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Ob in Rheinhessen, Stuttgart oder Berlin. Die Bauern sind sauer und protestieren gegen die Landwirtschaftspolitik der Bundesregierung. Mit ihren Traktoren blockieren sie Straßen und machen ihrem Unmut Luft.

Die gemeinsame Triebfeder aller protestierenden Bauern ist Frust. Sie stehen wirtschaftlich unter Druck, fürchten weitere Auflagen und Einschränkungen und sehen sich gleichzeitig als Sündenböcke der Rest-Gesellschaft.

Die Fakten

Die Zahl der Bauern ist in den vergangenen Jahrzehnten gesunken, die Betriebe sind größer geworden – aber ohne dass es ihnen deshalb gut geht. Etwa die Hälfte der Einkommen stammen aus Subventionen. Doch das Geld aus Brüssel wird wohl weniger. Nettozahler Großbritannien fällt weg und die osteuropäischen Bauern wollen mehr vom Kuchen haben.

Bauernverbandspräsident Rukwied hat Verständnis für die Proteste, die Unzufriedenheit der Bauern habe schließlich Gründe.

Bauernpräsident Joachim Ruckwied (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
Bauernpräsident Joachim Ruckwied verteidigt die Proteste der Landwirte. Picture Alliance

„Die Stimmung unter den Bauern ist schlecht, das liegt auch daran, dass sie im vergangenen Jahr 18 Prozent Einkommensrückgang hatten. Außerdem fehlen uns verlässliche Rahmenbedingungen in der Politik.“

Joachim Ruckwied, Präsident des Deutschen Bauernverbandes

Diese fehlenden Rahmenbedingungen machen aus Rukwieds Sicht die Landwirtschaft zunehmend schwieriger. Regelmäßig macht der Bauernverband eine Umfrage unter Landwirten und will wissen, wie die ihre wirtschaftliche Zukunft einschätzen. Bei der letzten Ausgabe im Dezember fiel dieser Wert so schlecht aus wie nie zuvor. Und dementsprechend wenig wird derzeit auf den Höfen investiert.

Umweltauflagen kommen hinzu

Und dann sind da die Umweltprobleme: Artensterben, Nitrat im Grundwasser, der Klimaschutz, die Debatte um die Tierhaltung. Alles wichtig. Aber aus Sicht der Bauern sind das oft nur Belastungen. Sie wehren sich – manchmal zu Recht, oft aber auch mit Argumenten aus fragwürdigen Quellen. Gerade diese Dinge haben wesentlich zur Bewegung „Land schafft Verbindung“ beigetragen, die dann die Demos organisiert hat.

Dirk Andresen von "Land schafft Verbindung" kündigt die Proteste auf seinem Youtube-Kanal an. (Foto: Youtube)
Dirk Andresen von "Land schafft Verbindung" kündigt die Proteste auf seinem Youtube-Kanal an. Youtube

„Die Stimmung ist relativ explosiv, die Betriebsleiter haben Angst um ihren Betrieb, um ihre Existenz. Es fehlt die Perspektive, um Landwirtschaft in Deutschland zu betreiben.“

Dirk Andresen, Sprecher von "Land schafft Verbindung"

Wenn Andresen von einer explosiven Stimmung spricht, dürfte sich Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner bestätigt fühlen, die vor wenigen Tagen vor einer Radikalisierung der Bauernproteste gewarnt hat. Andresen kann nicht ausschließen, dass einige Landwirte überreagieren. In seiner Organisation habe man das aber im Griff.

Eine Radikalisierung werfen die Landwirte ihrerseits aber auch der Gegenseite vor. Naturschützer und Verbraucher holten immer öfter zum „Bauern-Bashing“ aus. Überhaupt der Verbraucher habe keine Ahnung, fordere eine Bullerbü-Landwirtschaft, greife dann aber zum Billigfleisch, so die Bauern.

Auf der Grünen Woche in Berlin will man ins Gespräch kommen: Sogenannte Agrarscouts sollen den Besuchern ein realistischeres Bild von Landwirtschaft vermitteln. Ob das gelingt, müssen die kommenden Tage zeigen. Ein Erfolg wäre es aber schon, wenn Bauern und Verbraucher wieder miteinander reden, statt nur noch übereinander.

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