Eklig oder nachhaltig?

Welche tierischen Inhaltsstoffe stecken in unserer Kosmetik?

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In kosmetischen Inhaltsstoffen wie Kollagen stecken oft tierische Bestandteile. Schweinehaut in Cremes klingt eklig – doch sind synthetische Alternativen für Umwelt und Haut besser?

Kollagen in Cremes, Keratin in Shampoos oder Spülungen, Karmin in Lippenstiften – diese Inhaltsstoffe können von toten Tieren stammen. Karmin sorgt beispielsweise für die rote Farbe des Lippenstifts und Retinol wird vielen Cremes zur Versorgung mit Vitamin A beigemischt. Aber hinter Begriffen wie Keratin, Kollagen, Elastin, Glycerin oder Lanolin können tierische Bestandteile wie etwa Talgdrüsensekret von Schafen, Fasern aus Hörner und Federn oder Haut und Sehnen von Schweinen stecken.

Kryptische Bezeichnungen

Zwar müssen in Deutschland die Inhaltsstoffe von Pflegeprodukten und Kosmetika auf der Packung angegeben werden, doch oft sind die Bezeichnungen kryptisch, abgekürzt oder auf Englisch oder Latein. Und: Selbst für Fachleute ist nicht erkennbar, ob hinter einer Inhaltsstoff-Bezeichnung dann schließlich Bestandteile tierischen Ursprungs stecken oder nicht. Chemikerin Kerstin Effers fordert daher, dass ganz klar ersichtlich sein soll, ob der Inhaltsstoff aus Pflanzen oder aus Tieren stammt.

Welcher tierische Bestandteil kann dahinterstecken?

  • Chitosan oder Chitin: Insekten oder Krebstiere
  • Elastin: z.B. Tiersehnen
  • Glycerin: Rindertalg
  • Guanin: zerstoßene Fischschuppen
  • Karmin/Carmin/Cochenille: zerdrückte Cochenille-Läuse
  • Keratin: z.B. Federn oder Hufe von Schlachttieren
  • Kollagen: z.B. Sehnen, Knochen und Bindegewebe
  • Lanolin: Sekret aus den Talgdrüsen von Schafen
  • Retinol: Fischleber
  • Schellack: Ausscheidungen der Lackschildlaus
Creme mit dem Inhaltsstoff Retinol (Foto: SWR)

Verwendung tierischer Bestandteile

Aber warum werden diese tierischen Inhaltsstoffe verwendet? Auf Nachfrage bestätigen uns mehrere Hersteller, dass sie Inhaltsstoffe von toten Tieren verwenden, darunter etwa L'Oréal oder Kao. Als eines der wenigen Unternehmen äußert sich die Drogeriemarktkette dm transparent zu den Gründen für den Einsatz solcher tierischen Bestandteile: „Die Gründe hierfür sind zum einen der funktionale Nutzen gewisser Inhaltsstoffe, zum anderen die fehlenden Alternativen.“ Das Kosmetiklabel Artdeco schreibt, dass Inhaltsstoffe tierischen Ursprungs vielseitige und hilfreiche Funktionen haben, die zum Beispiel zu einer guten Produkt-Performance und -Stabilität beitragen.

„Man kann sich natürlich auf den Standpunkt stellen, dass wenn ein Tier schon getötet wird, dass es dann auch sinnvoll ist, es dann auch wenigstens ganz zu verwenden. Wahrscheinlich sind die Inhaltsstoffe günstig oder sie haben halt eine Wirkung, die unbedingt gewünscht wird. Die Frage ist, ob sich die nicht auch mit anderen Inhaltsstoffen erzielen lässt.“

Kerstin Effers ist Chemikerin bei der Verbraucherzentrale NRW (Foto: SWR)
Kerstin Effers arbeitet bei der Verbraucherzentrale NRW.

Vegane Kosmetik

Mit veganer Kosmetik sind Verbraucher, die keine tierischen Inhaltsstoffe in ihren Produkten wünschen, auf der sicheren Seite. Auch immer mehr herkömmliche Pflegeprodukte werben damit – oft mit eigenen Labels. Aber sind solche veganen Produkte automatisch besser? Laut Dr. Marike Kolossa, Umweltwissenschaftlerin beim Umweltbundesamt, schließt die Bezeichnung vegan nicht aus, dass ansonsten problematische Chemikalien in einem Produkt enthalten sind: „Wir haben eben in solchen Produkten zum Beispiel Duftstoffe, die Allergien auslösen können, wir haben Biozide, die Hautreizungen auslösen können, wir haben Sonnenschutzfilter, die beispielsweise auch das Hormonsystem beeinflussen können, so genannte PEGS, die die Durchlässigkeit der Haut gegenüber anderen Schadstoffen erhöhen.“

Zu welcher Kosmetik sollten Verbraucher greifen?

Was also tun, wenn man keine Bestandteile von toten Tieren in seiner Kosmetik möchte, sich aber trotzdem so natürlich und gesund wie möglich pflegen will? Dazu können Verbraucher auf zertifizierte Naturkosmetik zurückgreifen. Produkte, die das „Cosmos“ oder das „Natrue“-Siegel tragen, verzichten sowohl auf Inhaltsstoffe von toten Wirbeltieren als auch weitgehend auf chemisch hergestellte Inhaltsstoffe. In Kombination mit der Kennzeichnung „vegan“ ist diese Kosmetik für Gesundheit und Umwelt die beste Alternative.

Naturkosmetik-Produkte mit dem Cosmos-Siegel (Foto: SWR)

Tierversuchsfrei

Die Kennzeichnung vegan kann zudem dabei helfen, Kosmetik-Produkte zu finden, die nicht an Tieren getestet wurden. So kennzeichnet beispielsweise das V-Label der European Vegetarian Union – grünes V auf gelbem Grund –, dass keine Tierversuche am Endprodukt durchgeführt wurden. Die Veganblume der Vegan Society versichert, dass weder für die Entwicklung und Herstellung des Produkts noch für die Herstellung der Inhaltsstoffe Tierversuche jeglicher Art stattgefunden haben.

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