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Schmerzmittel - Rezeptfrei und doch gefährlich?

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Einige Schmerzmittel bekommt man rezeptfrei in der Apotheke, sie können aber starke Nebenwirkungen hervorrufen. Wir erklären, warum Selbstmedikation riskant ist und worauf man achten muss.

Egal ob als Salbe, Tabletten oder Pulver: Bei Schmerzmitteln greift jeder zweite Erwachsene mindestens einmal im Vierteljahr zu, häufig ohne das vorher mit dem Arzt abzusprechen.

Frei verkäuflich und trotzdem risikoreich

So eine Selbstmedikation ist besonders bei leichteren Erkrankungen oder Alltagsbeschwerden beliebt. Da aber auch viele rezeptfreie Medikamente Nebenwirkungen haben, sollte man sie unbedingt mit Bedacht nehmen.

Wirkstoffe wie Diclofenac, Ibuprofen oder Acetylsalicylsäure (ASS) sind Schmerz- und Entzündungshemmer, schädigen aber unsere Schleimhäute: Das kann Magenschmerzen verursachen und es können sogar Magengeschwüre auftreten. Sie sollten bei einem empfindlichen Magen also nicht eingenommen werden.

Paracetamol ist magenschonender. Der Wirkstoff hilft beispielsweise auch gegen Fieber, kann aber die Leber schädigen. Bei Paracetamol sollte man deshalb besonders darauf achten, dass am Tag der Tabletteneinnahme kein Alkohol konsumiert wird.

„Da reichen schon wenige Tabletten oder Tage aus, um einen echten Leberschaden zu provozieren.“

Die ASS, die auch im beliebten Kopfschmerzmittel Aspirin wirkt, ist auch ein Gerinnungshemmer. Der Wirkstoff sollte also vor Operationen und bei frischen Wunden nicht eingenommen werden.

Diclofenac kann das Risiko für einen Herzstillstand oder Schlaganfall erhöhen und ist daher insbesondere bei Vorerkrankungen des Herzens nicht zu empfehlen. Dies gilt ebenso bei Ibuprofen. Das Risiko besteht schon bei einer Einnahme von wenigen Wochen.

Schmerzmittel (Foto: SWR)

Wie häufig sollte man Schmerzmittel einnehmen?

Grundsätzlich sollte man laut unserem Gesundheitsexperten an maximal zehn Tagen im Monat zu Schmerzmitteln greifen. Wer Schmerztabletten mehrere Tage durchgehend einnimmt und nach drei Tagen immer noch Schmerzen hat, der sollte unbedingt einen Arzt aufsuchen.

Wer kann, der sollte bei nur leichten Kopfschmerzen erstmal auf Tabletten verzichten. Manchmal helfen schon kleine Tricks, wie etwa:

  • eine kurze Ruhepause
  • ein großes Glas Wasser
  • ein Tropfen Pfefferminzöl, den man sich auf die Schläfen reibt

Wie wirken Schmerzmittel im Körper?

Bei Verletzungen wird im Gewebe ein wichtiger Botenstoff gebildet: das Prostaglandin. Cox heißen die Enzyme, die Prostaglandine herstellen. Die Prostaglandine docken an den Schmerzrezeptoren der Nervenenden an und lösen ein Signal aus, das im Gehirn als Schmerz wahrgenommen wird. Die Herstellung von Prostaglandinen wird durch die Schmerzmittel unterbunden. Cox-Enzyme werden dadurch blockiert und es werden keine Signale mehr ans Gehirn weitergegeben: Die Schmerzen lassen nach.

Bis der Wirkstoff sich auflöst, ins Blut gelangt und die körpereigenen Mechanismen in Gang kommen, vergehen laut Apotheker Rudi Grünbauer aber erstmal 10 bis 15 Minuten. Deshalb tritt die schmerzlindernde Wirkung dann auch erst mit einer Verzögerung von bis zu einer halben Stunde ein.

Apotheker Rudi Grünbauer (Foto: SWR)
Apotheker Rudi Grünbauer

Welche Alternativen gibt es zu Schmerzmitteln?

Dr. Lothar Zimmermann empfiehlt eine Kombination aus verschiedenen Therapieformen: Beispielsweise können eine medikamentöse Schmerztherapie und eine Psycho- oder Physiotherapie helfen.

Schmerztherapie in der Schmerzambulanz

Wenn Ihr Hausarzt bei diesen Therapieformen nicht mehr weiterweiß, kann eine Schmerzambulanz die richtige Adresse sein.

Schmerztherapie (Foto: SWR)
Schmerztherapie in einer Schmerzambulanz

Der Schmerztherapeut Dr. Stefan Junger leitet die Schmerzambulanz am Klinikum Stuttgart und erklärt, wie Kopfschmerzen dort behandelt werden: „Grundsätzlich gilt in der Behandlung von Kopfschmerzen, dass die nicht-medikamentösen Maßnahmen mindestens 50 Prozent des Erfolgs darstellen, bedeutet Entspannungstechniken, Körpergefühl, Selbstwahrnehmung zu trainieren. Wenn gar nichts davon hilft, kann man in Einzelfällen auch eine Cannabinoid-Therapie testen, weil Cannabisprodukte auf muskuläre Verspannungen lindernd wirken können.“ Eine solche Therapie darf allerdings nur unter ärztlicher Aufsicht erfolgen.

Dr. Stefan Junger, Schmerztherapeut in der Schmerzambulanz Klinikum Stuttgart (Foto: SWR)
Dr. Stefan Junger, Schmerztherapeut in der Schmerzambulanz Klinikum Stuttgart

Unser Fazit

Wer auf Nummer sicher gehen möchte, sollte immer zuerst mit seinem Arzt Rücksprache halten und sich die Nebenwirkungen auf dem Beipackzettel durchlesen. Apotheker Rudi Grünbauer rät bei Schmerzmitteln generell: so viel wie nötig, so wenig wie möglich. Schmerztabletten sollten generell nicht als eine Problemlösung gesehen werden, sondern nur als eine Schmerzlinderung.

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