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Die überraschende Erkenntnis: Am erfolgreichsten sind die Bestäuber in Innenstädten – obwohl es auf dem Land viel mehr Fluginsekten gibt. Das belegen zwei deutsche Forschungszentren.

Blütenpflanzen werden in Städten besser bestäubt als im Umland. Das zeigt ein Experiment des Deutschen Zentrums für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) und des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ). Die Wissenschaftler stellten fest, dass Test-Blüten von Rotklee-Topfpflanzen in der Stadt häufiger besucht wurden als auf dem Land.

Mehr Nahrung und Nistplätze in Städten

Die mit Abstand fleißigsten Bestäuber waren Hummeln, gefolgt von Bienen. Sie fühlen sich in blumenreichen Gärten, Brachen und Parks in Städten besonders wohl und finden dort mehr Nahrung und Nistplätze als auf dem Land. Denn durch Monokulturen in der Landwirtschaft verschwinden dort blütenreiche Flächen.

Außerdem sind Wildbienen und Hummeln besonders anfällig für Pestizide, die in den Städten weniger eingesetzt werden. Das, so die Wissenschaftler, könnte auch erklären, warum es mehr Hummeln in den Städten gibt.

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Schmetterlinge und Fliegen auf dem Land schaffen weniger Bestäubung

Insgesamt sind die Wissenschaftler erschüttert, wie schlecht die Bestäubungsleistung der Insekten auf dem Land ist. Ein Grund dafür: Schmetterlinge und Fliegen, die zu einer deutlich größeren Zahl an Fluginsekten auf dem Land beitragen, können den Hummeln in Sachen bestäuben nicht das Wasser reichen. Denn drei von vier Blütenbesuchern sind Hummeln – gefolgt von der Honigbiene als zweitwichtigstem Bestäuber. Hinzu kommt, dass Hummeln und Bienen über einen sehr gut ausgeprägten Orientierungssinn verfügen und in den Städten besser zurechtkommen als etwa Schmetterlinge.

Milliardenwert für die Landwirtschaft: Bestäubung durch Insekten

Grundsätzlich profitieren aber fast alle Insektenarten vom Blütenreichtum der Blumenbeete, Bäume und Sträucher in den Gärten und Parks der Innenstädte. Ein Nahrungsangebot, das sie auf dem Land kurioserweise nicht mehr vorzufinden scheinen. Dabei sind die Bestäuber extrem wichtig für die Pflanzenvielfalt, die Ökosysteme und gerade für die Landwirtschaft.

Geschätzt 90 Prozent aller Blütenpflanzenarten – darunter Äpfel, Kirschen, Birnen und viele andere Obstsorten – sind auf Bestäubung durch Insekten angewiesen. Der Wert für die globale Landwirtschaft beträgt mehrere hundert Milliarden US-Dollar pro Jahr.

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Forscher fordern insektenfreundliche Gestaltung von Gärten und Parks

Die Wissenschaftler der Universität Halle-Wittenberg und des Helmholtz- Zentrums für Umweltforschung fordern deshalb, die Bedürfnisse von Bestäubern bei der Gestaltung von Gärten und Parks noch stärker zu berücksichtigen. Denn mittelfristig könnten die Städte dabei helfen, die Bestäubung auf dem Land zu erhalten. Hummeln aus den Städten könnten etwa den Weg zu Obstplantagen im Umland finden, wenn es blütenreiche Verbindungen zwischen Stadt und Land gibt.

Dazu müssten aber vor allem auf dem Land wieder Nistmöglichkeiten und blütenreiche Flächen geschaffen werden, die es in der großflächigen, einseitigen Landwirtschaft heute nicht mehr gibt, bemängeln die Forscher.

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