Fernstudium (Foto: Unsplash Jan Baborak)

Kosten, anerkannte Studiengänge, Siegel

Das sollte man beim Fernstudium beachten

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AUTOR/IN
Valeria D'Alessio

Viele Fernuniversitäten bieten attraktive Studienfächer an und werben mit hoher Flexibilität, sind dabei oft aber recht kostspielig. Zum Teil kann jedoch gar kein echter Studienabschluss erzielt werden.

Immer mehr Angebote für Fernstudiengänge

Die Coronapandemie hat den Anstieg an digitalen Studienangeboten stark befeuert, sagt Fabio Astuni vom Onlineportal FernstudiumCheck.de. Und nicht nur Fernuniversitäten erweitern ihr Angebot.

Die Covid-19-Krise hat den Unialltag aller Studierenden verändert. So steckten, plötzlich viele ganz unfreiwillig in einer Art Fernstudium, obwohl sie mit einem Präsenzstudium gestartet sind. Der Umstieg auf eine rein digitale Lehre stellt nicht nur die Studierenden, deren WG-Zimmer zum virtuellen Hörsaal wurde, sondern auch die meisten Hochschulen vor große Herausforderungen. Lehrmaterial muss digitalisiert werden und die Prüfungen müssen umgeplant werden, damit sie online stattfinden können. Das führt dazu, dass sich schon jetzt – auch bei klassischen Präsenzuniversitäten – einiges am Online-Programm getan hat.

Fernstudium (Foto: Unsplash Chris Montgome)
Aktuell bleibt vielen Studierenden gar nichts anderes übrig, als per Videochat gemeinsam zu lernen. Unsplash Chris Montgome

Immer mehr Präsenzuniversitäten werfen Fern- oder Hybridlehrgänge auf den Markt. Sie müssen sich notgedrungen weiterentwickeln und Mischformen schaffen.

Bundesweit ist eine erhöhte Nachfrage an Weiterbildungsmöglichkeiten zu beobachten. Die staatliche Fernuniversität Hagen verzeichnete beispielsweise im Jahr 2020 einen Anstieg der Studierenden von etwa 20 Prozent. Insgesamt besonders beliebt: Studienfächer wie BWL, Psychologie und Soziale Arbeit.

Das Interesse an Studiengängen wie Tourismusmanagement oder Kursen mit den Themen Ernährungsberatung und Naturheilkunde habe seit der Pandemie jedoch nachgelassen, so Fabio Astuni.

Studiengebühren an Fernunis – warum sie oft so viel höher sind

Digitale Weiterbildungsangebote gibt es zuhauf. Doch ein Fernstudium ist meistens deutlich teurer als ein Studium an einer Präsenzhochschule. Die Kosten an einer Fernuniversität belaufen sich im Durchschnitt auf 11.000 bis 13.000 Euro für ein Bachelorstudium in Regelstudienzeit von drei Jahren. Auch ein Master-Fernstudium liegt durchschnittlich bei über 12.000 Euro und ein MBA-Fernstudium (Master of Business Administration) ist sogar noch teurer. Hier müssen Studierende mit Kosten um 20.000 Euro rechnen. Und zu alledem kommen die Lebenshaltungskosten noch hinzu.

Ein Studium an einer staatlichen Präsenzuniversität oder -Hochschule ist in der Regel deutlich günstiger. Hier zahlt man fast immer nur Semesterbeiträge, die summiert für das gesamte Studium meist etwa 1.400 bis 2.000 Euro ergeben.

Der enorme Kostenunterschied ergibt sich vor allem durch die Finanzierung der beiden Hochschulformen. Bei staatlichen Hochschulen kommen fast 90 Prozent der Finanzmittel von öffentlicher Hand – etwa 75 Prozent von den Bundesländern, die die Grundfinanzierung sicherstellen und etwa 15 Prozent vom Bund. Private Hochschulen müssen ihre Kosten meist in erster Linie über die Studiengebühren decken. Die Fernuniversitäten in Deutschland sind – mit Ausnahme der Fernuniversität Hagen – alle privat.

Versteckte Kosten

Doch was bekommt man für die hohen Studiengebühren im Fernstudium?

Häufig decken die Studiengebühren Unterlagen wie Skripte, Übungsaufgaben und den Zugang zu Online-Plattformen ab. Für einzelne Kurs-Lehrbriefe und die Korrektur von Einsendeaufgaben fallen zum Teil weitere Kosten an. Und auch Prüfungen werden oft noch zusätzlich berechnet.

Nicht alle Fernuniversitäten sind transparent, was die Gebühren anbelangt. Zusatzkosten können sich im Kleingedruckten verstecken.

Beispielsweise werden für einige Design-Studiengänge kostenpflichtige Programme benötigt, für die monatlich gezahlt werden muss. Des Weiteren können Gebühren für die Abschlussarbeit, freiwillige Präsenzveranstaltungen, Auslandsaufenthalte sowie Reise- und Verpflegungskosten hinzukommen. Und auch die Kosten für zusätzliche Fachliteratur oder Materialien sind nicht zu unterschätzen. Interessierte sollten also unbedingt darauf achten, was in den Gebühren enthalten ist und welche Zusatzkosten anfallen können. Ferner kann auch die Regelstudienzeit von Bedeutung sein. Denn bei vielen Fernstudienanbietern fallen die Gebühren monatlich an, sodass eine Überschreitung der Regelstudienzeit zu hohen Mehrkosten führen kann.

Nicht-akademische Fernlehrgänge sind übrigens oft günstiger als Fernstudiengänge.

Ein Vergleich lohnt sich

Oft sind die Kosten an sehr bekannten Institutionen höher als bei kleineren, unbekannteren Anbietern. Das ist allerdings nicht unbedingt ein Zeichen für die Qualität des Studiums.

Fernstudium aber ohne akademischen Abschluss?

Der Begriff Fernstudium ist kein geschützter Begriff, weshalb auch viele Akademien, Fernschulen oder Fernlehrinstitute für nicht-akademische Angebote immer wieder damit werben. Das kann irreführend sein, da viele mit einem Studium einen akademischen Abschluss verbinden. Wer einen Bachelor-, Master oder MBA-Abschluss anstrebt, sollte deshalb unbedingt auf einige Kriterien achten:

Jeder Studiengang muss staatlich anerkannt und akkreditiert sein, um in einem Bachelor, Master oder MBA-Abschluss zu münden. Dabei spielt keine Rolle, ob es sich um einen Präsenz- oder Fernstudiengang handelt. Nach dem Bachelor/Master-System, das im Zuge der Bologna-Reform eingeführt wurde, sind alle Fernstudiengänge auch international anerkannt.

Akkreditierung als Qualitätsurteil

Alle Bachelor- und Masterstudiengänge müssen seit Oktober 2003 nach den Maßstäben des deutschen Akkreditierungsrats akkreditiert werden. Denn ohne die Akkreditierung gibt es kein Qualitätsurteil über den Studiengang. Das gilt nicht nur für Präsenzstudiengänge, sondern auch für Fernstudiengänge und duale Studiengänge.

Die Akkreditierung eines Studiengangs bedeutet, dass zum Beispiel überprüft wurde, ob es ein schlüssiges Studienkonzept und einen sinnvollen Studienaufbau gibt, der geeignete Lehr- und Lernformen beinhaltet.

Die Studiengänge werden von unterschiedlichen Agenturen und Organisationen überprüft. Zum Beispiel von FIBAA, ACQUIN, ASIIN, ZEvA oder AQAS. Die meisten Hochschulen werben mit ihrer Akkreditierung auf der Homepage. Ist dies nicht der Fall, sollte man bei der Hochschule nachfragen.

Was sagt das ZFU-Siegel aus?

Wer nach einem passenden Fernstudiengang sucht, sollte außerdem unbedingt darauf achten, dass der Studiengang ein ZFU Siegel trägt: Die „Staatliche Zentralstelle für Fernunterricht“ (ZFU) prüft alle Fernlehrgänge und entscheidet, ob sie den Anforderungen des Fernunterrichtschutzgesetzes entsprechen. Denn Fernunterricht ist laut § 12 Abs. 1 Satz 1 FernUSG zulassungspflichtig. Ob ein Fernlehrgang zugelassen ist, erkennen Sie anhand des ZFU-Zulassungszeichens mit einer Zulassungsnummer. Der Fernstudienanbieter muss diese Zulassungsnummer unbedingt im Informationsmaterial angeben.

ZFU-Siegel (Foto: https://www.zfu.de/zeichen.html)
ZFU-Siegel https://www.zfu.de/zeichen.html

Auch Angebote ohne eine Lernerfolgskontrolle sind vom FernUSG nicht erfasst. Es kann allerdings auch der Fall sein, dass Fernunis ihre Lehrgänge ohne das ZFU-Siegel anbieten, weil die Lerninhalte nicht aktuell sind oder Lücken aufweisen. Sie sollten also unbedingt genauer nachforschen, weshalb der Fernlehrgang, der Sie interessiert, kein ZFU-Siegel trägt.

Hinweis: Insbesondere im Fitness- und Gesundheitsbereich trifft man häufig auf den nicht geschützten Begriff “Fernstudium”. Hier werden besonders häufig Fernlehrgänge angeboten, die keine ZFU-Zertifizierung besitzen.

Die staatliche Zulassung eines Fernlehrgangs (ZFU) ist allerdings nicht zu verwechseln mit der staatlichen Anerkennung und Akkreditierung. Allein Fernstudiengänge, die all diese Kriterien erfüllen, führen zu einem Universitätsabschluss, so wie er auch an Präsenzuniversitäten erreicht werden kann.

Für wen eignet sich ein Fernstudium?

Besonders für Berufstätige sowie Personen, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind, oder die Zuhause Kinder betreuen müssen, kann ein Fernstudium Vorteile bieten. Denn Fernstudiengänge sind größtenteils zeit- und ortsunabhängig absolvierbar. An den meisten Fernhochschulen ist es sogar möglich, jeden Monat Klausuren zu schreiben, sodass nicht alle Prüfungen in einen einzigen Zeitraum des Semesters fallen. Vorteil: Man kann sein Studium an seine persönlichen Umstände oder an sein eigenes Lerntempo anpassen. Nachteil: Genau das erfordert auch Disziplin und Selbstorganisation.

Wichtig ist, dass man sich vor der Entscheidung ein Gesamtbild der möglichen Präsenz- oder Fernhochschule verschafft. Am besten, man lässt sich direkt von der Hochschule beraten und liest sich zusätzlich auf unabhängigen Portalen Erfahrungsberichte von Studierenden durch. Diese findet man beispielsweise auf FernstudiumCheck.de, StudyCheck.de oder unicheck.de zu unzähligen Studiengängen.

Ob das Studienmodell mit Fernlehre zu einem passt, muss am Ende jeder individuell für sich entscheiden.

Bei Fernlehrgängen unerlässlich: das ZFU-Siegel. Hat ein Fernlehrgang keine staatliche Zulassung durch die ZFU, sollten Sie unbedingt prüfen, woran das liegt.

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