STAND
AUTOR/IN
ONLINEFASSUNG

Japanische Wissenschaftler haben sich Gedanken gemacht, wie die Blüten-Bestäubung funktionieren könnte, wenn es nicht mehr genügend Insekten gibt. Das Ergebnis ihrer Studie.

Schon lange beschäftigt sich das Team japanischer Wissenschaftler mit der Frage, wie sich Insekten als Bestäuber ersetzen oder bei zumindest unterstützen ließen. Im Internet kursieren Filme von Versuchen mit Drohnen, die ziemlich rabiat auf Blüten fliegen, um dort Pollen abzustreifen. Der Schaden dürfte dabei größer sein als der Nutzen.

Bauern bestäuben in der Nähe von Hejian in der nordchinesischen Provinz Hebei die Blüten eines Birnenbaumes. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance / Zhu Xudon/Xinhua/dpa)
Das künstliche Bestäuben von Blüten kann auch der Mensch übernehmen - der Aufwand ist groß. picture alliance / Zhu Xudon/Xinhua/dpa

Deshalb nun die Idee mit den Seifenblasen. Sie zerplatzen schließlich hauchzart, wenn sie auf einen Widerstand treffen. Also kombinierten die Wissenschaftler eine Drohne mit einer Seifenblasenmaschine. Die erzeugt 5.000 Blasen pro Minute, in jeder davon stecken ein paar Blütenpollen. Das Flugobjekt wurde dann in zwei Metern Höhe durch eine Birnenplantage geflogen. Ergebnis: Aus über 90 Prozent der Blüten entwickelten sich Birnen.

Neue Bestäubungsmethode ist anfällig für Probleme

Doch dass dieses Experiment jemals praxistauglich wird, ist mehr als fraglich. Zum einen natürlich wegen der praktischen Probleme: Millionen von Seifenblasen zerplatzen sinnlos, ohne dass sie eine Blüte treffen. Seifenreste können sich im Boden anreichern. Und einsetzbar ist die Methode wohl nur bei absoluter Windstille.

Zum anderen bekämpft so eine Seifenblasen-Bestäubung ohnehin nur die Symptome eines Problems, nicht aber dessen Ursachen. Wenn die Insekten weniger werden, ist es dann wirklich sinnvoll, mit viel Geld einen künstlichen Ersatzbestäuber zu schaffen? Oder wäre das Geld nicht viel besser dafür angelegt, die Insektenwelt zu fördern?

Experte: Praxistauglichkeit von Seifenblasen-Bestäubung fraglich

Und selbst wenn die Seifenblasen den Sprung von der Forschung in die Praxis schaffen sollte: Bei uns in Deutschland kämen sie wohl kaum zum Einsatz. Das glaubt zumindest Dominikus Kittemann, Professor für Obstbau an der Hochschule Weihenstephan.

Zwar sei auch hierzulande das Insektensterben ein Fakt. Doch den Obstbauern bereite es derzeit keine Probleme. Wildbienen und Hummeln ließen sich, wenn sie nicht ohnehin vorhanden sind, gezielt anlocken oder notfalls auch zukaufen. Und auch viele Imker würden gerne ein paar Völker ihrer Honigbienen zwischen die blühenden Obstbäume stellen, so Kittemann.

Fazit: Seifenblasen können Insekten nicht ersetzen

Das ersetzt am Ende übrigens nicht nur Millionen von Seifenblasen, sondern sorgt auch für das bessere Ergebnis. Denn immer wieder zeigen Versuche: Die Obsternte fällt am besten aus, wenn mehrere Insektenarten gleichzeitig in der Plantage für die Bestäubung gesorgt haben.

Artenschutz Insektensterben: So helfen Blühstreifen den Insekten wirklich

In letzter Zeit werden häufig sogenannte Blühstreifen an Ackerrändern oder in Gärten angelegt. Außerdem werden in Geschäften vermeintlich insektenfreundliche Pflanzen angeboten. Aber nicht alle Blühstreifen und blühenden Pflanzen bringen den gewünschten Erfolg. Christine Langer im Gespräch mit Jochen Berger, Universität Hohenheim.  mehr...

SWR2 Impuls SWR2

Biologie Gärten des Grauens: Der Schottergarten

Ein Apfelbaum, bunte Staudenbeete, hochgewachsene Sonnenblumen. So sahen früher Vorgärten aus. Heute dominiert in manchen Gegenden ein anderes Bild: Verzicht auf Vegetation, alles zugepflastert oder verschottert. Ein Grauen für viele Insekten.  mehr...

SWR2 Impuls SWR2

STAND
AUTOR/IN
ONLINEFASSUNG