Kfz-Versicherung

Versicherungsabzocke nach E-Auto-Unfall

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E- oder Hybrid-Auto abgeschleppt - das kann teuer werden: Folgekosten durch Standzeiten oder Batterieentsorgung zahlt die Autoversicherung oft nicht.

Hybrid, Plug-In-Hybrid oder E-Auto – eine immer größer werdende Auswahl von Elektrofahrzeugen kommt auf den Markt. Der Trend zur E-Mobilität steigt. Die Neuzulassungen von Elektroautos in Deutschland wachsen laut Statistik des Kraftfahrt-Bundesamtes von Jahr zu Jahr.

Während im Jahr 2020 rund 195.000 Neuzulassungen in Deutschland verzeichnet wurden, wurde im darauffolgenden Jahr 2021 mit 355.000 Neuzulassungen fast doppelt so viele vermerkt. Unter anderem haben in diesem Jahr die steigenden Energiepreise dazu geführt, dass allein zwischen Januar 2022 und März 2022 bereits über 80.000 E-Autos zugelassen wurden.

Nach der Wahl des gewünschten E-Pkw sollte man sich genau überlegen, welche passende Versicherung abgeschlossen wird. Denn die Marktcheck-Recherche zeigt: Bei Versicherungen den Durchblick zu behalten ist nicht einfach. Zudem erschweren fehlende gesetzliche Vorgaben bei E-Autos es abzuwägen, welche Kosten im Falle eines Unfalls von der Versicherung gedeckt sind und welche nicht.

Hochvolt-Batterien – Fluch und Segen zugleich?

Die größte Gefahr bei E-Autos geht von Hochvolt-Batterien aus. Daher ist es wichtig, sich mit einer passenden Versicherung für den Notfall abzusichern. Das verdeutlicht auch der Fall des Marktcheck-Zuschauers Eugen Gross.

Sein Hybrid-Auto wurde bei einem Wildunfall in der Nähe von Offenburg beschädigt, wobei das Fahrzeug gegen einen Brückenpfeiler geknallt ist. Der Fahrer war der Sohn von Eugen Gross. Er erlitt nur leichte Verletzungen, musste nach dem Unfall allerdings mit dem Rettungswagen ins Krankenhaus. Da der Unfallwagen ein Hybrid war, musste das Auto nach dem Unfall in die sogenannte Fahrzeug-Quarantäne.

Im Fall von Eugen Gross wurde das Auto im Hof einer Abschleppfirma auf einer Metallrampe gelagert und mit einer Plane abgedeckt. Der Halter ging davon aus, dass seine Versicherung sämtliche Kosten übernehmen würde.

Beschädigtes E-Auto bedeckt mit einer Plane (Foto: SWR)
Das beschädigte E-Auto wird mit einer Plane bedeckt und gelagert.

"Das Fahrzeug stand da gesamt über sieben Wochen, der Gesamtschaden war circa bei 17.000 Euro. Das ist eine Katastrophe, das ruiniert einen."

Wie lange zahlt die Versicherung für die E-Fahrzeug-Quarantäne?

Versichert war der Hybrid-Wagen von Eugen Gross bei der Allianz-Versicherung. Sein Hybrid-Auto hatte eine Vollkaskoversicherung, wie auch einen Schutzbrief für den Pannenfall. Der Schutzbrief hat explizit die Fahrzeug-Quarantäne zur Brandschutzvorsorge abdeckt. Daher ging Gross davon aus, dass seine Versicherung sämtliche Kosten übernehmen würde.

Doch: Die Versicherung lehnt die vollständige Regulierung der Lager- und Abschleppkosten von knapp 17.000 Euro ab. Aus Kulanz zahlt die Versicherung die Hälfte der Kosten. Grund: Der Kaskoschutz übernehme Standgebühren nur für maximal 14 Tage.

Geschäftsführer des Verbands der Bergungs- und Abschleppunternehmens in Deutschland Michael Dzakovic bemängelt, dass es hierzulande keine gesetzlichen Regelungen für Fahrzeug-Quarantänen gibt.

Michael Dzakovic vom Verband der Bergungs- und Abschleppunternehmen e.V. (Foto: SWR)
Michael Dzakovic vom Verband des Bergungs- und Abschleppunternehmen e.V. erklärt, dass es keine gesetzlichen Regelungen bezüglich der Quarantänedauer für Hochvoltfahrzeuge gibt.

"Hier sagen die Hersteller zwischen drei und 10 Tagen, das ist die grobe Richtung, was die Hersteller vorgeben, bedauerlicherweise gibt es hierzu vom Gesetzgeber keine klare Ausrichtung. Wir sind als Branche auch dafür verantwortlich, den Aufwand so gering wie möglich zu halten, um auch den Kunden schnell aus der ganzen Sache zu entbinden."

Unstimmigkeiten nach dem E-Auto-Unfall

Auf Nachfrage beim zuständigen Abschleppunternehmen erfolgt die Antwort, dass Quarantänefläche wie auch weitere Brandschutzvorkehrungen in ausdrücklicher Absprache und im Einvernehmen mit Hersteller und Feuerwehr getroffen wurden.

Doch die Marktcheck-Recherche ergab: Der Fahrzeug-Hersteller wurde nicht gefragt, sondern ein örtliches Autohaus, dass die Batterie nicht abschließend überprüfen konnte. Ein Hochvoltexperte hätte das weitere Vorgehen koordinieren müssen, jedoch geschah dies nicht.

Zudem erklärt die zuständige Feuerwache, dass der Zustand der Batterie nach dem Unfall unkritisch gewesen sei und dass keine Absprache über Brandschutzvorkehrungen geführt worden waren.

Marktcheck erfährt während der Recherche vom Landratsamt Offenburg, dass die Abstellfläche des Fachbetriebs für diese Art der Nutzung baurechtlich keine Genehmigung hatte. Daher stellt sich die Frage: Hätte die Quarantänefläche für den Marktcheck-Zuschauer unter diesen Umständen berechnet werden dürfen?

Nein, denn ein rechtsgültiger Privatauftrag kam am Einsatzort nie zustande, da weder Eugen Gross noch sein Sohn beim Abschleppen des Autos vor Ort waren. Der Abschleppdienst wurde von der Polizei beauftragt. Daher hätte das Abschleppunternehmen auch nur mit der Polizei die Kosten anhand des hierfür vorgesehenen Preisblatt abrechnen dürfen. Das Preisblatt in dem beschriebenen Fall hat keine Gebühren für E-Auto-Quarantäneflächen vorgesehen, lediglich Standgebühren für Standard-Pkw. Der preisliche Unterschied: 10 Euro pro Tag für einen Standard-Lagerung und nicht 220 Euro für die Quarantänelagerung.

Die Rechnung, die an Eugen Gross ging, liegt inzwischen bei einem Anwalt, um gegen die Geschehnisse vorzugehen.

Fazit

An dem Marktcheck-Fall wird deutlich, dass durch gesetzliche Lücken auch viel Spielraum für die Abschlepp-Betriebe entsteht. Kommt es zu einem E-Auto-Unfall und einer Fahrzeug-Quarantäne, müssen betroffene Personen auf den korrekten Umgang mit dem Pkw achten. Um sich als E- oder Hybrid-Auto-Besitzer zu schützen und auf einen Ernstfall vorbereitet zu sein, ist es wichtig, beim Versicherungsschutz darauf zu achten, dass die Autoversicherung auch Folgekosten, wie längere Quarantänezeiten oder die Batterie-Entsorgung, abdeckt.

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