Sprühreiniger, Schaum und Gel: Sechs Reiniger für den Backofen in der Challenge bei Marktcheck. (Foto: SWR, SWR Marktcheck)

Scharfe Reinigungsmittel

Mit Chemie Krusten killen? Backofenreiniger im Check

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Knusprige Krusten sehen wir auf dem Essen gerne, nicht aber an den Ofenwänden. Backofenreiniger sind fast alle aggressiv und mit großer Vorsicht anzuwenden. Wirken sie wenigstens? Wir testen es.

Fettig, verkrustet, klebrig - so sieht es oft in unseren Backöfen aus. Chemische Reiniger versprechen einfache Hilfe. Laborexperten erklären, welcher unserer ausgewählten Reiniger am besten wirkt und wie gefährlich die Mittel sind. Diese sechs Produkte haben wir überprüft:

ProduktInhaltPreis
Dr. Beckmann Backofen Aktiv-Gel 375 ml2,45 Euro
BLINK Backofen- & Grillreiniger von Müller400 ml1,45 Euro
DENK MIT Backofen- und Grillreiniger von dm500 ml1,45 Euro
FROSCH Grapefruit Fett-Entferner - ideal für Backofen und Grill500 ml1,75 Euro
Bref Power Backofen & Grill von Henkel500 ml2,95 Euro
URBAN FOREST "Premium Backofen-& Grillreinger"500 ml7,95 Euro

Wie gut schneiden die Reiniger im Labor ab? Vorsicht bei Aluminium

Auf einigen Etiketten stehen Warnhinweise, dass die Mittel nicht auf lackierten Oberflächen verwendet werden sollen. Wir lassen in einem spezialisierten Labor in Fulda überprüfen, welche Oberflächen-Schäden in der Küche entstehen können. Das Ergebnis: Aluminiumbleche werden mitunter stark angegriffen.

Laborleiterin Stephanie Leucht sagt: "Auf Aluminium konnten wir Unterschiede feststellen. Da hat zum Beispiel der Reiniger von Frosch und der Bref-Reiniger überhaupt keine Oberflächenveränderungen hervorgerufen, wohingegen der Premium Reiniger von Urban Forest eine starke Oberflächen-Schädigung hervorgerufen hat." Das Unternehmen schreibt uns dazu: "Er eignet sich hervorragend für Edelstahl und weitere hochwertige Metalle. Gerade in Großküchen der Gastronomie wird unser Backofenreiniger sehr häufig angewandt."

Eine deutliche Veränderung auf dem Aluminium gab es auch beim Backofen-Aktiv-Gel von Dr. Beckmann. Das Unternehmen verweist darauf, dass üblicherweise im Backofen keine Alu-Teile vorkämen und sich ein entsprechender Warnhinweis auf der Flasche befinde. Übrigens: Solche Hinweise haben auch alle anderen Reiniger im Check. In punkto Reinigung hat im Labor das Produkt Blink von Müller am besten abgeschnitten. Alle anderen Produkte kommen nicht an den Sieger heran.

"Womit wir fast schon gerechnet haben, war, dass der Frosch-Reiniger nicht so ein gutes Reinigungsergebnis erzielt, weil er schon alleine keine Lauge enthält. Und die Lauge benötigt man, wenn man Fettverkrustungen und eingebrannten Schmutz lösen möchte."

Unser Fazit

Der Verlierer: das Backofen-Aktiv-Gel von Dr. Beckmann. Es greift Aluminium an und sauber wird der Ofen auch nicht. Der teure Premium-Reiniger von Urban Forest beinhaltet auch eine starke Lauge, das Reinigungsergebnis ist eher mittelmäßig. Der Bio-Reiniger von Frosch ist zwar materialschonend, enttäuscht aber beim Putzergebnis. Beim Bref-Power-Spray gabs keinerlei Schäden an Oberflächen, im Ofen schneidet es nur mittelmäßig ab. Insgesamt ordentlich: das Denk-mit-Spray mit guter Reinigungskraft und wenig Materialschäden. Unser Testsieger ist der günstige Blink Backofen-&Grillreiniger von Müller. Zwar gabs minimale Flecken auf Aluminium, aber der Dreck ging dafür am besten weg.

Sprühreiniger, Schaum und Gel: Sechs Reiniger für den Backofen in der Challenge bei Marktcheck. (Foto: SWR, SWR Marktcheck)
Sprühreiniger, Schaum und Gel: Sechs Reiniger für den Backofen in der Challenge bei Marktcheck. SWR Marktcheck

Sind die Backofenreiniger gefährlich?

Backofenreiniger sind alles andere als harmlos: Allein in der Vergiftungs-Informations-Zentrale der Universität Freiburg gehen jedes Jahr mehr als 100 Notrufe ein. Dr. Uwe Stedtler von der Notstelle der Uni erklärt:

"Diese Mittel sind dafür da, organische Substanzen zu zerstören, aufzulösen und abwaschbar zu machen. Die Haut besteht auch aus Protein und Fett, und deswegen greifen diese Mittel auch die äußere Haut an. Also das, was sie im Ofen tun sollen, das tun sie eben auch am Körper und lösen das Gewebe auf."

Wissenschaftler in Norwegen haben in einer Langzeitstudie festgestellt: Menschen, die viel putzen, haben eine deutlich schwächere Lunge als Menschen, die nie putzen. Putzmittel - wie Backofensprays - werden durch Einatmen in die Lunge transportiert. Atemwege können so dauerhaft geschädigt werden, das Risiko für Asthma steigt.

Gerade Familien mit Kindern greifen daher immer öfter zu Bio-Reinigern mit Pump-Spray. Der feine Sprühnebel bleibt aus, und sie enthalten keine gefährlichen Laugen, allerdings Tenside. Diese können auch zu Hautreizungen führen, Tenside sind aber nicht so aggressiv.

Im Notfall: Sofort mit Wasser ausspülen

Ist der Reiniger erstmal auf der Haut oder gar im Auge, lautet der Rat des Toxikologen Stedtler: Mit Wasser spülen und zwar sofort. "Wenn so eine Substanz ins Auge kommt, kann das eben sehr schnell Verätzungen machen, und da ist das Mittel: spülen, spülen - sofort und mit was immer da ist. Da hat man nicht die Zeit, noch irgendetwas zu suchen. Denn sie haben nur wenige Sekunden, deutlich weniger als eine Minute, um schwere Augenschäden zu vermeiden."

Im Ernstfall die 112 wählen oder die Nummer der Vergiftungs-Informations-Zentrale in Freiburg, zuständig für ganz Baden-Württemberg. Auch die App des Bundesamts für Risikobewertung gibt Tipps bei Unfällen mit Backofenreinigern.

Welche Alternativen gibt es zu aggressiven Backofenreinigern?

Um Backöfen zu reinigen, braucht es keine giftige Chemie. Zitronensäure oder Backpulver lösen im Haushalt so manches Problem. Zwei Päckchen Backpulver mit 100 ml Wasser zu einer Paste verrühren, im Ofen verteilen und nach zwei Stunden mit warmem Wasser auswischen.

Auch Zitronen sind eine gute Küchenhilfe: Den Saft mit Wasser mischen und im Ofen bei 120 Grad erhitzen. Durch den Wasserdampf lösen sich allmählich die Verkrustungen. Nicht ganz perfekt, aber sicher eine gute Alternative. Oekotest.de hat weitere Hausmittel online zusammengestellt.

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