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Jetzt ist es raus: Männer leiden wirklich mehr als Frauen. Eine Studie belegt: Männerschnupfen ist kein Mythos. Männer erkranken im Vergleich zu Frauen häufiger und schwerer an Infekten.

Männer sind keine eingebildeten Kranken - sie haben das schwächere Immunsystem (Foto: Getty Images, Thinkstock -)
Männer sind keine eingebildeten Kranken - sie haben nur das schwächere Immunsystem Thinkstock -

Männer jammern nicht immer ohne Grund. Sie leiden wirklich mehr als Frauen. Das ist das Ergebnis einer neuen Studie: Männer haben weniger Östrogen als Frauen und das beeinflusst die Reaktion auf Viren. Die Forscher haben männliche und weibliche Nasenzellen infiziert. Die weiblichen waren deutlich resistenter als die männlichen.

Gespräch mit Martin Thiel, SWR Umwelt und Ernährung

Kann eine Frau nachfühlen, wie es einem Mann wirklich geht? Es gibt jetzt Studien, die belegen, dass Männer mehr leiden müssen, wenn sie krank sind?

Ja, es ist so, dass Infekte Männern womöglich mehr zu schaffen machen als Frauen. Studien belegen, Männer erkranken im Vergleich zu Frauen häufiger und schwerer an Infekten und sprechen auch auf Impfungen nicht so gut an.

Wer sagt das?

Eine Frau - Beatrix Grubeck-Loebenstein von der Uni Innsbruck hat sich viele Studien zu diesem Thema genauer angeschaut. Sie belegen die größere Anfälligkeit von Männern für Infektionen mit Bakterien und Viren.

In Europa erkranken zum Beispiel mehr Männer als Frauen an einer Influenza. Das gilt auch für schlimmere Krankheiten.

Warum sind Männer anfälliger?

Es ist schon länger bekannt, dass Mann und Frau unterschiedlich auf Krankheitserreger reagieren. Nur so richtig untersucht wurde es offenbar noch nicht. Eine wichtige Rolle spielt das Immunsystem. Das wird stark von Hormonen und Genen beeinflusst. Es gibt zwar viele Einflüsse, die den Verlauf eine Erkältung beeinflussen - etwa Alter, Jahreszeit, Tageszeit, Umweltfaktoren, Ernährung, Stress und Impffreudigkeit - aber trotzdem sind die Geschlechterunterschiede ein noch größerer Faktor.

Das Hormon Östrogen hat zum Beispiel einen Schutzeffekt vor Infektionen und wirkt stärkend auf alle Immunzellen. Davon hat die Frau eben viel mehr als der Mann. Der hat mehr Testosteron. Das sorgt im Gegenteil sogar dafür, dass die sogenannten Toll-Like-Rezeptoren reduziert werden. Das sind die sogenannten körpereigenen Alarmglocken, die das Immunsystem vorwarnen, wenn eine Erkältung im Anmarsch ist.

Die Stanford Universität hat festgestellt: Nach einer Grippeimpfung wurden bei Frauen deutlich mehr Antikörper gefunden als bei Männern. Je höher der Testosteronspiegel, je weniger Antikörper. Es sind also wieder mal die Hormone.

Gibt es noch andere Ausreden für die Männer, wehleidig zu sein?

Ja. Es hängt nicht nur an Hormonen, am Stress, am Alter, an der Ernährung, sondern auch an der Anatomie und der genetischen Ausstattung, die zwischen Mann und Frau unterschiedlich sind.

Frauen haben zwei X-Chromosomen, das heißt - stark vereinfacht - Frauen können vom jeweiligen Gen-Produkt bis zu zwei Mal so viel in ihren Zellen haben. Und es gibt allein etwa 1.000 Gene, die direkt etwas mit der Immunabwehr zu tun haben. Kurz gesagt: Die Abwehrreaktion kommt bei Frauen besser in Gang!

Was kann Mann für seine Gesundheit tun?

Ein Mann der auf sich achtet, gut ernährt und geimpft ist, kann es mit einer Frau aufnehmen, die nichts für ihre Immunabwehr tut.

Hilfreich für Männer ist:

  • Immer schön Hände waschen. Viren verbreiten sich besonders gerne von Hand zu Hand.
  • Testosteron ist auch keine Lösung. Durch Testosteron steigt die Gefahr, am Männerschnupfen zu erkranken. Also gut überlegen, ob man Testosteron im Fitnessstudio einsetzt, um einen tollen Bizeps zu bekommen - dadurch wächst gleichzeitig die Gefahr, häufiger krank zu werden.
  • Stichwort Ernährung: Gesunde Vitamine statt Süßigkeiten - Sport statt Bier - Gemüse statt Steak und Nudeln. Auch das fördert die Immunabwehr und damit ein Ende des Männerschnupfens.

Online: Heidi Keller

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