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SWR-Wirtschaftsredakteurin Petra Thiele (Foto: Dirk Bannert)

Apple gibt seinen Kunden als erster Smartphone-Anbieter eine einfache Möglichkeit, das Nachverfolgen ihres Verhaltens über verschiedene Apps und Websites zu stoppen - Kritiker sehen Nachteile.

Wer ein Apple iPhone hat, ein iPad nutzt oder Apple TV, soll mit dem aktuellen Betriebssystem besser selbst bestimmen können, was mit den eigenen Daten passiert. Mit dem Update greift die vergangenen Sommer angekündigte "App Tracking Transparency", kurz ATT.

Nutzer können Datenverfolgung zu Werbezwecken teils ausschalten  

Damit könnten Nutzer personalisierte Werbung verhindern. Und das funktioniert so: Nach dem Update – beim iPhone die Software iOS 14.5 - überprüft das System die Datenschutzeinstellung einer App, sobald die Anwendung zum ersten Mal oder nach einer Aktualisierung geöffnet wird. Die Anwender werden dann gefragt, ob ein Tracking erwünscht ist. Die App-Anbieter können kurz begründen, warum sie eine Einwilligung zu Tracking haben möchten und welche Vorteile sich dadurch für die Verbraucher ergeben.

Kritik von Facebook und Verbänden

Apples Vorstoß provoziert Widerstand in der Werbewelt. Facebook warnt schon seit Monaten, vor allem kleine und mittlere Unternehmen seien betroffen, die insbesondere in der Corona-Pandemie darauf angewiesen seien, personalisierte Werbung bei dem Online-Netzwerk zu schalten.

Kritik gibt es auch aus Deutschland: Mehrere Verbände aus der Werbe- und Medienbranche werfen Apple unfairen Wettbewerb vor und reichten eine Beschwerde beim Bundeskartellamt ein.

Kritiker: Apple nutze Marktmacht für eigene Zwecke aus 

Ihre Argumentation: Apple schließe „faktisch alle Wettbewerber von der Verarbeitung kommerziell relevanter Daten im Apple-Ökosystem aus“. Die eigenen Dienste seien von den geplanten Änderungen aber nicht betroffen - und sammelten erhebliche Mengen Nutzerdaten. Der für Datenschutz bei Nutzern zuständige Apple-Manager wies diesen Vorwurf zurück. Der neue Standard gelte gleichermaßen für alle Entwickler weltweit - und das schließe auch Apple mit ein.

Der Apple-Manager sagte weiter, es gebe Wege, Werbung effizienter zu platzieren und ihren Effekt zu messen, ohne einzelnen Nutzern zu folgen. App-Entwickler können zugleich nach wie vor mit Einverständnis der Nutzer Daten aus der eigenen Anwendung verarbeiten.

Funktion wird nicht auf allen Apple-Geräten angeboten

Apple führt das ATT-Verfahren nicht nur auf dem iPhone ein, sondern auch auf dem Tablet (iPadOS 14) und Apple TV (tvOS 14). Außen vor bleiben die Macintosh-Rechner von Apple, weil dort Software auch frei, außerhalb des App-Stores von Apple installiert werden kann.

Apple Sicherheitslücke (Foto: DASDING)
Apple bietet die neue Funkion nicht auf allen Geräten an.

Die Einführung des App-Tracking-Schutzes ist Teil einer umfassenden Datenschutz-Initiative von Apple. Seit Anfang Dezember müssen App-Anbieter beim erstmaligen Einreichen oder einer Aktualisierung ihrer Anwendung auch ein sogenanntes Datenschutzlabel veröffentlichen. Dort werden ähnlich wie auf den Zutatenlisten für Lebensmittel sämtliche Datentypen aufgelistet, die eine App vom Anwender erfassen möchte, beispielsweise Standortdaten, den Browser-Verlauf oder die Kontaktdaten. Die Angaben der Entwickler werden allerdings nicht von Apple überprüft.

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