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Viele Bürger entsorgen zu sorglos: In Papiertonnen finden sich eine Menge sensible Daten – eine Fundgrube für Kriminelle. "Vorsicht Verbrechen" wühlt sich durch Papierberge und wird fündig.

Eine Umfrage von Trusted Shop aus dem Jahr 2018 hat ergeben, dass jeder Zweite schon einmal vertrauliche Dokumente wie Kontoauszüge und Rechnungen ungeschreddert entsorgt hat. Jeder sechste Befragte macht das sogar regelmäßig. Und fast zwei Drittel der Befragten sind auch nicht besorgt wegen einer möglichen missbräuchlichen Nutzung persönlicher Daten oder haben keine klare Meinung dazu.

Doch Millionen Deutsche wurden bereits Opfer von Identitätsdiebstahl und das liegt nicht nur an den digitalen Daten. Durch die EU-Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) werden immer mehr Menschen dafür sensibilisiert, dass sie ihre digitalen Daten schützen müssen.  Wer aber nicht zusätzlich auch auf seine analogen Daten achtet, macht es Betrügern unnötig einfach.  

Verträge, Rechnungen mit Unterschriften, Adressen, Kontodaten, Kartennummern, Paketaufkleber mit Telefonnummer, misslungene Briefentwürfe mit Originalunterschrift: Es gibt so gut wie nichts an persönlichen Daten, das sich nicht im Altpapier findet. Und mancher solcher Datenfunde reicht schon alleine aus, um Schaden anzurichten. Noch schlimmer wird es, wenn die Daten als „Bündel“ vorliegen und sich so viele Informationen über das Opfer kombinieren lassen.

Beispiel 1: Kassenbons von Einkäufen, die mit EC- oder Kreditkarte bezahlt wurden

Einen einzelnen Kassenbon beispielsweise sieht Ina Bohn vom Bund Deutscher Kriminalbeamter eher als weniger kritisch an, da in der Regel keine personenbezogenen Kontodaten preisgegeben werden. Solange der einzige tatsächlich erkennbare Datensatz die Kartennummer der eingesetzten Maestro-Card ist, ist alles soweit sicher. Kritischer wird es aber schon, wenn es sich um eine Kreditkarte handelt, zusätzlich eine Kundenkarte mit voller Nummer vermerkt ist, oder vom Geschäft doch nicht alle Bankdaten sinnvoll verschlüsselt wurden.  Dann sind bereits mit einem einzigen Kassenbon brisante Daten zugänglich.

Und finden sich mehrere Kassenbons im Müll, lassen sich schon Rückschlüsse auf das Kaufverhalten schließen. Mitunter interessant zum Beispiel für Stalker.

Gut zu wissen: Die meisten Kassenbons aus Thermopapier gehören aus Umweltschutzgründen sowieso nicht ins Altpapier sondern in den Restmüll.

 Beispiel 2: Rechnung inklusive Kundennummer und Bankverbindung

Wissen Kriminelle mit welcher Kundennummer man bei einem Unternehmen einkauft, können sie einfach selbst bei dem Unternehmen einkaufen – auf Rechnung des Opfers.

Beispiel 3: Apotheken-Rezepte mit Name, Adresse und Geburtsdatum

Rezepte und sämtliche Quittungen mit gesundheitlichen Daten und oft auch dem Geburtsdatum sind besonders sensibel, denn mit Name, Datum und Geburtsdatum lassen sich bei manchen Onlinehändlern schon Kundenkonten eröffnen.

Der teuren Shopping-Tour im Internet steht kaum noch etwas im Wege. Und Rezepte enthalten mitunter allein durch die Kombination aus Namen und Medikament sensible Daten, die Rückschlüsse auf den Gesundheitszustand des Opfers erlauben. Ein Einfallstor zum Beispiel für Erpresser, die androhen, diese Daten einer Versicherung oder dem Arbeitgeber zukommen zu lassen.

4. Dokumente mit einer Original-Unterschrift

Ein misslungener Briefentwurf, Kopien eines älteren Schriftwechsels, ein doch nicht abgeschicktes Gewinnspiel und, und, und: Alles was eine Original-Unterschrift enthält ist für Kriminelle noch wertvoller, denn:  

„Ich kann mit Erlernen der Originalunterschrift Verträge abschließen, Verträge kündigen, Unterlagen allgemein fälschen.“

Ina Bohn, BdK Landesverband Rheinland-Pfalz

Besonders gefährlich: Aus vielen kleinen Infos wird ein großes Ganzes

Und oft ist es ja so, dass nicht nur eine Information im Papiermüll zu finden ist, sondern eine ganze Sammlung, bestehend aus einem oder mehreren der oben genannten Beispiele.

Das öffnet vom Stalker über den Erpresser bis hin zum Dieb allen möglichen Kriminellen die Tür, um dem Opfer persönlich oder wirtschaftlich massiv zu schaden.

So schützen Sie sich optimal

  • Entfernen sie von allen Zeitschriften und Paketen die Adressaufkleber
  • Schreddern Sie sämtliche Papiere inklusive Briefumschläge, auch wenn sie nur Teilinformationen über sie preisgeben.
  • Lassen Sie niemals Kassenbons im Einkaufswagen liegen. Und werfen Sie sie auch nicht unzerkleinert in die Tonne vor dem Einkaufsladen.

Vorsicht Datendiebe Fast jeder Dritte von Identitätsdiebstahl betroffen

Name, Geburtsdatum und Adresse: Persönliche Daten, die wir oft unbedarft herausgeben. Missbrauchen Betrüger die Daten, sind die Folgen oft drastisch. So kommen Sie da wieder raus.  mehr...

Vorsicht Verbrechen SWR Fernsehen

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