Abgaben machen Zugfahren teuer So wird die Bahn beim Wettbewerb benachteiligt

Ohne Bahncard oder Sparpreis ist Zugfahren teuer. Die hohen Ticketpreise haben auch mit den vielen Abgaben zu tun, die die Bahn leisten muss – Fernbusse und Fluglinien aber nicht.

Dauer

Ob Urlaub, Städtetrip oder für die Wochenend-Pendelei: Wer umwelt- und klimafreundlich ans Ziel kommen will, landet fast unweigerlich bei der Bahn. Das Problem: Ohne Bahncard oder Sparpreis wird die Zugfahrt teuer. Für die Strecke Mannheim-Berlin und zurück liegt der Normalpreis bei 300 Euro – in der zweiten Klasse und ohne Sitzplatzreservierung.

Abgaben und Steuern treiben die Ticketpreise

Für eine Familie mit älteren Kindern sind solche Preise kaum zu bezahlen, die Bahn scheidet damit als echte Alternative zum Auto aus. Die teuren Ticketpreise hängen auch damit zusammen, dass die Bahn viele Abgaben zahlen muss: Für Stromsteuer, Ökosteuer, EEG-Umlage und CO2-Zertifikate werden jedes Jahr mehrere hundert Millionen Euro fällig.

Eine Grafik zeigt die verschiedenen Belastungen von Bahn, Flugzeug und Bus an: Am stärksten wird die Bahn zur Kasse gebeten, am besten kommt das Flugzeug weg.  (Foto: SWR)
Die verschiedenen Verkehrsmittel werden vom Staat nicht auf gleiche Weise zur Kasse gebeten.

Dazu kommen auf jeder Fahrt Trassengebühren für die gefahrenen Schienenkilometer und sogenannte Stationsentgelte für die Stopps an den Bahnhöfen. Dieses Geld fließt zwar an die eigenen Konzerntöchter der Bahn, muss aber zunächst über den Ticketpreis erwirtschaftet werden.

Die Privilegien von Fernbus und Flugzeug

Fernbusse haben es dagegen vergleichsweise leicht: Sie müssen keine Straßennutzungsgebühr zahlen und können deshalb oft günstigere Preise anbieten. Außerdem sind die Entschädigungsregeln weniger hart: Die Bahn muss schon ab einer Verspätung von 60 Minuten 25 Prozent des Fahrpreises erstatten, ab zwei Stunden sind sogar 50 Prozent des Fahrpreises fällig. Fernbuskunden haben dagegen erst auf Strecken ab 250 Kilometern und bei einer Verzögerung der Abfahrt um mehr als zwei Stunden Anspruch auf einen finanziellen Ausgleich. Geht die Verspätung auf höhere Gewalt zurück, müssen die Unternehmen gar nichts zahlen.

Die Bahn muss dagegen immer zahlen, selbst wenn sie für die Verspätung gar nicht verantwortlich ist. Noch größer sind die Unterschiede zum Luftverkehr: Fluggesellschaften müssen ihre Passagiere erst ab einer Verspätung von drei Stunden entschädigen, haften aber ebenfalls nicht bei höherer Gewalt. Dazu kommen weitere Privilegien: Flüge ins Ausland sind von der Mehrwertsteuer befreit, und auch für Flugbenzin erhebt der Staat keine Steuern.

ONLINEFASSUNG
STAND
AUTOR/IN