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Das Portal Sparpiloten lockt mit Festgeldverträgen europäischer Banken zu guten Zinsen. Dahinter verbirgt sich jedoch eine perfide Betrugsmasche.

Im Internet locken diverse Portale Geldanleger mit vergleichsweise hohen Zinsen – gerade in der derzeitigen Niedrigzinsphase, in der es schwierig ist, sein Geld gewinnbringend anzulegen. Hier ist jedoch Vorsicht geboten: Häufig sind allzu gut klingende Angebote unseriös, manchmal stecken sogar kriminelle Betrugsmaschen dahinter. So zum Beispiel beim Portal Sparpiloten.

Website der Sparpiloten wirkt seriös

Peter M. und seine Frau Maria, ein Ehepaar aus Offenburg, haben an Finanzbetrüger von Sparpiloten ihr gesamtes Erspartes verloren: 130.000 Euro.

Website der Sparpiloten - Betrug mit Fake-Geldanlagen (Foto: SWR)
Das Portal gibt vor, mit großen Banken zu kooperieren.

Die Betrüger gehen geschickt vor, die Website wirkt seriös. Das Portal wirbt mit der Zusammenarbeit mit großen europäischen Banken und weist auf die Einlagensicherung hin: Geht eine Bank in der EU pleite, sind Anlagen bis 100.000 Euro durch eine gesetzlich vorgeschriebene Einlagensicherung geschützt. Bei Gemeinschaftskonten sind es sogar bis zu 200.000 Euro.

Website der Sparpiloten - Betrug mit Fake-Geldanlage (Foto: SWR)
Auf der Website informieren die Sparpiloten über die europäische Einlagesicherung.

2,45 Prozent Zinsen für ein Jahr Festgeldanlage

Für ein Jahr Festgeldanlage versprechen die Sparpiloten dem Ehepaar 2,45 Prozent Zinsen. Das ist mehr als derzeit üblich, aber nicht utopisch. Das Ehepaar schließt den Vertrag ab und überweist Anfang April das Geld auf ein Konto, das angeblich für sie unter ihrem Namen eröffnet wurde.

Aber als nach über einer Woche keine Bestätigung der Bank kommt und die Sparpiloten auch auf Mails nicht mehr reagieren, läuten bei den beiden die Alarmglocken. Die Website der Sparpiloten gibt es nicht mehr, die Telefonnummern laufen ins Leere. Maria und Peter M. wird klar: Sie sind Betrügern aufgesessen, ihr Geld ist verloren. Ihr letzte Hoffnung sind die Ermittlungen von Polizei und Staatsanwaltschaft.

So wie den beiden geht es vielen: Philipp Bellmann ist Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht und vertritt 25 Sparpiloten-Opfer. Über eine Million Euro haben sie insgesamt an die Betrüger verloren.  

Die Täter sind hochkriminell und gut organisiert. Sie sind auch fachlich versiert – in Gesprächen mit den Anlegern konnten sie über Bankgeschäfte und Abläufe sehr genau Auskunft geben. Man könnte fast sagen, die haben eine Bankausbildung oder so.

Philipp Bellmann, Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht

So gehen die Betrüger vor

Der perfide Trick: Die Sparpiloten geben nur vor, für die Anleger ein eigenes Konto bei einer Bank zu eröffnen. Sie teilen den Kunden die IBAN-Nummer mit. Die Opfer glauben, dass sie das Geld auf ihr eigenes Konto überweisen. Tatsächlich aber gehört das Konto den Verbrechern. Die Banken müssen bei den Überweisungen nicht den Empfängernamen überprüfen und tun es üblicherweise auch nicht.

So schützen Sie sich

Mittlerweile ist die Website der Sparpiloten aus dem Netz verschwunden. Die Stiftung Warentest hat über das Portal berichtet und es auf die Warnliste Geldanlage genommen, wo sie auch weitere unseriöse und dubiose Geldanlageprodukte aufführt.

Es gibt im Netz auch andere Angebote, die ähnliche Betrugsmaschen wie die Sparpioten anwenden. Ein Blick auf die Warnliste ist auf jeden Fall vor einer Anlageentscheidung empfehlenswert. Die Stiftung Warentest/Finanztest hat Tipps zusammengestellt, wie man nicht auf dubiose Zinsanlageversprechen reinfällt:

  1. Sind die Zinsversprechen realistisch? Bei allzu üppiger versprochener Verzinsung sollten Sie misstrauisch werden. Fragen Sie bei der Bank nach, die im Vertrag genannt ist, ob ihr das Angebot bekannt ist.
  2. Identifizieren Sie sich richtig: Um ein Konto zu eröffnen, reicht es nicht, eine Kopie des Ausweises vorzulegen. Banken verlangen in der Regel eine Identifikation via Post- oder Video-Identverfahren. Auch Probeüberweisungen von wenigen Cent, die die Bank danach bestätigt, sind möglich.
  3. Vorsicht bei der Überweisung: Banken sind nicht dazu verpflichtet, zu überprüfen, ob IBAN und Empfängername zusammenpassen.
  4. Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen: Häufig drängen Vermittler unseriöser Angebote zur Eile, man müsse sofort zuschlagen, um sich die Topzinsen zu sichern. Dabei sollten Sie hellhörig werden - seriöse Angebote gibt es meist über einen längeren Zeitraum.
  5. Fragen Sie bei der Bafin nach: Anbieter, die die Rückzahlung Ihrer Einlagen plus Zinsen versprechen, benötigen dafür eine Genehmigung der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin). Überprüfen Sie, ob das Unternehmen tatsächlich bei der Bafin gelistet ist.

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