Krabbeltiere auf dem Teller

Warum Insekten bei uns keine Lebensmittel sind

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In der Schweiz sind jetzt Grillen, Wanderheuschrecken und Mehlwürmer als Lebensmittel zugelassen. Bei uns in Deutschland nicht. Wir klären, warum.

Getrocknete Heuschrecken und Mehlwürmer sind in Asien ein gängiges Lebensmittel. (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Getrocknete Heuschrecken und Mehlwürmer sind in Asien ein gängiges Lebensmittel. picture-alliance / dpa -

Insekten sind sehr eiweißreich. Aus Mehlkäferlarven wurde ein Fitnessriegel entwickelt. Die Tiere werden dafür fein gemahlen und ihre Proteine weiteren Zutaten beigemischt.

In Supermärkten in der Schweiz gibt es ab sofort Insektenfleisch zu kaufen. Damit wird dort ein neues Gesetz angewandt, wonach Grillen, Wanderheuschrecken und Mehlwürmer für den menschlichen Verzehr verkauft werden dürfen. In Deutschland ist das aus einigen Gründen verboten.

Eiweißgehalt vergleichbar mit Fleisch

Insekten in Brattopf (Foto: SWR, SWR -)
Insekten kann man braten wie Stücke von Rind oder Huhn. SWR -

Bei getrockneten Wanderheuschrecken haben 100 Gramm fast so viel Eiweiß wie die gleiche Menge Hühnerfleisch. Insekten sind dabei umwelt- und klimafreundlicher als andere Lebensmittel.

Es braucht beispielsweise viel weniger Futter, als wenn Rindfleisch produziert wird, und es muss auch kein Regenwald abgeholzt werden, wie für den Anbau der Eiweißquelle Soja.

Lebensmittelsicherheit unklar

Bis in Deutschland in Restaurants Insekten auf dem Teller liegen, könnte es noch dauern. (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Bis in Deutschland in Restaurants Insekten auf dem Teller liegen, könnte es noch dauern. picture-alliance / dpa -

Allerdings ist wenig darüber bekannt, welche Stoffe möglicherweise noch in Insekten stecken, die eventuell nicht gesund sind. Der Chitinpanzer, der mitgegessen wird, wirkt offenbar wie Ballaststoffe.

Allerdings wird auch der Darm der Insekten vor dem Essen nicht entfernt. Es ist unklar, was die Mikroben darin beim Menschen bewirken, ob der Kot Krankheitserreger enthält und ob die Tiere mit chemischen Schadstoffen belastet sind.

Das Paul-Ehrlich-Institut weist auf das Problem Allergien hin. Studien zeigen: Wer auf Garnelen allergisch reagiert, der reagiert auch auf Mehlwürmer.

Komplizierte Zulassung

In der Schweiz gibt es in einigen Supermärkten Mehlwurm-Fleischbällchen und -Burgerpatties. (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
In der Schweiz gibt es in einigen Supermärkten Mehlwurm-Fleischbällchen und -Burgerpatties. picture-alliance / dpa -

In Deutschland dürfen Insekten als Lebensmittel auch nicht einfach auf den Markt gebracht werden. EU-weit gelten Insektenteile als "neuartige Lebensmittel". Diese müssen eigens zugelassen und gesundheitlich bewertet werden. Bei ganzen Insekten gibt es momentan noch eine Grauzone, da greift diese Zulassungspflicht erst im kommenden Jahr.

Die EU-Länder gehen aber auch sehr unterschiedlich mit den Vorschriften um: In den Niederlanden oder Belgien sind Insektenlebensmittel unter bestimmten Bedingungen vermarktbar. In der Schweiz sind neuerdings Grillen, Wanderheuschrecken und Mehlwürmer als Lebensmittel zugelassen.

Autorin: Alice Thiel-Sonnen, SWR Umwelt und Ernährung / Online: Jutta Kaiser

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