragua, die zum Teil nicht einmal eine Aufenthaltsgenehmigung haben. Lidl wüsste auch um die Zustände vor Ort.

„Unter dem Motto „Auf dem Weg nach morgen“ engagiert sich Lidl seit Jahren dafür, die Arbeits- und Umweltbedingungen auf den unterschiedlichen Ebenen einer Lieferkette zu verbessern und effektiv zu kontrollieren.“

Lidl Deutschland

Fair-Trade-Ananas

Wer auf Nummer sicher gehen möchte, sollte auf Fair-Trade-Ananas zurückgreifen. Diese kommen allerdings meistens nicht aus Costa Rica, sondern aus Ghana. Übrigens: Zwischen April und Juni werden besonders viele Ananas nach Deutschland importiert, im August und September hingegen nur wenige. Einen Saisonkalender für Obst und Gemüse in Deutschland finden Sie beim Bundeszentrum für Ernährung.

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