Anspruch auf Entschädigung

Diese Rechte haben Fluggäste bei Warnstreiks

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Petra Thiele
SWR-Wirtschaftsredakteurin Petra Thiele (Foto: Dirk Bannert)

Bis zu 600 Euro müssen Airlines bei Verspätung, Flugausfall, Überbuchung und Streik zahlen. Allerdings Streik ist nicht gleich Streik: Bei wilden Streiks gelten andere Regeln.

Teilnehmer einer Kundgebung der Gewerkschaft Verdi stehen vor dem Gelände der Lufthansa Technik. Wegen des Verdi-Warnstreiks hat die Lufthansa für Mittwoch nahezu ihren kompletten Flugplan abgesagt. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Daniel Bockwoldt)
Wegen eines Warnstreiks musste die Lufthansa fast alle Flüge streichen. picture alliance/dpa | Daniel Bockwoldt

Dank der EU-Fluggastrechte haben Passagiere bei Verspätung oder Annullierung ihres Flugs Anspruch auf eine Entschädigungszahlung. Jahrzehntelang galt ein Streik als "höhere Gewalt". Deshalb mussten Fluggesellschaften bei Arbeitskämpfen nicht zahlen. Das hat sich geändert. Inzwischen hängt es vom Einzelfall ab. Wilde Streiks oder Streiks von Fluglotsen gelten weiterhin als unvermeidbare, außergewöhnliche Umstände und für diese Umstände können Fluggesellschaften nicht verantwortlich gemacht werden. Bei angekündigten Streiks ihres eigenen Personals sieht die Sache anders aus. Dann hat eine Fluggesellschaft theoretisch die Möglichkeit, zu reagieren.

Fragen an Tamara Land, SWR Aktuelle Wirtschaft

Welche Rechte haben Flugreisende bei einem Warnstreik?

  • Kunden haben die Wahl: Entweder Rückerstattung des Ticketpreises oder neuer Flug zum nächstmöglichen Zeitpunkt.
  • Im Idealfall bekommen Fluggäste vor dem Weg zum Flughafen eine E.Mail und können umgebucht werden.
  • Bei Inlandsflügen ist es auch möglich, dass man als Ersatz ein Bahnticket bekommt.
  • Wenn die Airline von sich aus nichts anbietet, sollte man Kontakt zur Fluggesellschaft aufnehmen und ein Angebot einfordern. Am besten ist es, dabei auch eine Frist zu setzen.
  • Und wenn dann nichts kommt, kann man sich selber einen Ersatzflug buchen und der bestreikten Fluggesellschaft die Kosten in Rechnung stellen

Gibt es darüber hinaus noch Ansprüche auf Entschädigung?

Also man kann versuchen, eine Entschädigung nach der EU Fluggastrechteverordnung zu beantragen, das sind je nach Strecke 250 bis 600 Euro:

  • Aber ich würde mir ehrlich gesagt nicht allzu viel Hoffnung machen.
  • Vergangenes Jahr hat der Europäische Gerichtshof zwar entschieden, dass es auch bei Streiks eine Entschädigung für die Passagiere geben kann:
  • Aber nur unter bestimmten Bedingungen und ob die jetzt erfüllt sind, kann man nicht klar sagen.
  • Man kann auf jeden Fall mal eine Entschädigung beantragen
  • Aber wenn die Fluggesellschaft das ablehnt, wird es letzten Endes vor Gericht entschieden werden müssen
  • Das betrifft aber nur die Entschädigung. Das Recht auf einen Ersatzflug oder die Rückerstattung des Tickets hat man auf jeden Fall!

Am Reisetag alle Details dokumentieren

Die Geschäftsführerin der Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr (SÖP), Sabine Cofalla erklärte gegenüber einer Nachrichtenagentur. dass es bei dem aktuellen Lufthansa-Streik Unklarheiten geben würde. Entscheidend sei, ob im Einzelfall das streikende Bodenpersonal bei der Lufthansa selbst angestellt sei oder nicht, betonte sie. Dies müsse bei jedem Flug geklärt werden. Sie riet Reisenden dazu, am Reisetag alle Details zu dokumentieren.

Die SÖP geht davon aus, dass die Beschwerden im laufenden Jahr weiter zunehmen und sich in etwa auf dem Vorkrisen-Niveau von 2019 einpendeln. Damals bearbeitete die Stelle rund 26 000 Beschwerden.

Reisende bringen auf dem Flughafen ihr Gepäck zu den Flugschaltern. (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Flüge werden behindert und fallen aus - Passagieren steht eine Ersatzbeförderung zu. picture-alliance / dpa -
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