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Ein Urteil des BGH schützt Menschen mit geringem Einkommen vor unangemessen hohen Kontogebühren. Banken dürfen Mehraufwand für Basiskonten nicht allein auf die Inhaber umlegen.

8,99 Euro im Monat plus Extras sind zu teuer

Für Verbraucher hat das direkte Folgen: Die Deutsche Bank darf ihr Basiskonto ab sofort nicht mehr so teuer wie jetzt anbieten. Bisher hat sie pro Monat 8,99 Euro verlangt plus jeweils 1,50 Euro für Leistungen wie zum Beispiel das Einlösen eines Schecks. Die Klage der Verbraucherzentralen dagegen hat damit Erfolg.

Eine konkrete Obergrenze für Basiskonto-Gebühren haben die Richter in ihrem Urteil aber nicht festgelegt. (Az. XI ZR 119/19).

Gebühren müssen angemessen sein

Gesetzlich vorgeschrieben ist, dass die Gebühren angemessen sein müssen. Ein Basiskonto soll gerade Menschen mit wenig Einkommen Zugang zu einem Konto ermöglichen. Dieses Ziel darf für die Richter nicht durch zu hohe Gebühren unterlaufen werden.

Die Bank dürfe den mit der Führung von Basiskonten verbundenen Mehraufwand nicht allein auf die Inhaber eines solchen Kontos umlegen.

Ein Konto für alle

Alle Menschen in Deutschland haben seit Mitte 2016 Anspruch auf ein Bankkonto. Für Menschen ohne festen Wohnsitz, Empfänger von Sozialleistungen, Geringverdiener oder Geflüchtete ist das längst nicht selbstverständlich. Banken müssen ihnen ein so genanntes Basiskonto anbieten - ohne Schufa-Auskunft und zu einem angemessenen Preis. Was angemessen ist, ist aber nicht verbindlich definiert – bemängelt der Verbraucherzentrale Bundesverband immer wieder.

Große Preisunterschiede

Die Preise von Basiskonten stehen immer wieder in der Kritik. Das Finanzportal Biallo hat in einer Untersuchung festgestellt: Es gibt gewaltige Unterschiede, allein schon bei der monatlichen Grundgebühr. Sie geht von null Euro bis etwa 15 Euro im Monat. Dazu können weitere Gebühren für Überweisungen und anderes kommen. Verbraucherportale arbeiten in ihren Vergleichen deswegen häufig mit den gesamten Kosten, die bei einer üblichen Nutzung anfallen können. Im Durchschnitt kostet ein Basiskonto laut Biallo um die 6 Euro im Monat.

Geld - beeinflusst unser Konto das Klima? (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Monika Skolimowska/zb/dpa)
Die Preisunterschiede für Basiskonten sind erheblich. picture alliance/Monika Skolimowska/zb/dpa

Einige Banken mit kostenlosen Konto-Angeboten

Die Autoren der Untersuchung, die immer wieder aktualisiert wird, listen zurzeit sechs Banken mit kostenlosen Basiskonten auf (Stand 22.05.2020). Sie verlangen keine Monatsgebühr und keine Gebühr für Überweisungen oder Girocard.

Verbraucherschützer stellen immer wieder fest: Mit Online-Konten können Verbraucher Geld sparen. Das ist schwierig für viele Menschen, wenn sie ein Basiskonto brauchen, aber womöglich ohne festen Wohnsitz keinen Internetzugang haben.

Kein Dispo und keine Kreditkarte

Banken begründen hohe Preise für Basiskonten meist damit, dass der Aufwand bei der Beratung und bei der Kontoeröffnung höher sei. Doch dem hat der BGH jetzt Grenzen gesetzt.

Kunden mit einem Basiskonto können Geld abheben und mit Karte bezahlen. Sie haben aber keinen Anspruch auf einen Dispo oder eine Kreditkarte.

Vergleichen lohnt sich

Es gibt viele Unterschiede im Detail. Was kostet das Konto pro Monat? Welche Gebühren kommen noch dazu?

Vergleiche von Basiskonten gibt es zum Beispiel vom Finanzportal Biallo und der Zeitschrift Finanztest.

Was man sonst noch über das Basiskonto wissen sollte, hat die Verbraucherzentrale in einem ausführlichen FAQ zusammengestellt.

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