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Wer jetzt Lust hat auf Blüten, Obst und Gemüse auf dem eigenen Balkon oder der Terrasse: Wir haben die wichtigsten Tipps fürs erste Gartenprojekt in Töpfen, Kübeln und Hochbeet.

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
20:15 Uhr
Sender
SWR Fernsehen

Für Udo K. und Armin S. ist ihre Dachterrasse in der Mainzer Oberstadt eine echte Herausforderung. Die zündende Idee für die Gestaltung der 24 Quadratmeter großen Fläche fehlt noch. Ein Fall für die SWR-Gartenexpertin Heike Boomgaarden.

Naschgarten selbst gezogen und Blüten für Insekten

Die beiden Hobbygärtner stellen sich Obst zum Naschen vor, auch bunte Blüten – aber weniger Zierpflanzen, sondern etwas, wovon auch Insekten etwas haben. Allerdings ist auf dieser Terrasse die Pflanzenauswahl nicht ganz einfach: Es gibt einen großen Baum, der auf einem Teil der Fläche für Schatten sorgt. Aber Heike Boomgaarden ist sich sicher: „Gehen tut alles, wenn man die richtigen Pflanzen hat.“

Außerdem wünschen sich die beiden ein Hochbeet für selbst angebautes Gemüse und Kräuter. Zum Beispiel Tomaten, Mangold und Basilikum.

Nahaufnahme einer Traube zwischen zwei Fingern. (Foto: SWR, SWR -)
Obst naschen vom eigenen Balkon oder Terrasse - dafür gibt es pflegeleichte Sorten. SWR -

Pflegeleichte Obstsorten für Terrasse und Balkon

Beim Obst begeistern sich die beiden für Trauben. „Tafeltrauben würden perfekt auf eure Terrasse passen“, weiß die Expertin. Neue Sorten von Tafeltrauben - wie zum Beispiel Regent oder Phönix - kriegen zudem keine Krankheiten, also keinen Mehltau oder ähnliches. Trauben mögen es eher sonnig. Für den weiteren Platz an der Sonne entscheiden sich die beiden für eine Feige und zwei Säulenäpfel.  

Für den Schattenbereich auf der Terrasse hat die Gartenexpertin eine andere Idee: „Da kann man zum Beispiel Heidelbeeren pflanzen. Das werden richtig große Sträucher.“ Und das auch ohne viel Sonne. Die beiden Mainzer sind begeistert.

Reife Kultur-Heidelbeeren am Strauch (Foto: SWR)
Kulturheidelbeeren für Schatten: Experten wissen sofort, welches Obst oder Gemüse wo hinpasst.

Kästen und Kübel anordnen mit System

Bevor es mit dem Pflanzen losgeht, müssen die neuen Balkonkästen und Kübel erst einmal platziert werden. Heike Boomgaarden schlägt eine symmetrische Anordnung vor – abwechselnd einen Kasten und ein Kübel. „Das heißt hoch und tief. Das Gefühl vom Garten entsteht über die verschiedenen Ebenen.“

Auch für den einheitlichen Look in den Balkonkästen hat Heike Boomgaarden einen Vorschlag: „Nach rechts der Lavendel, Katzenminze in die Mitte, weil die nach unten fällt. Der Salbei nach links.“

Blühende Nelken im Balkonkasten (Foto: SWR, Wulf Piella)
Im Balkonkasten haben neben Blumen auch Kräuter Platz. Wulf Piella

Obacht bei der Auswahl der Erde

Bevor in die Kübel Erde kommt, wird eine Schutzschicht eingelegt: Einige Zentimeter Granulat, darauf wasserdurchlässiges Vlies und darauf erst die Erde. So wird verhindert, dass aus den Löchern am Boden beim Gießen und bei Regen die Erde ausgeschwemmt wird.

Im Schattenbereich sollen die zwei Heidelbeersträucher gepflanzt werden. Sie kommen mit Schatten gut zurecht, brauchen aber Erde mit einem niedrigen pH-Wert wie zum Beispiel Rhododendronerde. „Sonst würden sie gelbe Blätter bekommen und irgendwann keine Beeren mehr tragen, weil sie keine Nährstoffe aufnehmen können, wenn der pH-Wert nicht stimmt“, erklärt die Profi-Gärtnerin.

Die richtige Höhe beim Einpflanzen

Damit die Pflanzen sich wohl fühlen, gibt es für das Befüllen der Kübel und Balkonkästen eine Faustregel. „Wenn ihr die Erde reinschüttet, müsst ihr darauf achten, dass ein Gießrand bleibt. Eine Daumenlänge lasst ihr dafür frei.“

Dann geht es los mit dem Einpflanzen. Die Pflanzen müssen vor dem Einsetzen erst in Wasser getaucht werden – mit dem Topf. „Wenn wir ihn trocken einpflanzen, fällt die Erde leicht von den Wurzeln. Pflanzen wir sie nass ein, bleibt die Erde um die Wurzeln dran. Das ist der wichtigste Punkt beim Anwachsen.“

Auch beim Einsetzen der Pflanzen in den Kübel gibt es einiges zu beachten. Sie sollen so tief eingepflanzt werden wie der Topfrand. „Man lässt keine Kante überstehen und man versenkt die Pflanze nicht. Immer am Abschluss des Topfes und nicht rausgucken lassen, sonst vertrocknet ein Teil der oberen Wurzel“, erklärt Heike Boomgaarden.

Gemüsegarten in Pflanztöpfen auf Balkon oder Terrasse (Foto: Colourbox)
Tomaten, Duftpelargonien, Rosmarin oder Lavendel schützen auch vor Stechmücken.

Den Wurzelbereich lockern

Als nächstes sind die beiden Säulenäpfel an der Reihe. Armin weiß jetzt, der Baum muss tief genug in die Erde. „Jetzt die Wurzeln am Rand ein bisschen auflockern, sonst wachsen sie im Kreis und nicht nach unten und zur Seite.“ Fürs Auge kommt in die Kübel noch jeweils etwas buntes Blühendes dazu.

Für die schattige Ecke auf der Terrasse kommen in die Töpfe ein Holunderstrauch, Gräser und verschiedene Blühpflanzen wie etwa Fuchsien. Sie sehen nicht nur gut aus, sondern locken auch Insekten an.

Zwölf Pflanzen, auf die Insekten fliegen:

Tolle Bilder, wertvolle Tipps 12 Pflanzen, auf die Insekten fliegen

Biene sitzt auf der Blüte einer Kornblume (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
Die Zahl der Insekten sinkt dramatisch. Umso wichtiger ist es, dass wir ihnen passende Nahrung anbieten. Zum Beispiel die Kornblume: eine schlichte Schönheit, die von Juni bis September blüht. In dieser Zeit werden ihre leuchtend blauen Blüten gerne von Bienen, Hummeln und Schmetterlingen besucht. Auch gut für den Balkon! Picture Alliance Bild in Detailansicht öffnen
Das Lungenkraut hat viel Nektar. Deswegen ist die Pflanze bei Hummeln, Pelz- und Mauerbienen sehr begehrt. Da sie im März erstmals blüht, ist sie für die früh fliegenden Insekten wichtig. Die Pflanze mag keine pralle Sonne, ist winterhart und sehr dekorativ. Sie ist auch für Balkon und Terrasse geeignet. picture-alliance / blickwinkel - Bild in Detailansicht öffnen
Die Blüten der Ginsterpflanze sind besonders bei Schmetterlingen und ihren Raupen beliebt. Ginster blüht zwischen Mai und Juli. Meist sind die Blüten gelb, es gibt sie aber auch in Rosa, Rot oder Weiß. Die Pflanze mag es gerne sonnig und sollte nicht zu feucht gehalten werden. picture-alliance / WILDLIFE - Bild in Detailansicht öffnen
Von der Weide gibt mehrere Arten. Als Zwergsträucher werden z.B. sie nur wenige Zentimeter hoch und passen sogar auf den Balkon. Die Bäume können sehr groß werden. Die Weide ist deswegen für Insekten wichtig, weil sie schon früh im März blüht und ihr Pollen den Bienen hochwertiges Eiweiß für ihre Brut liefert. picture-alliance / blickwinkel - Bild in Detailansicht öffnen
Die Bienenweide (auch Bienenfreund oder Büschelschön) ist, wie der Name schon sagt, besonders interessant für Bienen. Sie trägt viel Nektar und Pollen. Die Pflanze wächst gerne in Büscheln und ist in der Pflege anspruchslos. Sie verträgt Sonne, kommt aber auch mit Halbschatten zurecht. Im Garten tut die Bienenweide auch dem Boden gut. picture-alliance / Arco Images - Bild in Detailansicht öffnen
Der Deutsche Ziest ist besonders für die Wollbiene wichtig. Außer Pollen und Nektar sammeln die Weibchen an der Pflanze auch Pflanzenwolle. Damit kleiden sie ihre Nester aus. Die Blüten mögen auch Hummeln und Pelzbienen. Der Ziest gilt als pflegeleichte Pflanze, die es sonnig mag und auch den Winter gut übersteht. picture-alliance / dpa Themendienst (Montage: SWR) - Bild in Detailansicht öffnen
Lavendel ist ein anspruchsloser Allrounder für Garten oder Balkon, der einfach herrlich duftet. Bienen, Hummeln und Falter wie das Taubenschwänzchen mögen ihn. Seine ätherischen Öle wehren lästige Insekten wie Stechmücken, Zecken und Wespen ab. Und wenn es mal ein bisschen sonniger und trockener ist, macht das dem Lavendel nichts. picture-alliance / blickwinkel - Bild in Detailansicht öffnen
Unsere besondere Unterstützung brauchen die Wildbienen, denn ihr Bestand ist deutlich zurückgegangen. Zu den markantesten Arten zählt sicherlich die blauschwarze Holzbiene. Sie mag u.a. gerne die Blüten des Blauregens, weil sie eine gute Pollenquelle sind. Die Kletterpflanze hat es gerne warm und sonnig. picture-alliance / blickwinkel - Bild in Detailansicht öffnen
Kräuter wie Thymian kennen wir alle aus der Küche. Seine Blüten sind bei Insekten sehr begehrt, weil sie viel Nektar und Pollen enthalten. Besonders Schmetterlinge mögen ihn. Die ätherischen Öle wehren außerdem Schädlinge wie z.B. Blattläuse ab. Thymian hat es gern sonnig und trocken und ist auch für den Balkon geeignet. picture-alliance / imageBROKER - Bild in Detailansicht öffnen
Die rotkelchige Nachtkerze betört mit ihrem Duft Menschen und Insekten gleichermaßen - aber erst zur Abendzeit. Zum Sonnenuntergang öffnet sie ihre großen gelben Blüten weit, um nachtaktive Insekten anzulocken. Der Standort sollte sonnig sein, der Boden nährstoffreich und eher trocken. picture-alliance / blickwinkel - Bild in Detailansicht öffnen
Die Brombeere hat nicht nur leckere Früchte, sondern auch wunderschöne Blüten. Ihr großes Pollen-Angebot lockt viele Insekten wie Bienen, Hummeln, Schmetterlinge und Schwebfliegen an. Wer die Früchte ernten möchte, sollten auf einen möglichst sonnigen und windgeschützten Standort achten. picture-alliance - Bild in Detailansicht öffnen
Der rote Fingerhut ist in Deutschland weit verbreitet. Seine Blüten sind sehr auffällig und werden vor allem von Hummeln geliebt. Die Pflanze wächst gut im Topf und mag es halbschattig und feucht. Vorsicht: Alle Pflanzenteile sind giftig! Ihre Inhaltsstoffe werden auch für Herzmedikamente verwendet (Digitalis). picture-alliance / blickwinkel - Bild in Detailansicht öffnen

Ein Traum wird wahr - das Hochbeet für Selbstversorger

Zum Abschluss bauen die beiden ihr neues Hochbeet auf. Hinein kommen verschiedene Kräuterpflanzen und Gemüse, zum Beispiel Tomaten. „Damit die Tomaten gesund bleiben, entfernt man immer die unteren Blätter. Die dürfen keinen Kontakt zum Boden haben, dann kriegt man auch keine Krautfäule.“ Für das richtige Wachstum bekommen die Tomatenpflanzen eine Kletterhilfe.

Erdbeeren, Salat und viele Kräuter im Hochbeet (Foto: Colourbox)
Tomaten, Erdbeeren, Salate und viele Kräuter im Hochbeet - und Selbstversorger sind glücklich.

Die beiden Hobby-Gärtner sind über die Artenvielfalt und die bunten Farben glücklich. „Ich bin total überwältigt und hätte das nie gedacht. Das ist wie ein Traum.“ Jetzt machen sie es sich mit den passenden Gartenmöbeln erst einmal gemütlich auf ihrer neuen Terrasse – dazu gibt es erfrischendes Wasser mit selbst geernteter Minze.

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