Ein Sieger, zwei Verlierer

Yogamatten - 6 Modelle im Test und Tipps zum Kauf

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AUTOR/IN
Patricia Metz
Lea Spraul
Bild von Lea Spraul (Foto: Spraul)

Sportmatten gibt es in vielen Formen und Farben. Marktcheck hat sechs Modelle unter anderem hinsichtlich Rutschfestigkeit und Schadstoffgehalt überprüft. Das Ergebnis: ein Sieger, zwei Verlierer.

Ob Sit-ups, Kniebeugen, Sprünge oder "herabschauender Hund", so eine Fitnessmatte macht viel mit. Damit das Training trotz Schweiß oder anspruchsvoller Yoga-Posen funktioniert, ist eine passende Matte als Basis elementar. Doch die Auswahl an Sportmatten ist groß. Welche sollte man also kaufen? Und worauf kann man beim Kauf einer Yoga- beziehungsweise Gymnastikmatte achten? Wir haben sechs handelsübliche Matten im Labor und in der Praxis überprüfen lassen.

Übersicht

Die sechs Yogamatten, die Teil des Praxischecks und Labortests waren (Foto: SWR)
Von links nach rechts: Die Matten von Decathlon, Zen Power, Lotuscrafts, Lidl, Nike und Tchibo

Yogamatten im Praxis-Check

Im Praxis-Check bewerten Nina Doeblin, Yoga-Lehrerin seit fünf Jahren, und sechs ihrer Schülerinnen und Schüler die Fitnessmatten nach den Kriterien Rutschfestigkeit und Geruch.

"Das wichtigste ist erst mal, dass man eine Yogamatte hat tatsächlich für sich selbst, um praktizieren zu können und wenn die rutschfest ist, das ist für mich das erste Credo, dann ist es auch eine richtige Yogamatte, mit der man gut ins Yoga starten kann", sagt Nina Doeblin. Wie dick oder dünn die Matte sei, spiele dabei eine eher untergeordnete Rolle.

Generell gilt, dass verschiedene Matten aus unterschiedlichen Materialien auch verschiedene Eigenschaften mit sich bringen. Je nach Einsatzzweck unterscheiden sich die geforderte Rutschfestigkeit oder Dicke: Wer Workouts mit vielen Sprüngen macht, braucht tendenziell eine andere Matte wie jemand, der meditiert.

Rutschfestigkeit, Geruch und Länge

Wie bewertet die Gruppe die Rutschfestigkeit beziehungsweise den Grip der Yogamatten?

  • Die Yogamatten von Lotuscrafts, Tchibo, Nike und Lidl schneiden in Punkto Rutschfestigkeit bei den Yogis schlecht ab.
  • Die Yogamatte von Decathlon kann schon etwas mehr überzeugen: "Ich bin zufrieden, die hat ‘nen guten Grip, man kann sich gut bewegen, es rutscht nix."
  • Die Yogamatte von Zen Power lässt laut den Testerinnen und Testern kein Rutschen zu: "Da klebt man richtig fest, also funktioniert fast schon zu gut, pfuschen kann man nicht."

Wie bewertet die Gruppe den Geruch? Die Yogamatte von Lotuscrafts und die von Zen Power haben einen etwas auffälligeren Geruch. Nach Ansicht mancher Yoga-Schüler riechen sie unangenehm und chemisch. Die Yogamatte von Decathlon riecht hingegen nach nichts. Bei den Matten von Tchibo und Nike fällt unterdessen auf, dass sie mit etwa 1,70 Metern kürzer sind als die anderen Matten. "Ich bin 1,60 Meter groß und selbst für mich wird es echt sehr, sehr knapp", berichtet eine Yoga-Schülerin.

Labortest der Yogamatten

Immer wieder werden in Yoga- und Fitnessmatten bedenkliche Schadstoffe nachgewiesen. Aus diesem Grund fand eine Schadstoffanalyse der getesteten Matten in einem Speziallabor in Pirmasens statt. "Beim Yoga- und Fitnessworkout hat man ja durchaus sehr intensiven Kontakt zu den Matten und da können über die Haut Schadstoffe in den Körper gelangen. Schwitzen kann dies natürlich noch verstärken. Und das ist eben gefährlich für die Verbraucher", erklärt Chemikerin Ines Anderie vom Prüf- und Forschungsinstitut PFI. Und auch die Ausdünstungen der Matten könnten gefährlich werden, wenn diese längere Zeit im Wohnraum gelagert würden.

Schadstoffe in Sportmatten

Mit einem Analysegerät kontrolliert Untersuchungsleiter Oliver Haubrich zunächst die verwendeten Materialarten. Damit die Schadstoffe herausgelöst werden können, werden die Matten zur Probenaufbereitung in kleine Stücke geschnitten. Insgesamt umfasst die Untersuchung acht verschiedenen Schadstoffe, unter anderem Phthalate oder PAK (Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe). Anderie erklärt zu den verschiedenen Schadstoffen: "Phthalate wirken reproduktionstoxisch und können die Fortpflanzung gefährden, sie werden als Weichmacher in der Kunststoffherstellung eingesetzt. PAK ist eine Substanzklasse, die beim Produktionsprozess entsteht, diese sind zum Teil krebserregend. Schwermetalle wie Cadmium und Blei blockieren sehr viele Stoffwechselvorgänge und das kann zu ernsthaften Erkrankungen führen."

Chemikerin Ines Anderie vom Prüf- und Forschungsinstitut PFI (Foto: SWR)
Chemikerin Ines Anderie vom Prüf- und Forschungsinstitut PFI

Lieber Matten aus TPE statt aus PVC

Erst durch Phthalate erhält etwa der Kunststoff PVC (Polyvinylchlorid) elastische Eigenschaften und lässt sich somit für Fitnessmatten verwenden. Statt zu Matten aus PVC sollte man daher lieber zu Matten aus aufgeschäumten thermoplastischen Elastomeren (TPE) greifen. Im Gegensatz zu etwa PVC, brauchen die TPE keine umstrittenen Weichmacher für eine geschmeidige Konsistenz. Alle Kunststoffmatten die im Oktober 2019 im ÖKO-TEST mit "sehr gut" abschnitten, bestanden aus TPE.

Eine Matte war auffällig

Nach dem Labortest der Matten steht fest: fünf der Sportmatten waren frei von allen untersuchten Schadstoffen. Nur die Matte von Zen Power war auffällig: "In einer Yoga-Matte haben wir den Vulkanisationsbeschleuniger 2-MBT gefunden. Diese Substanz ist hochallergen, löst also allergische Reaktionen aus oder kann zur Sensibilisierung führen", berichtet Anderie. 2-MBT (2-Mercaptobenzothiazol) wird in der Gummiherstellung verwendet. Ein Kontakt kann zu lebenslangen Allergien führen.

Wir bitten den Online-Händler Vevendo um Stellungnahme. Das Unternehmen lässt uns wissen: "Wir sehen vorerst vom weiteren Verkauf des Produkts ab, bis die Sachlage bezüglich der darin enthaltenen Stoffe durch unser Qualitätsmanagement abschließend geklärt wurde. Entsprechende Untersuchungen wurden bereits eingeleitet."

Farbechtheit der Fitnessmatten

Im Labor werden die Matten außerdem auf ihre Farbechtheit hin getestet. Bei vier Matten gibt es nichts zu beanstanden. Über die Matten von Lotuscrafts und Tchibo berichtet Kai Tinschert, Textiltechnik PFI Pirmasens jedoch: "Wir hatten eine Matte dabei, die hat einen leichteren Farbabrieb gezeigt, das war aber noch im Rahmen und eine Matte hat einen stärkeren Farbabrieb gezeigt, das war dann schon wirklich deutlich, wo wir gesagt haben, die ist dann schon nicht mehr in Ordnung."

Tchibo, deren Matte einen deutlichen Farbabrieb zeigte, verweist in einer Stellungnahme auf eigene Untersuchungen. Dort hätten alle getesteten Matten die Mindestanforderungen an Farbechtheit erfüllt.

Fazit des Praxis-Checks und des Labortests

Im Praxis-Check konnten, insbesondere bei der Rutschfestigkeit, nur die Zen Power "Mandala" und die Matte von Decathlon überzeugen. Der Labortest ergab, dass fünf Matten schadstofffrei waren. In der Yogamatte von Zen Power wurde der allergieauslösende Schadstoff 2-MBT nachgewiesen. Zudem ergab der Yogamatten-Test, dass vier Matten farbecht sowie oberflächenbeständig sind, eine Matte hatte einen geringen und eine einen stärkeren Farbabrieb.

Übersichtstabelle des Praxischecks und Labortests der Fitnessmatten. (Foto: SWR)
Insgesamt ganz vorne: die Matte von Decathlon.

Was kann man beim Yogamatten-Kauf beachten

Nachhaltige Yogamatten

Derzeit ist die Auswahl an nachhaltigen Alternativen bei den „Yogamatten“ größer als bei klassischen Gymnastik- bzw. Fitnessmatten. Yogamatten sind zwar in der Regel etwas dünner als Gymnastikmatten, doch auch auf ihnen lassen sich die meisten Home-Workouts gut durchführen. Nachhaltige Matten gibt es ab etwa 50 Euro.

Wie kann man eine Yogamatte reinigen?

Eine korrekte Reinigung der Yogamatte sorgt für Hygiene und dafür, dass die Matte länger hält. Dabei sollte vor allem auf die Herstellerangaben geachtet werden. Meist reicht das Abwischen mit einem feuchten Tuch und anschließendes Trocknen-lassen aus. In die Waschmaschine sollte die Fitnessmatte besser nicht. Und wer viel schwitzt, kann direkt beim Sport vorbeugen und ein Handtuch verwenden.

Zusammenfassung

In unserem Labortest und Praxis-Check schnitt die Yogamatte von Decathlon am besten ab. Im Allgemeinen sollte man beim Kauf einer neuen Fitnessmatte auf deren Rutschfestigkeit, Geruch, Länge, Siegel und das Material achten. Insbesondere PVC sollte man meiden. Bei No-name-Produkten aus dem Internet gilt: lieber etwas vorsichtiger. Im Idealfall den persönlichen Favoriten im Fachhandel nach Grip, Geruch und Länge auswählen und dort kaufen. Dann kann man das Yoga-Workout unbesorgt und entspannt genießen.

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