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Erst im Januar hat Bundesfinanzminister Olaf Scholz die Mehrwertsteuer auf Menstruationsartikel von 19 auf 7 Prozent gesenkt. Schottland geht noch weiter und gibt Tampons und Binden kostenlos aus.

Während in vielen Staaten noch diskutiert wird, ob und wie Menstruationsprodukte wie Tampons und Binden zu besteuern seien, schafft Schottland Tatsachen. Das schottische Parlament hat beschlossen, Binden und Tampons an ausgesuchten Stellen gratis auszugeben. Hintergrund ist die Einschätzung, dass es nicht fair sei, menstruierende Mädchen und Frauen für etwas bezahlen zu lassen, das angeboren ist und nicht Folge einer freiwilligen Entscheidung. Schottland geht damit weiter als Deutschland. Hier wird seit Jahresbeginn nicht mehr der Regelsteuersatz von 19 Prozent Mehrwertsteuer angewendet, sondern der für Güter des täglichen Gebrauchs, der bei 7 Prozent liegt. Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) hatte mit dieser Maßnahme auch auf die Petition „Die Periode ist kein Luxus“ reagiert, die bundesweit von 180.000 Menschen unterzeichnet wurde.

"Period Products (Free Provision) Scotland Bill" macht Tampons gratis

Im Vereinigten Königreich betrug die Steuer auf Menstruationsprodukte bislang fünf Prozent, schon 2016 hatte die Regierung angekündigt, sie ganz abzuschaffen. Passiert war jedoch nichts. Das jetzt verabschiedete schottischen Gesetz, der "Period Products (Free Provision) Scotland Bill", sieht vor, dass Menstruationsprodukte an öffentlichen Orten wie Stadtteilzentren, Jugendclubs oder Apotheken ausgegeben werden.

Seit 2018 werden bereits an schottischen Schulen und Universitäten Tampons und Binden kostenlos ausgegeben. Während der Parlamentsdebatte warb die Abgeordnete Alison Johnstone für die Abschaffung der Steuer mit dem Hinweis, dass es „weder gleichberechtigt noch fair" sei, jemanden für eine natürliche Körperfunktion finanziell zu bestrafen. 112 Abgeordnete im schottischen Parlament stimmten schließlich für das neue Gesetz, keiner stimmte dagegen.

Tausende Euro Kosten für Tampons und Binden im Leben

Jede Frau hat monatlich drei bis sieben Tage lang ihre Regelblutung – und das rund 450-mal in ihrem Leben. Im Durchschnitt gibt eine Frau in ihrem Leben einen vierstelligen Betrag für Tampons und Binden aus.

Die Schotten stehen zwar im Ruf, besonders sparsam zu sein. Aber an falscher Stelle wollten die Parlamentarier nicht sparen - das jetzt beschlossene Programm lässt sich der schottische Staat jährlich 24 Millionen Pfund kosten.

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