Ein Bauarbeiter mit Sonnenhut arbeitet mit einer Schaufel (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

Arbeitsschutz bei hohen Temperaturen

Arbeiten in der Hitzewelle - was ist erlaubt?

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Tamara Land
Tamara Land, SWR Wirtschaftsredaktion (Foto: SWR, SWR)
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Katharina Fortenbacher-Jahn
Katharina Fortenbacher-Jahn, SWR Aktuelle Wirtschaft (Foto: SWR, SWR)

Die Hitzewelle ist da. Schulkinder hoffen auf Hitzefrei. Aber was ist mit den Eltern? Wie Arbeitgeber ihre Beschäftigten schützen müssen und was Mitarbeiter dürfen - und was nicht.

Eine neue Hitzewelle macht das Arbeiten wieder besonders anstrengend. Viele fragen sich, was jetzt bei der Arbeit gilt, wenn die Temperaturen immer weiter steigen. Was muss ich ertragen, wie bin ich geschützt? Viele hoffen auch, dass irgendwann automatisch Schluss ist - also Hitzefrei. Wir erklären, was in Sachen Arbeitsschutz gilt.

Kein Recht auf Hitzefrei für Arbeitnehmer

Hitzefrei gibt es bei der Arbeit leider nicht. Also, dass ab einer bestimmten Temperatur sozusagen Schluss wäre. Einfach heimgehen, wenn es zu heiß ist, das ist für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer nicht drin. Aber der Arbeitgeber muss dafür sorgen, dass es bei der Arbeit nicht unerträglich heiß wird. Das ist in der sogenannten Arbeitsstättenverordnung geregelt.

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Die rote Linie im Büro: Es darf nicht gesundheitsschädlich werden

Laut Verordnung muss das Unternehmen oder der Betrieb gewährleisten, dass etwa Büros während der Arbeitszeit eine "gesundheitlich zuträgliche Raumtemperatur" haben. Als Grenzwert gilt da 26 Grad Raumtemperatur. Wenn die erreicht ist, sollte der Arbeitgeber Hitzeschutzmaßnahmen ergreifen. Dazu verpflichtet ist er ab einer Raumtemperatur ab 30 Grad.

Das können Arbeitgeber tun

  • Ventilatoren oder Jalousien anbringen, wenn es keine Klimaanlage gibt
  • Getränke bereitstellen
  • Den Dresscode lockern: Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter müssen nicht mehr in Krawatte und Jackett oder Blazer kommen
  • Beschäftigte in kühlere Räume umquartieren
  • Pausen verlängern und Arbeitszeiten verschieben

Mit welchen Getränken wir gut durch heiße Tage kommen, dazu gibt es in der Sendung Doc Fischer im SWR Fernsehen Tipps.

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Bei 35 Grad darf in einem Raum nicht mehr gearbeitet werden

Game over ist bei 35 Grad, ab da ist ein Raum nicht mehr zum Arbeiten geeignet. Allerdings heißt auch das nicht, dass die Beschäftigten einfach heim gehen könnten. In einem solchen Fall sollte man erst einmal den Vorgesetzten oder die Vorgesetzte auf das Problem ansprechen. Und vielleicht gibt es dann eine Lösung. Beispielsweise, dass man das Büro wechseln oder im Keller arbeiten kann.

Noch mehr Einzelheiten zu den Rechten von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern bei Hitze erklärt der Fachanwalt für Arbeitsrecht Michael Felser im Gespräch mit Jenny Beyen, Moderatorin von SWR Aktuell. Auch zur Frage, ob denn künftig Hoffnung auf Hitzefrei besteht.

Beispielsweise bei der Stiftung Warentest gibt es Tipps und Hinweise, was bei Hitze gilt.

Kein Recht auf Homeoffice oder Gleitzeit bei Hitze

Einen Rechtsanspruch auf Homeoffice gibt es nicht. Übrigens auch keinen Anspruch darauf, nur morgens oder abends, wenn es kühler ist, zu arbeiten. Also auf Gleitzeit.

Der Arbeitgeber ist nur dazu verpflichtet, geeignete Schutzmaßnahmen zu treffen. Es ist aber nicht festgeschrieben, wie die konkret aussehen müssen. Dazu kann aber gehören, etwa die Arbeitszeit wenn möglich zu verschieben, längere Pausen zu erlauben oder eben dass an einem anderen Ort gearbeitet wird.

Auch im Homeoffice gibt es kein Hitzefrei

Es kann sogar ein Vorteil für Arbeitgeber sein, wenn die Beschäftigten mobil arbeiten dürfen. Dann ist nicht mehr der Arbeitgeber für den Hitzeschutz verantwortlich. Wer sein Homeoffice also im Dachgeschoss hat, muss selbst dafür sorgen, dass es ihm da nicht zu heiß wird – und im Zweifel doch ins klimatisierte Büro wechseln.

Eine Frage, die sich im Homeoffice immer wieder stellt, nämlich ob die Fenster besser auf oder zu sein sollten, erklärt die SWR Wissenschaftsredaktion:

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Tipps, wie man im Homeoffice für Abkühlung sorgen kann und die Wohnung kühl hält, gibt es von den Verbraucherzentralen und hier auf unseren Seiten:

Hitzefrei Tipps für die Abkühlung in der Wohnung

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Im Freien gibt es für die Arbeit keine Höchsttemperatur

Für Menschen in Außenberufen, wie zum Beispiel Beschäftigte auf dem Bau oder in der Landwirtschaft, gilt: Es gibt keine festgelegte Grenze, ab wie viel Grad Celsius draußen nicht mehr gearbeitet werden darf. Aber für diese Berufe gibt es spezielle Arbeitsschutzverordnungen und die Betriebe haben eine Fürsorgepflicht für ihre Beschäftigten.

In einem Kübel voller Eiswürfel kühlt sich eine Kellnerin die Arme ab (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
Ob in der Gastronomie oder am Bau: Viele Beschäftigte müssen auch bei Hitzerekorden draußen arbeiten. Ein Recht auf Hitzefrei haben auch sie nicht, aber es gilt eine Fürsorgepflicht der Arbeitgeber. Picture Alliance

Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber müssen draußen arbeitende Beschäftigte vor der Hitze und auch vor der Sonne schützen. Denn beides bedeutet Risiken für die Gesundheit, wie zum Beispiel die Gefahr, einen Sonnenstich oder Hitzschlag zu erleiden oder an Hautkrebs zu erkranken.

Das hilft draußen: Sonnenschutz, Getränke und flexible Arbeitszeiten

Maßnahmen können zum Beispiel sein, dass die Arbeit draußen in die frühen Morgenstunden verlegt wird. Oder dass das, was an Organisation, Planung oder Dokumentation anfällt, dann zum Beispiel mittags in einem hoffentlich klimatisierten Büro erledigt wird. Draußen sollten Arbeitgeber für Schatten sorgen, Sonnensegel aufhängen, Getränke zur Verfügung stellen und gegebenenfalls längere Pausen in kühlen Räumen ermöglichen.

Für Gebäudereiniger wie Jose Sanchez ist das Arbeiten bei Hitze oft Alltag. Hier im Film berichten wir, wie er und seine Kollegen sich bei der Arbeit schützen:

Video herunterladen (9,6 MB | MP4)

Unter Umständen kann der Arbeitgeber seinen Beschäftigten auch spezielle UV-Schutzkleidung oder kostenlose Sonnencreme zur Verfügung stellen. Aber ein Recht auf Hitzefrei gibt es selbst auf dem Bau nicht.

Auch hier gilt, man sollte sich zuerst an den Chef oder die Chefin wenden und über das Problem sprechen. Denn je nach Arbeitsumfeld muss viel mit bedacht werden: zum Beispiel welche Kleidung zum Unfallschutz notwendig ist und auf was verzichtet werden kann, um es kühler zu haben.

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